Gut 500 Gäste strömten in die Markgrafenhalle, um Gerhard Feeß’ letzte Stunden als Bürgermeister Altensteigs zu begleiten – und wurden Zeuge, wie sein Stellvertreter Tobias Schmid ihm im Namen des Gemeinderats die Bürgermedaille der Stadt in Gold überreichte.
Schon vor etwa drei Wochen hatte sich abgezeichnet, dass der Bürgersaal im Rathaus zu klein sein würde für die Zahl derjenigen, die dem scheidenden Bürgermeister der Flößerstadt das „letzte Geleit“ im Amt geben wollten. Also verlegte das Organisationsteam um Bürgermeister-Assistentin Petra Rauser das Geschehen in die jüngst renovierte Markgrafenhalle.
Für Bürgermeister-Stellvertreter Tobias Schmid schloss sich damit ein Kreis: Feeß’ erster öffentlicher Auftritt in Altensteig sei im Jahr 2009 an gleicher Stelle über die Bühne gegangen. Seither habe sich viel in der Flößerstadt verändert, „manches sichtbar, vieles nicht“, so Schmid, der dem Noch-Bürgermeister für „16 Jahre nachhaltiges Wirken für Altensteig“ dankte.
Doch damit nicht genug: Der Gemeinderat habe beschlossen, Gerhard Feeß für sein Engagement und seinen Einsatz für Altensteig die Bürgermedaille der Stadt in Gold zu überreichen. Exemplarisch nannte Schmid das Stadtentwicklungskonzept 2025 nebst integriertem Energiekonzept, dessen Implementierung der Bürgermeister unter Beteiligung der Bürger maßgeblich vorangetrieben habe und dessen Inhalte in Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und der Verwaltung Punkt für Punkt abgehakt worden seien.
Und „weil hinter jedem erfolgreichen Mann eine starke Frau steht“, bat Tobias Schmid auch Jutta Feeß auf die Bühne. Ihr händigte er einen Blumenstrauß aus.
Feeß plaudert mit Wegbegleitern
Feeß hatte für seine Verabschiedung ein etwas anderes Format gewählt. In fünf Talkrunden plauderte er mit Wegbegleitern – vom CEO eines global agierenden Unternehmens über Handwerksmeister, Schulleiter, Pflegeheim-Chefin, Feuerwehrkommandant, Kunsthallen-Betreiber, Landrat, Ex-Stadtrat, Rennsport-Europameister und Mitarbeiter hin zu einem Bürgermeister-Kollegen und seiner Familie – über ihre Sicht auf Altensteig und die Welt, die Herausforderungen ihrer Funktionen. Besonders eindrücklich gerieten die Schilderungen seiner Töchter Melanie und Lisa, wie es ist, einen Bürgermeister als Papa zu haben.
Die Stadtkapelle Altensteig unter Leitung von Lisa Moll hatte die Feier mit Musik aus dem Jim-Steinman-Musical „Tanz der Vampire“ und einer Blasorchester-Bearbeitung von Frank Sinatras „My Way“ eröffnet. Altensteigs Vorzeigechor, die Christophorus-Kantorei, steuerte zwei Stücke bei – neben dem Robbie-Williams-Hit „Angels“ gab sie Feeß ein Segenslied mit auf den Weg. Die Altensteiger Soul-Sängerin Denise Taylor sang den Gospel „In the Goodness of God“ und Leonard Cohens „Hallelujah“.
Angestellte danken mit Video-Clip
Melanie Feeß griff zur Gitarre und sang ihrem Vater ein Ständchen, ihre Schwester Lisa überreichte eine selbst gebackene Torte (die anschließend das Büffet für die Gäste bereicherte), und der Nachwuchs der Turnabteilung des TSV Altensteig brachte eine rasante Akrobatik-Show auf die Bühne der Markgrafenhalle. In einem Video-Clip sprachen außerdem eine ganze Reihe von städtischen Angestellten ihrem Noch-Chef Dank und Anerkennung aus.
Das Schlusswort blieb Gerhard Feeß vorbehalten. Dass er sich von der Stadtkapelle zu seinem Abschied das Stück „My Way“ gewünscht habe, komme nicht von ungefähr, erklärte er den Gästen. Er habe sich stets bemüht, seinen Weg zu gehen, „als Handwerker, nicht als Mundwerker“.
Aus seiner 16-jährigen Tätigkeit in Altensteig hob er lediglich zwei Ereignisse hervor: die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Herausforderungen, Verordnungen umzusetzen, die Verwaltung am Laufen zu halten und den Schutz der Mitarbeiter nicht aus den Augen zu verlieren, und die erst jüngst erfolgte Unterzeichnung der Pachtverträge für Windkraftanlagen im Stadtwald, die der Stadt in Zukunft Einnahmen bescheren sollen, die ihr ein Stück ihrer Selbstbestimmtheit zurück geben sollen.
Geschenkkorb für Petra Rauser
Aus der langen Liste seiner Dankesadressen hob er seine Assistentin Petra Rauser besonders hervor – er bat sie auf die Bühne und überreichte ihr einen Geschenkkorb. Und schließlich dankte er allen Gästen im Saal, denn sie hätten seine 16-jährige Amtszeit erst möglich gemacht. „Mein Herz schlägt für Altensteig, und wird es bleiben“, schloss Gerhard Feeß seine Ausführungen.
Mit einer Bilderschau, die zur Musik des Unheilig-Hits „Zeit zu gehen“ Impressionen aus den vergangenen 16 Jahren zeigte, endete der offizielle Teil der Verabschiedung. Bei Getränken und Häppchen nutzten die Gäste danach noch ausgiebig die Gelegenheit, sich auszutauschen.