Mit einem Festival feierte die Musikschule mit einer Reihe von Konzerten den besonderen Geburtstag.
Vier Tage lang feiert die Musikschule Trossingen anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens ein einzigartiges Musik-Festival. Der Start ins Jubiläumsjahr war bereits im Februar mit einem Festakt, gefolgt von Jubiläumskonzerten der unterschiedlichsten Art bei den Musikschulpartnern in den umliegenden Gemeinden. „Heute setzen wir mit dem Kooperationskonzert ein Symbol für die gelungene Zusammenarbeit mit weiteren Trossinger Musikinstitutionen und zeigen den musikalischen Weg, den junge Musikanten bestreiten können vom Anfang bis ganz nach oben“, betonte Musikschulleiter Ralf Vosseler, der das Kooperationskonzert moderierte.
Der Weg bis zum Profi
Vor 50 Jahren sei die Welt noch ein wenig in Ordnung gewesen, meinte Bürgermeisterin Susanne Irion, die zugleich die Vorsitzende der Musikschule Trossingen ist, mit Blick auf die politischen Ereignisse. „Wie soll man in so einer Woche feiern?“. Doch wenige Stunden zuvor habe sie einen „Trossinger Moment“ erlebt, als bei einer Einweihung „Freude schöner Götterfunken“ auf einer Veeh-Harfe gespielt wurde. „Musizieren muss nicht auf höchstem Niveau stattfinden, denn man darf zum Spaß musizieren, aber auch bis hin zum Studium.“ In Trossingen könne jeder sein Talent in der Musik entfalten. „Das Taktgefühl erlernen die Kleinsten schon im Kindergarten.“ Sie wünschte sich, „dass das heutige Kooperationskonzert ein Trossinger Moment ist, um Kraft zu schöpfen, dann ist mir nicht bange für die nächsten 50 Jahre aller musikalischen Institutionen hier in Trossingen“.
Das Konzert war gegliedert in vier Blöcke. Den Auftakt machte das Streichorchester der Musikschule Trossingen unter der Leitung von Marjia Lauenstein mit vier beschwingten bekannten Stücken des US-amerikanischen Songwriters Cole Porter, in einer Fassung für Sinfonieorchester. Die Bühne füllte sich weiter mit Musikern der Musikschul-Combo unter Leitung von Michael Lauenstein. Als Projektorchester begeisterten sie gemeinsam mit dem „Einsamen Hirten“, bekannt geworden Ende der 1970er-Jahre durch James Last, sowie dem Libertango von Astor Piazolla, beides in einer Fassung für Sinfonieorchester und Combo. Die Combo sei eine Idee von Michael Lauenstein gewesen, erläuterte Musikschulleiter Ralf Vosseler. So darf jeder Schüler, egal in welchem Alter, mit welchem Instrument und welchem Leistungsstand mitspielen. „Michael hat die Stücke für jeden passend arrangiert“. So auch das Stück „Chillen am Nachmittag“ und „It’s my Life“.
Zusammen mit Gymnasium
Seit Jahren hat die Musikschule eine enge Kooperation mit dem Gymnasium, zunächst mit der Bläserklasse, die inzwischen ausgebaut wurde. „Das gemeinsame Ziel ist es, ein voll funktionsfähiges Sinfonieorchester zu schaffen“, betonte Ralf Vosseler, „das wäre eine wertvolle Bereicherung für Trossingen.“Die Kooperation besteht übrigens zwischen der Musikschule, dem Gymnasium und der Hochschule. Seitens des Gymnasiums präsentierte sich dann die Jazz-Combo mit Schülern der Klasse sechs bis zur Jahrgangsstufe zwei unter der Leitung von Stefan Merkl. Sie begeisterten mit Solisten an der Gitarre, dem Saxophon und am Klavier mit Stücken von „Merci, Merci, Merci“ bis zu Michael Jackson’s „Thriller“. Gemeinsam „schrien“ sich Combo und Publikum in die Pause.
Mit der Ankündigung „jetzt kommt die professionelle Szene“, hatte Ralf Vosseler nicht zu viel versprochen. Die fünfköpfige Jazz-Combo des Hohner-Konservatoriums unter der Leitung von Tian Long Li, Dozent und Mundharmonika-Spieler aus Südchina, präsentierte eine Mischung aus Ballade, Blues, Salsa und brasilianischen Rhythmen.
Zwischenapplaus gab es reichlich für die Solisten, allen voran Tian Long Li für seine Virtuosität an den unterschiedlichen Mundharmonikas. Das Hohner-Konservatorium sei ein langjähriger Partner, betonte Ralf Vosseler. „Mit dem neuen Leiter Erik Dann haben wir die Zusammenarbeit neu belebt.“ Zahlreiche Projekte will man künftig gemeinsam erarbeiten.
Das „Sahnehäubchen“ des Kooperationskonzertes war zweifelsohne das Jazz Pop Syndicate der Hochschule für Musik unter der Leitung von Anika Neipp und Professor Tobias Hoffmann. Die sechsköpfige Band, übrigens alles Studenten, sorgten mit Keyboard, Gitarre, Kontrabass, Schlagzeug, Trompete und Gesang als Abschluss eines langen Konzertabends für ein besonderes „Aha-Erlebnis“ des Publikums. Insbesondere die kräftige Stimme von Amelia Kneer-Perez war es, die vom „Dschungelbuch“ über den „Halt am Bahnhof Straßburg St. Denis“ bis zu „I Wish“ der Soullegende Stevie Wonder großen Beifall erhielt. Amelia Kneer-Perez überzeugte mit ihrem Können schon einmal in Trossingen, nämlich als „Klärchen“ bei der Aufführung des Weißes Rössels im Naturbad Troase.
Neue Berührungspunkte
Es gebe zahlreiche neue Berührungspunkte mit der Hochschule für Musik, erklärte Musikschulleiter Ralf Vosseler. Es sei gemeinsam gelungen, den Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ im Jahr 2026 wieder nach Trossingen zu holen. Insgesamt sei mit dem heutigen Kooperationskonzert ein Zeichen gesetzt worden „für ein beeindruckendes Miteinander der Institute“.
Am Samstag fand das Konzert „Max Mutzke und Marialy Pacheco“ im ausverkauften Konzerthaus statt. Am Sonntag gaben die Bands der Institutionen im Stundentakt Wandelkonzerte in der Musikschule, im Hohner-Konservatorium und in der Hochschule, bei denen das Publikum die Location wechseln konnte. Als Abschluss des Festivals findet am Montag, 11. November, ab 20 Uhr im Konzertsaal der Musikschule Trossingen eine „Jam Session“ statt. Ein Abend um zuzuhören und mitzumachen. Eröffnet wird er von der MST-Hausband.