1974 wurde Aichelberg in die Stadt Wildbad eingegliedert, wenige Monate später folgte der Zusammenschluss mit Calmbach zur Gesamtstadt. Das wird jetzt gefeiert.
„Im Januar 1974 wurde im Zuge der Gemeindereform die Gemeinde Aichelberg in die Stadt Wildbad eingegliedert und im Juli 1974 erfolgte der Zusammenschluss der Gemeinde Calmbach und der Stadt Wildbad. Aus den ehemals drei selbstständigen Kommunen wurde eine: Wildbad im Schwarzwald. Seit 1992 heißt die Stadt Bad Wildbad. Diese gemeinsamen 50 Jahre werden mit einem Fest gewürdigt und gefeiert“, erklärt Marina Lahmann vom Stadtmarketing der Bäderstadt.
Start mit Gottesdienst Am 15. September lädt die Stadtverwaltung die Bürgerinnen und Bürger der Gesamtstadt nach Aichelberg ins und ums Schützenhaus ein. Pfarrer Helbig wird ab 10.30 Uhr einen Gottesdienst abhalten. Anschließend eröffnet Stadtoberhaupt Marco Gauger um 11.30 Uhr gemeinsam mit der Stadtkapelle Wildbad das offizielle Fest.
Sechs Vereine aus Aichelberg und Meistern werden die, hoffentlich zahlreichen, Besucher aus den verschiedenen Ortsteilen mit allerlei Speisen verköstigen. Die Schützengilde Aichelberg, die Spielvereinigung Aichelberg, die Dorfgemeinschaft Meistern, die freie Sportgruppe Bergorte, die Kirchengemeinde Aichelberg und der Modellbauverein Bad Wildbad werden Grillwürste, Saitenwürste, Kartoffelsalat und vegetarische Maultaschen im Angebot haben. Zudem gibt es Kaffee und leckere selbst gebackene Kuchen. „Nur durch die tolle Zusammenarbeit können wir das alles stemmen, da der Termin doch recht kurzfristig war“, meinte Gerlinde Volz von der Schützengilde. Am Gottscheer-Brunnen wird es auf dem Spielplatz ein Kinderprogramm, unter anderem mit einer Feuerwehr-Hüpfburg und Kinderschminken, geben. Bei schlechtem Wetter weicht man ins Schützenhaus aus.
Gute Erinnerungen Einige Einwohner aus Aichelberg haben gute Erinnerungen an die Eingliederung vor 50 Jahren. So weiß Ruth Schlecht,73 Jahre alt, noch genau, dass die Einwohner aus Aichelberg, die aus Meistern und Hühnerberg teils unterschiedlicher Meinung waren. Sie stellt fest: „ Letztendlich hatten wir keine Wahl, selbstständig zu bleiben, wir mussten uns eigentlich nur zwischen Simmersfeld und Wildbad entscheiden.“ Auch Inge, 84 Jahre, und Fritz Schlecht, 86 Jahre, meinten, es wäre damals die Tendenz zu Wildbad allein schon wegen der Feriengäste da gewesen. Man hatte sich Vorteile wegen Finanzierung der Wegesanierung erhofft. „Wenigstens die Straße haben wir jetzt endlich bekommen“, meint Fritz Schlecht. Und das verdient, wie er meint, schließlich habe Aichelberg den größten Waldanteil in die Gesamtstadt mit eingebracht.
Deutliche Abstimmung Inge Schlecht erinnert sich, dass die Abstimmung für Wildbad damals deutlich war. Damit hat sie recht, denn 67,31 Prozent stimmten für die Eingliederung, nur 32,69 Prozent waren dagegen. Beim Zusammenschluss der beiden Gemeinden Calmbach und Wildbad war die Wahlbeteiligung in Wildbad niedrig, dafür waren aber 87,64 Prozent für den Zusammenschluss und nur 12,36 Prozent dagegen. Im Fünf-Täler-Ort Calmbach gaben 48 Prozent der Bürger ihren Stimmzettel ab, für den Zusammenschluss sprachen sich 71,54 Prozent aus, dagegen waren 28,46 Prozent.
Erster Bürgermeister Der ehemalige Calmbacher Bürgermeister und das erste, nach dem Zusammenschluss gewählte Stadtoberhaupt, der 81-jährige Ulrich Maier, erinnert sich noch gut an die turbulente kommunalpolitische Anfangszeit: „Hermann Saam und ich wurden in den vorläufigen Ruhestand versetzt. Als Amtsverweser bis zur Bürgermeisterwahl wurde Walter Ableiter gewählt. Ich war noch jung, habe mir damals überlegt, in Tübingen Rechtswissenschaft zu studieren. Aber dann habe ich mich doch entschieden, bei der Bürgermeisterwahl im September 1974 anzutreten.“
Aus fünf Kandidaten wurde Ulrich Maier zum ersten Bürgermeister der Gesamtstadt gewählt und bestimmte die Geschicke der Bäderstadt 16 Jahre lang: „Ungefähr zwei Jahre haben wir gebraucht, um die ganzen Angleichungen der drei Teilorte in Bezug auf Steuern und Ähnliches, abzuschließen. Zum Beispiel wurde lange über die Anpassung der Hundesteuer diskutiert, ohne zu einem Ergebnis zu kommen.“
Neues Rathaus? Angedacht im Eingliederungsvertrag war, wie Ulrich Maier verrät, übrigens der Bau eines neuen Rathauses zwischen Wildbad und Calmbach. Kurioses am Rande: Einige Straßen mussten nach dem Zusammenschluss umbenannt werden, da sie plötzlich doppelt vorhanden waren. Den Jägerweg gab es sogar dreifach, in Wildbad blieb der Name erhalten, in Aichelberg wurde der Pirschweg daraus und Calmbach hat nun einen Föhrenweg.
Straßenumbenennungen nach Zusammenschluss
Aichelberg
ehemals Jägerweg, neu Pirschweg; ehemals Wildbader Straße, neu Freudenstädter Straße.
Calmbach
ehemals Gartenstraße, neu Frankenwiesenweg; ehemals Goethestraße, neu Hölderlinstraße; ehemals Jägerweg, neu Föhrenweg; ehemals Silcherstraße, neu Hauffstraße; ehemals Schönblickstraße, neu Vogelsangstraße; ehemals Uhlandstraße, neu Kantstraße.
Wildbad
ehemals Jahnstraße, neu Jahnweg; ehemals Kirchweg (Sprollenhaus), neu Auf der Platte.