Die Rollenrutsche im Kinderland auf der Südwest-Messe wird gerne genutzt, freut sich Dieter Sirringerhaus (rechts) Foto: Jochen Schwillo

Das Kinderland auf der Südwest Messe in Villingen-Schwenningen ist eine feste Konstante – und das seit 50 Jahren.

Für Dieter Sirringhaus, der seit 1976 der treibende Motor hinter diesem Angebot für die jüngsten Messebesucher ist, ist es weit mehr als ein Arbeitsplatz. Es ist ein Stück Lebensgeschichte, ein Ort voller Erinnerungen, Begegnungen und kleiner Wunder. Rund 5000 Menschen besuchen jedes Jahr das Kinderland, viele von ihnen seit Generationen. „Manche Eltern erzählen mir, dass sie schon als Kinder hier waren“, sagt Sirringhaus, „und jetzt bringen sie ihre eigenen.“

 

Zum Jubiläum überraschte die Messeleitung ihn mit einer Präsentkiste voller Produkte von Ausstellern. Sirringhaus lächelt, wenn er davon erzählt. „Das war wirklich originell und eine schöne Geste“, sagt er. „Man merkt, dass die Arbeit gesehen wird.“ Und Arbeit gab es reichlich – über ein halbes Jahrhundert hinweg.

Messegeschichte

Wenn Sirringhaus heute über das Kinderland spricht, erzählt er nicht nur von einem Spielbereich. Er erzählt Messegeschichte. 1976 stand gegenüber der Halle N ein alter Doppeldeckerbus, der als rollendes Jugendhaus diente. „Da war ich das erste Mal dabei“, erinnert er sich. Damals stellte die Jugendpflege aus Villingen und Schwenningen ihre Arbeit vor, und im großen Rundzelt liefen 35 verschiedene Veranstaltungen: Jugendbands, Gruppen der Jugendmusikschule, Jazz und Folkformationen, Tanzkapellen. Junge Besucher konnten sich über Jugendreisen informieren, und der Südwestfunk sendete live vom Jugend Messe Treff seine Hitparade Pop Shop. „Das war eine völlig andere Zeit“, sagt Sirringhaus. „Aber die Energie war dieselbe wie heute.“

Ein Jahr später zog das Kinderland an Tor 1 um. Dort entstand gemeinsam mit der Jugendpflege das erste richtige Kinder und Familienprogramm der Messe – der Grundstein für eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte. 29 Jahre blieb das Kinderland an diesem Standort, bis es 2006 weichen musste. Ein Jahr lang war es eher versteckt auf dem Freigelände untergebracht, bevor Sirringhaus und sein Team 2007 für zwölf Jahre in die Nähe des Messekindergartens umzogen. Nach der coronabedingten Zwangspause ging es 2022 direkt an den Hauptweg, dann wieder hinter Halle N – und nun, zum Jubiläum, ist das Kinderland erneut zentral am Hauptweg präsent. „So sichtbar waren wir selten“, sagt Sirringhaus zufrieden.

20 verschiedene Angebote

Auf rund 400 Quadratmetern stehen heute 20 verschiedene Angebote bereit: eine 15 Meter lange Rollenrutsche, Wasserspiele, Balanciergeräte, Trampoline, ein großes Tretrad, ein Hüpfburgenland. Das Kasperletheater hat seinen festen Platz, ebenso das Elterncafé mit über 60 Sitzplätzen. Besonders freut sich Sirringhaus über die Unterstützung der Mineralbrunnen aus Bad Dürrheim, die den Kindern kostenfrei Getränke zur Verfügung stellen. „Das ist nicht selbstverständlich“, sagt er. „Und es hilft Familien enorm.“

Über die Jahrzehnte hat Sirringhaus das Kinderland immer weiterentwickelt. In diesem Jahr steht es auf einer der größten Wiesenflächen, die ihm je zur Verfügung standen. Dort ragt die neue Rollenrutsche in die Höhe 15 Meter lang. „Viele bedenken gar nicht, wie familienfreundlich die Messe ist“, sagt Sirringhaus. „Dabei ist das genau unser Anspruch.“

Er hat die Messe wachsen und sich verändern sehen. Hier hatte auch die legendäre Stupis Maus aus dem Familienfreizeitpark ihre Geburtsstunde – eine Figur, die lange das Symbol des Kinderlands war. Sirringhaus begleitete Zirkusprojekte, Kindergartengruppen, Schulklassen und riesige Kindernachmittage im Festzelt mit bis zu tausend Kindern. „Wenn man das erlebt hat, vergisst man es nie“, sagt er.

Manches wäre heute undenkbar

Und er hat Geschichten erlebt, die heute fast unglaublich klingen. Eine davon erzählt er mit einem Schmunzeln. In den späten 70er Jahren war er kurzzeitig Präsident eines Rockerclubs. Als er beim nächtlichen Aufbau des Kinderlands nicht weiterkam, fuhr er in den „Anker“, den damaligen Treffpunkt der Schwenninger Rocker, und bat um Hilfe. Die Motorradfahrer kamen – und mit ihnen die Polizei. „Als sie hörten, dass das Kinderland am nächsten Morgen fertig sein muss, haben sie uns gewähren lassen und sind einfach in eine andere Richtung weitergefahren“, erzählt Sirringhaus. „Das wäre heute undenkbar.“

Viele Familien kämen von weit her, sagt er, weil sie wüssten, dass ihre Kinder im Kinderland gut aufgehoben seien, während sie selbst über das Gelände gehen. „Der Einzugsbereich ist enorm. Manche fahren eine Stunde, nur um hierherzukommen.“ Für Sirringhaus ist das die größte Anerkennung.

Zum 50. Jubiläum blickt Dieter Sirringhaus auf eine bewegte Zeit zurück: aufgebaut, abgebaut, umgezogen, neu erfunden – und immer mit Leidenschaft. „Wenn ich zurückblicke, was wir alles auf die Beine gestellt haben“, sagt er leise, „dann war das eine gute Zeit.“