Blick auf die Show von Rammstein von der Waldebene Ost aus: Auch die vier Musiktürme im Innenraum spucken Feuer. Foto: /Engelhard

Ob auf dem Birkenkopf, der Waldebene Ost oder in Rotenberg: Das Feuerspektakel von Rammstein ist weit über der Stadt zu sehen. Auch Zaungäste sind zu Hunderten begeistert. Wir berichten, was bei der After-Show-Party in der Schleyerhalle los war.

Smoke on the Wasen: Schwarzer Rauch liegt über dem Volksfestgelände. Der Himmel brennt, könnte man meinen. Guter Rat ist Feuer – dafür steht Rammstein seit Gründung vor 28 Jahren. Einer der Musiker ist Pyrotechniker. Feuer ist eine archaische Urkraft, bezieht seine Faszination aus den starken Kontrasten, das es auslöst. Ein Lagerfeuer beruhigt, erzeugt Wärme und Geborgenheit. Gleichzeitig ist Feuer oft unkontrollierbar, macht Angst und will bezwungen werden. Draußen auf der Mercedesstraße haben Fans der martialischen Band den Plastikbezug des Zaunes aufgerissen, um durchschauen und durchknipsen zu können. Als es heftig in den Abendhimmel donnert und blitzt, rufen sich die Leute zu: „Happy new year!“

Zaungäste haben Picknickdecken und Klappstühle mitgebracht

Kein neues Jahr ist angebrochen, aber eine neue Zeit. Zwei Jahre lang ging wegen Corona nichts. Jetzt tut die neue Freiheit auf dem Cannstatter Wasen noch viel besser, weil man früher, als alles erlaubt war, womöglich gar nicht gewusst hat, dass nichts selbstverständlich ist. Sehr viele wollen sich die Eintrittspreise sparen oder haben gar keine Karten mehr erwischt.

Mit Picknickdecken und Klappstühlen, mit Rucksäcken voller Proviant und Flaschen, sind sie zu Hunderten auf den oberen, frei zugänglichen Teil des Festgeländes gekommen, um hinter der Absperrung dabei zu sein, wenn Till Lindemann grandios sein R rollt, wenn er mit tiefer Stimme das Böse erahnen lässt, wenn er die Massen bei „Mein Herz brennt“ oder „Du hast“ zum lauten Mitsingen und wilden Mittanzen verführt.

Auf den Tribünen sind die Sitze nur noch dazu da, sich in einer Pause niederzulassen. Die meiste Zeit stehen alle – und fast alle, versteht sich, sind in Schwarz gekleidet. Um 22.18 Uhr endet die Show mit Rücksicht auf Anwohner – rechtzeitig vor der für 22.30 Uhr vereinbarten Zeit. Kurz davor sind Konzertbesucher der Pet Shop Boys, von einer weiteren Großveranstaltung desselben Abends, aus der Porsche-Arena gekommen, viele bleiben stehen, um den letzten Rammstein-Song „Adieu“ mitzuerleben.

Wer darf bei der After-Show-Party in der Schleyerhalle mitfeiern?

Das Klischee lebt! Groupies, dachte man bisher, stammen aus einer Zeit, als Machos dominieren wollten, noch dazu, wenn sie Popstars sind. Groupies können doch nicht von heute sein? Bei Rammstein gibt es sie aber noch. Etwa 20 vom Management engagierte Mädels, zumeist tätowiert, mit üppigen Ausschnitten und zum Teil mit Netzstrümpfen versehen, die Lippen aufgespritzt, die Haare entweder blonder als blond oder tiefschwarz, stehen erst in der „Feuerzone“ vor der Bühne, wie der Bereich heißt, bei dem es direkt vor der Band etwas mehr Platz gibt, eigene Klos und eigene Bars ohne lange Schlangen wie sonst in fast allen Bereichen. Dann darf die Gruppe der aufgebrezelten Girlies noch eine weitere Schranke, die letzte, passieren – Männer sieht man dort keine. Die Groupies werden reingelassen, um sich zwischen Absperrung und Bühne gut sichtbar in Position zu bringen, als wollten die Rammsteiner, alle über 50, gleich mal aussuchen, wer später noch mitfeiern darf bei der After-Show-Party.

„Family &Friends“ steht auf den Ausweisen, die zum Eintritt der Backstage-Feier in der nahen Schleyerhalle berechtigt. Größen aus dem Musikbusiness sind dabei, aber auch einige Edelfans, die kein Konzert auslassen und auf der neuen Tour schon in Prag, Leipzig und Berlin dabei waren. Unglaublich viele junge Frauen aus verschiedenen Ländern sind bei der Party dabei, auch die Mitarbeiter der Crew. Schwarz dominiert erneut. Immer wieder mischen sich Bandmitglieder unter die Gäste. Die Sicherheitsvorkehrungen sind stark, es wird auch auf Corona getestet.

In der Feuerzone: Sänger Peter Freudenthaler, Angermaier-Chef Axel Munz

Als die Band auf die kleine Bühne im Innenraum für den Song „Engel“ wechselt, wird die kleine Pause mit Kamerabildern aus dem Publikum überbrückt, vor allem die Groupie-Mädels sind zu sehen, wie sie etwa direkt an den Bühnenboxen mit den Hintern wackeln. Den größten Beifall erhält ein junger Mann auf erhöhter Position des Innenraums, der in Großaufnahme sein T-Shirt nach oben reißt und seine nackte Brust zeigt. Auf Gummibooten werden die Musiker über den Köpfen der Fans von diesen zurück auf die Bühne getragen. Das Publikum ist im Freudentaumel. Das Konzert gehört zu den besonderen Ereignissen, von denen man noch in vielen Jahren erzählen wird.

In der Feuerzone sind unter anderem Axel Munz, der Angermaier-Chef aus München, und Peter Freudenthaler von Fools Garden dabei. Nein, solche Groupies wie Rammstein hat er nicht, sagt der Sänger von „Lemon Tree“ und will sie auch gar nicht. Doch tief beeindruckt ist er von der Pyro-Metal-Show, die Freudenthaler als Gesamtkunstwerk genießt: „Da kann man nur den Hut ziehen!“ Am Samstag, 20 Uhr, gibt Rammstein das zweite Konzert in Stuttgart. Das Feuer wird noch mal geschürt. Ohrenschützer nicht vergessen!