Das Titelblatt der zwölf Forderungen der Bauern aus dem Bauernkrieg. Foto: Archiv

Vor 500 Jahren tobte der Bauernkrieg in Deutschland. Auch in Wildberg standen die Bauern vor den Toren. Die Stadt ließ sie ein und riskierte damit Ärger mit den eigenen Herrschern.

500 Jahre ist es her, dass im heutigen Deutschland der Bauernkrieg tobte. Die Bauern, gebeutelt durch Abgaben, immer kleinere Höfe durch Teilung und rechtliche Willkür, erhoben sich gegen den Adel. Zwölf Artikel hatten die Bauern mit ihren Forderungen zusammengestellt.

 

„Der ,dritte Stand‘ hatte kein Auskommen mehr“, erklärt Wildrud Picka, Stadtführerin in Wildberg. Die Gesellschaft im 16. Jahrhundert war klar in drei Stände gegliedert. Der oberste war der Klerus, also die Geistlichkeit. Der zweite der Adel und danach kamen die freien Bauern, Bürger und Handwerker. Leibeigene etwa waren ganz ohne Stand. Ein wesentliche Triebfeder war auch der Buchdruck – denn so konnten die Bauern feststellen: Sie sind nicht allein mit ihrer Meinung. Schließlich rotteten sie sich in „Haufen“ zusammen und erhoben sich gegen ihre Herren.

Auch in Wildberg standen die Bauern schließlich vor den Toren der Stadt. Der „Schwarzwälder Haufen“, wie diese Gruppe Bauern genannt wurde, stellte den Wildbergern ein Ultimatum, erzählt Picka. Die Bauern forderten, die Tore zu öffnen und die Stadt friedlich zu übergeben. Dann wollten sie die Bewohner und das Eigentum dieser schonen. Ansonsten würde es zu Gewalt kommen, drohten sie.

Kloster Reuthin wurde geplündert

Wildberg ließ sich darauf ein und öffnete den Bauern Tür und Tor. Ganz so friedlich, wie angekündigt, war es dann doch nicht. Das reiche Kloster Reuthin wurde geplündert. Außerdem forderten die Bauern Bewirtung und 20 Bewaffnete, die sie begleiten sollten. Explizit gefordert war auch ein Trommelschläger und ein Pfeifer. Diese gaben damals auch das Erkennungssignal für die einzelnen Gruppen an, dass sie zusammengehörten.

Die Stadt ging auf die Forderungen ein und zahlte alle Rechnungen. Diese sind auch wichtige Belege für die Forschung zu dieser Zeit. Genauso sind die Überstunden für die Torwächter niedergelegt und die Kosten für die Kinder, die Steine auf die Mauern tragen mussten. Wie sich die Wildberger Bauern verhielten, ist nicht überliefert.

Der Bauernaufstand in der Gegend endete mit der Schlacht bei Sindelfingen. Jörg, Truchseß von Waldburg, schlug die Aufständigen vernichtend. „Der hat eine blutige Spur geschlagen“, erklärt Picka.19 der 20 Wildberger kamen zurück, damit hatte die Stadt, was Leben betraf, eine vergleichsweise geringen Verlust.

Ganz sorglos konnte Wildberg allerdings nicht sein. Denn die Stadt stand unter der Herrschaft des österreichischen Habsburger Reiches, nachdem der württembergische Herzog Ulrich verbannt worden war. Die Österreicher hatten jedoch nicht erlaubt, die Tore zu öffnen. Deshalb mussten die Wildberger, nachdem sie eigenmächtig die Bauern eingelassen hatten, bei Wolf von Gültlingen um Gnade bitten. Schlussendlich musste die Stadt doppelt bezahlen: Einmal an die Bauern und einmal an ihre Herren, die quasi Schadensersatz forderten. Dennoch: „Sie haben ziemlich Glück gehabt“, meint Picka.

Ende 2023 protestierten die Bauern in Deutschland auf den Straßen, wie hier bei Horb. (Archivbild) Foto: Jansen

Der Bauernkrieg ist 500 Jahre her, warum ist er noch wichtig? Picka hat eine Antwort. Er ist ein Beispiel. „Wenn man jemandem die Lebensgrundlage entzieht, dann kommt es zu Unruhen und zur Revolution“, folgert Picka. Vergleichbar mit der Kritik der Bauernproteste vor rund eineinhalb Jahren, als Bauern ihr Lage zunehmend als unhaltbar ansahen – und das Land aus Protest mit Staus lahmlegten.

Die zwölf Forderungen der Bauern

– Wahl des Pfarrers durch die Gemeinde 
– Abschaffung des „kleinen Zehnts“, also der Abgabe auf Vieh
– Abschaffung von Leibeigenschaft 
– Freigabe von Jagd und Fischerei
– Freigabe der Waldnutzung
– Beschränkung der Frondienste
– Keine Anhebung der Frondienste
– Keine willkürliche Verhängung von Strafen
– Abgaben sollen nach Leistungsfähigkeit bemessen werden
– Gemeingut solle auch wieder Gemeingut sein
– Abschaffung der Erbschaftssteuer
– Falls eine der Forderungen der Bauern nicht mit Gottes Gesetz vereinbar sein sollte, so wollten die Bauern davon Abstand nehmen.