Bürgermeister Michael Schmitt begrüßt die Gäste – im Hintergrund zu sehen ist der Musikverein Brigachtal, der das große Fest musikalisch würdig umrahmte. Foto: Hella Schimkat

„Heute ist ein Ehrentag anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Gemeinde Brigachtal“, begrüßte Bürgermeister Michael Schmitt die Festgemeinde in der Froschberghalle.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thorsten Frei, Evelyn Belle – die Witwe des verstorbenen ehemaligen Bürgermeisters Meinrad Belle, Beatrix Lettner – Witwe des verstorbenen ehemaligen Bürgermeisters Georg Lettner und natürlich Ministerpräsident i. R. Erwin Teufel und der Landtagsabgeordnete i.R. Franz Schuhmacher, sie alle waren da und ließen sich diesen Abend zu Ehren der Gemeinde Brigachtal nicht nehmen.

 

Gemeinderäte, Ehrenbürger Max Hirt und eingeladene Bürger wurden nicht nur von Schmitt begrüßt, sondern auch von dem Musikverein Brigachtal, unter der Leitung von Matthias Mayer, der Volker Rückert vertrat, der den Abend mit erlesener Musik umrahmte. Am Schluss wurde die „Brigachtal-Suite“, gespielt, komponiert eigens für das Jubiläumsjahr von dem österreichischen Komponist Thomas Asanger.

Musterbeispiel der Reform

„Zuerst wollten wir nur ein Fest veranstalten, dann beschloss das Komitee mehrere Veranstaltungen über das Jahr verteilt, gespickt mit Geselligkeit und Geschichten aus 50 Jahren, zu feiern“, so Schmitt. Thorsten Frei betonte, Brigachtal sei ein Musterbeispiel für die Reform vor 50 Jahren, Wegbereiter sei Erwin Teufel gewesen. „In 50 Jahren gab es nur drei Bürgermeister, Meinrad Belle, Georg Lettner und jetzt Michael Schmitt, sie alle sorgten und sorgen dafür, dass sich die Gemeinde so hervorragend entwickelte und noch entwickelt“, lobte Frei.

Die Ehrengäste am vorderen Tisch: (von links) Beatrix Lettner, Bundestagsabgeordneter Thorsten Frei, Evelyn Belle, Landtagsabgeordneter a.D. Franz Schuhmacher und Ministerpräsident i.R. Erwin Teufel. Foto: Hella Schimkat

Landrat Sven Hinterseh erklärte, Brigachtal sei die einzige Gemeinde im Schwarzwald-Baar-Kreis, die sich 1974 einen eigenen Namen gab. Es freue ihn ganz besonders, dass alle drei Bürgermeister im Kreistag Verantwortung gezeigt hatten und Michael Schmitt es noch tut. Pfarrer Dominik Feigenbutz zitierte : „‚Wenn einer einen Turm bauen will‘, diese Gemeindereform war auch so eine Geschichte mit vielen Parabeln, der Turm steht und die Gemeinde sorgt dafür, dass dieser Turm erhalten bleibt und eine Erfolgsgeschichte bleibt.“

Andreas Klink, sprach als Vertreter der Vereine: „Die Vereine haben viel dazu beigetragen, ihre Orientierung heiße Sozial- und Angelpunkt zu sein. Die Vereine müssen bestehen bleiben, damit auch die Gemeinde Brigachtal attraktiv bleibt“, so der Vorsitzende des FC Brigachtal.

Ein Theater

Und dann gab es auch noch ein Theater zu Kirchdorf in mehreren Einaktern. Erzähler Wunderfitz, Ralf Köhler, berichtete. Die Theatergruppe spielte. Und das ging so: Am Stammtisch im Weiler Beckhofen saßen die drei Bürgermeister von Überauchen, Klengen und Kirchdorf und stritten darüber, welches das bessere Bier sei, das von Fürstenberg natürlich. Erzähler: „Die Angst ging um, das Wort ‚Reform’ schwebte über den drei Orten, manche Gemeinden hatten eine besondere Methode, selbstständig zu bleiben.“ Der Staatssekretär Erwin Teufel besuchte die drei Bürgermeister und warb für die Reform.

In Überauchen erklärte Franz Josef Fehrenbacher: „Freiwillig machen wir nix“, schön laut und deftig, damit es Teufel auch höre. Teufel war bei BM Herrman Münch in Klengen. Dieser: „Die Verwaltungsgemeinschaft gehört nach Klengen, wenn nicht, gehen wir nach Klengen. Reform? Waaas?“ BM Herrmann Hartmann in Kirchdorf brüstete sich: „Wir bauen hier Hochhäuser, wir haben Platz.“ Von Stuttgart wurde der Druck erhöht, die Gerüchte wurden immer wilder, und die Wieber schwärmten von einer Gemeinde in der die drei Orte zusammengebracht werden. Überauchen habe den größten Wald, Kirchdorf die Kirche und Klengen den schönsten Bürgermeister, Fazit: „Die Bürger wollten nicht“. Alle Nachbargemeinden waren für die Reform, nur die drei im jetzigen Brigachtal nicht. Aber im Frühjahr 1974 trafen sie sich im Ochsen in Beckhofen und ein Bürgermeister erklärte: „Die Vernunft hat uns zusammengebracht.“ Der nächste: „Nein, der Teufel“.

Und dann war da noch die Sache mit dem Namen. Klengen-Kirchdorf? Nein. Kirchdorf-Klengen? Nein. Klengen-Kirchdorf-Überauchen? Nein. Es war köstlich, wie sich die Herren stritten, und wie die Damen versuchten zu beruhigen. Es wurde „Brigachtal“. Die Gäste in der Halle applaudierten lange und mit Begeisterung.

Viele Mitwirkende

Am Schluss dankte Michael Schmitt der Theatergruppe Kirchdorf sowie Annette Hengstler und Josef Vogt für die Texte. Einen Extra-Dank richtete Schmitt an Annette Hengstler, die auch den Saal und die Tische geschmückt hatte und die sowieso viel im Jubiläumsjahr organisiert hatte und viele Ideen beisteuerte. Die Damengymnastikabteilung Kirchdorf tat alles rund um das leibliche Wohl, das Catering hatte das Gasthaus Löwen übernommen. Die Theatergruppe Kirchdorf: Regie und Erzähler Köhler, Theaterspieler: Heidi Müller, Ann-Katrin Turina, Lena Stöckmeyer, Achim Bartler, Jens Oberföll, Andrea Turina, Kai-Markus Renouf.