Beim Festakt zum großen Jubiläum. Foto: Thomas Fritsch

Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff betonte in seiner Rede zum „Festakt 50 Jahre Landkreis Calw“ die Wichtigkeit demokratischer Werte. Die Partnerlandkreise lobten die Zusammenarbeit.

Vor 50 Jahren drohte dem Landkreis Calw die Zerschlagung. Dass es ihn trotz Kreisreform heute immer noch gibt, wurde im Bad Liebenzeller Spiegelsaal gefeiert.

 

300 geladene Gäste kamen dafür in die Kurstadt. Den Ort des Festakts habe er bewusst gewählt, erklärte Landrat Helmut Riegger. Der Tourismus spiele nämlich im einstigen „Kurorte- und Bäderlandkreis“ nach wie vor eine große Rolle.

„Sie alle, wir alle sind der Landkreis Calw“, rief er den Gästen zu. Er lobte das Ehrenamt in Vereinen, Kultur und Kirchen. Der Landkreis habe sich gut entwickelt. Gesundheitscampus, Hesse-Bahn, Glasfaserausbau, erneuerbare Energien - Riegger zählte die Erfolgsprojekte auf. „Wir im Landratsamt sind mehr als eine Zulassungsstelle“, meinte er. Man sei eine „moderne Dientsleistungsbehörde“, die in vielen Bereichen für Bürger, Betriebe und Kommunen da sei.

Tradition und Moderne

Die Menschen im Landkreis eine die Verbindung von Tradition und Moderne, der Mut zur Veränderung sowie Erfindergeist und pietistischer Durchhaltewille.

Letzterer traf auf ein umfangreiches Abendprogramm. Und zu einem Geburtstag gehören natürlich Gäste. Neben den Bürgermeistern sowie Kreisräten kamen zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Auch aus den Partnerlandkreisen Mittelsachsen und dem polnischen Gliwice waren Delegationen im Kursaal.

Festrede des Bundespräsidenten a.D.

Der wohl prominenteste Gast des Abends kam aber aus Niedersachsen: der frühere Bundespräsident Christian Wulff. Riegger hatte ihn als Festredner gewinnen können. Das ehemalige Staatsoberhaupt hatte gleich eine persönliche Anekdote zum Landkreis parat. 1977 habe ihn seine erste längere Autofahrt nach Bad Wildbad zu seiner Mutter in die Reha geführt. Besonders hätten ihm die Kennzeichen gefallen, stünden doch auf allen seine Initialen. Und „schön hier“ habe er sich schon damals gedacht, meinte er mit Bezug auf den Slogan des Landkreises. Natürlich gratulierte er zum Jubiläum und den Errungenschaften dieser Jahrzehnte.

Doch Wulff hatte an diesem Abend ein weiteres Anliegen. „Die Lage ist grundsätzlich Gut, die Stimmung aber mies“, stellte er fest. Die vielen Krisen und die Geschwindigkeit des technologischen Fortschritts machten vielen Menschen Angst. Das biete Nährboden für Populismus. Mit einem Blick in die deutsche und europäische Vergangenheit, verdeutlichte er die Gefahren dieser Entwicklung. Und auch heute gebe es die Gefahr von Freund- und Feindenken, welches seinen Anfang in Pöbeleien, Hetzte und Hass nehme.

„Nie wieder Nationalismus, nie wieder Krieg“

Wulff stellte deshalb die Wichtigkeit der europäischen Idee raus. „Ein Krieg unter den Mitgliedsländern der EU ist absolut ausgeschlossen“, meinte er. Das sei ein großes Geschenk. „Nie wieder Nationalismus, nie wieder Krieg“, formulierte er es prägnant. Dafür bedürfe es aber Engagement, besonders junger Leute. „Frieden muss immer wieder neu gestiftet werden“, mahnte er.

„Es reicht eben nicht, von der Tribüne aus zu kommentieren“, so Wulff. Man dürfe nicht den Rändern das Feld überlassen. Er erinnerte an die Zivilcourage der Menschen, die in Calw vor knapp 15 Jahren gegen den Einzug der NPD im alten Bahnhof auf die Straße gegangen seien. Er forderte von den Eltern, ihren Kindern mitzugeben, sich in demokratischen Parteien zu engagieren - so wie sie das schon für das Klima täten.

Lob der Partnerlandkreise

Der polnische Vize-Landrat Adam Wojtowicz bezeichnete die Partnerschaft als „kleines Maastricht“. Man helfe sich in schwierigen Situationen gegenseitig. Der mittelsächsische Landrat Dirk Neubauer lobte den „großen Bruder Calw“. Die Calwer hätten ihnen seit der Wiedervereinigung viel geholfen, bedankte er sich. Man habe auch vom Landkreis Mittelsachsen viel gelernt, ergänzte Riegger.

Es gab am Freitag noch eine Premiere. Der fast viertelstündige neue Imagefilm - mittlerweile auf YouTube verfügbar - wurde uraufgeführt. Auf einer „Bus-Tour de Landkreis“ erfahren die Zuschauer viel Wissenswertes. Und natürlich werden die Sehenswürdigkeiten gekonnt in Szene gesetzt - stets mit einem Augenzwinkern. Zudem wurden viele Geschenke ausgetauscht. Riegger nahm eine mittelsächliche Flagge und eine polnische Skulptur entgegen. Und Wulff ist nun stolzer Eigentümer des Nummernschilds „CW - CW 1“.