Der Ausschuss der Vogelfreunde hat eine Verjüngungskur erfahren. Foto: Vogelfreunde

Seit 50 Jahren gibt es bereits die Vogelfreunde in Geislingen. Nun nehmen sie mit neuen Mitgliedern und neuem Ausschuss wieder Fahrt auf.

Bei vielen Mitgliedern über 70 hat der Verein keinen Nachwuchs mehr gehabt“, sagt der 28-jährige Marvin Birkle, der inzwischen von seinem Vater den Vorsitzendenposten übernommen hat. Die Aktivitäten der Vogelfreunde Geislingen waren zuletzt stark eingeschränkt. Neben der Hauptversammlung als Pflichtveranstaltung gab es noch das Sommergrillen und die Weihnachtsfeier.

 

Es drohte bereits die Auflösung, doch da entdeckte ein Schwung junger Engagierter die Liebe zur Natur und ihrer Geschöpfe. Birkle junior akquirierte kurzfristig seine Freunde, und so kamen 2024 auf einen Schlag zehn neue Mitglieder hinzu, die mit einer Altersspanne von 21 bis 28 Jahren den Altersdurchschnitt deutlich senkten.

Freundeskreis rettet den Verein

Die jungen Männer packten direkt mit an und reaktivierten den verwachsenen Vereinsschuppen. Nicht nur wurden die Hecken ordentlich gestutzt, sondern auch der Teich freigelegt. Zudem wurde eine weitere Trinkstelle eingerichtet. Mittlerweile sind dort wieder vermehrt Enten, Rostgänse und Frösche zu sehen, wie der Vorsitzende berichtet.

Als 2025 turnusmäßig Wahlen anstanden, wurde es ernst. Kassierer Hermann Schneider war bereits über 80 und wollte nach 41 Jahren sein Amt niederlegen, ebenso Schriftführer Eckhard Schmid, der die Feder nach 13 Jahren ablegen wollte. „Die haben wir dann abgelöst“, sagt Birkle, als wäre es das Einfachste der Welt gewesen.

Vereinsschuppen reaktiviert

So kam es, dass sich der Ausschuss komplett neu formierte. Marvin Birkle als 1. Vorsitzender hat nun an seiner Seite: Angelo Schmid (2. Vorsitzender), Claudio Schmid (Kassierer), Levin Hilsenbeck (Schriftführer) und Marian Hilsenbeck (Naturschutzbeauftragter). Selbst die Stelle des Jugendwarts wurde reaktiviert: mit Luis Schleich. Als Beisitzer stehen die Urgesteine des Vereins zur Verfügung: Marc Birkle, Ottmar Hörter und Eckhard Schmid.

„Seither machen wir wieder einige Veranstaltungen“, berichtet der Vorsitzende. Den Auftakt macht selbstredend nach wie vor die Hauptversammlung. Sobald der Frühling einsetzt, erfolgt die Nistkastenputzete. Dabei werden die Kästen ausgeräumt, repariert und ausgebrannt, um mögliche Parasiten, wie etwa Milben, zu bekämpfen. 60 Nistkästen betreut der Verein in Geislingen und es kommen immer wieder neue hinzu.

Auch an der Stadtputzete, die von Geislingens Verwaltung organisiert wird, beteiligen sich die Vogelfreunde. Anfang Mai findet dann die ornithologische – auf Deutsch vogelkundliche – Wanderung statt. Dieses Jahr findet sie am 3. Mai statt. Um 8 Uhr geht es vom Vereinsschuppen los in den Wald. „Wir beobachten und versuchen die Vögel zu identifizieren, mit Fernglas und über die Geräusche“, erklärt Birkle. Bei der vergangenen Wanderung konnten die Teilnehmenden 34 Vögel entdecken und zuordnen.

Im Juni folgt dann ein internes Sommergrillfest mit den Mitgliedern und ihren Familien. Außerdem wirken die Vogelfreunde bei den Geislinger Ferienspielen mit. 2025 nahmen zehn Kinder teil. Sie bauten Bausätze zusammen, die von der Schreinerei Schleich gestellt wurden, und durften schließlich ihr eigenes Vogelhäuschen mit nach Hause nehmen. Das Vereinsjahr gipfelt schließlich in der Weihnachtsfeier.

Das Engagement zahlt sich aus. Während der Verein 2024 noch 93 Mitglieder zählte, die zehn jungen Männer eingeschlossen, sind es mittlerweile schon 120. Der Altersdurchschnitt der neu hinzugekommenen liegt bei knapp 31 Jahren.

Mehr versiegelte Fläche

Entgegen dem geschichtlichen Ursprung fokussieren sich die Vogelfreunde mittlerweile auf den Natur- und Tierschutz, indem etwa Futterstellen und Nistkästen angeboten werden. „Das wird vor allem über den Winter gut angenommen“, berichtet Birkle. Wieso das überhaupt erforderlich ist? „Im Winter ist der Boden gefroren“, holt er aus. „Die Vögel finden nicht genug Futter. Außerdem gab es früher nicht dieselbe Flächenversiegelung wie heute. Neue Straßen und Baugebiete bedeuten immer weniger Grundlage. Auch Windkrafträder sind eine häufige Todesursache für Vögel.“ Birkle zeigt sich jedenfalls zufrieden mit der Entwicklung des Vereins. Er sehe eine große Beteiligung sowie Interesse und Rückhalt. Er selbst ist schon von klein auf dabei, schließlich war sein Vater bereits als Jugendvogelzüchter aktiv und übernahm nach zehn Jahren als 2. Vorsitzender noch von 2002 bis 2025 den ersten Posten.

Vom Tierschutz ist also die ganze Familie überzeugt. „Jedes Lebewesen hat seine Daseinsberechtigung und Funktion in der Natur. Daher konzentrieren wir uns nicht nur auf den Vogelschutz, sondern auch auf den Naturschutz.“