Es ist genau 50 Jahre her. Am 1. April 1975 fassten Hans-Jürgen und Thea Spitz den Entschluss zur Firmengründung. Das Unternehmer-Gen haben sie weitergegeben und sogar den Enkel damit infiziert.
Hans-Jürgen Spitz ist ein echter „Schweizerdegen“, so nennt man gelernte Buchdrucker und Schriftsetzer in Personalunion.
Doch wenn der 83-jährige Schwenninger gemeinsam mit seiner Thea, seiner 80-jährigen Frau, heute Bilanz zieht, dann blickt er auf eine weitere Seltenheit: ein echtes Familienunternehmen auf dem Sprung in die dritte Generation.
„Dann kann ich auch selbstständig sein“
Genau vor 50 Jahren haben die beiden „ihre“ Firma Spitzdruck gegründet. Hans-Jürgen Spitz hatte seine Ausbildung und ein Jahr Studium in Vollzeit absolviert, war zwischenzeitlich „Meister in Handwerk und Industrie“ und hatte als junger Mann schon reichlich berufliche Erfahrungen gesammelt. „Da dachte ich mir, wenn ich so viel arbeite, kann ich auch selbstständig sein.“ Er lächelt, als er das heute, im Büro seiner Söhne Joachim und Michael sitzend, erzählt. Alles richtig gemacht.
Eine Schnelldruckerei im Schwenninger Mühlweg, unweit des Cafés Feiss, stand zum Verkauf – und das Ehepaar Spitz griff 1975 zu. „Die Druckerei war klein und relativ einfach“, erzählt der 83-Jährige, in Erinnerungen schwelgend. Damals wie heute an seiner Seite: Thea. Ehefrau. Geschäftspartnerin. Kümmerin. Und Mutter.
Selbst „die Oma“ half damals mit, erinnert man sich in der Familie. Fremde Mitarbeiter hat es in der Familiendruckerei erst später gegeben. Und doch wuchs die Firma.
Auf Wachstumskurs
Nach recht kurzer Zeit habe man eine neue Maschine angeschafft. Und als es im Mühlweg schließlich zu eng wurde, wechselte der Unternehmenssitz 1980 in die Erzbergerstraße, und weitere Jahre später in die Harzerstraße – „beim ehemaligen Steinel-Gebäude war gerade ein Gewerbepark eingerichtet worden, die Druckerei Spitz mietete sich ein. Weiterhin auf Wachstumskurs. Die Auftragsbücher wurden dicker, der Maschinenpark größer, die Belegschaft ebenfalls – „fünf Angestellte und unsere Eltern, da waren wir schon zu siebt“, erinnert sich Joachim Spitz. Zu Höchstzeiten gehörten sogar 16 Leute zum Unternehmen.
Auf in den Steinkirchring
Und prompt stand fünf Jahre nach dem Umzug in die Harzerstraße, im Jahr 1991, erneut ein Umbruch an: Der Gewerbehof wurde aufgelöst. Nun war guter Rat teuer und wurde der Familienrat einberufen: „Macht ihr weiter?“, das wollte Hans-Jürgen Spitz von seinen Söhnen Joachim und Michael wissen. Für Joachim war der Fall klar: „Ja!“ Und für Papa Hans-Jürgen damit auch. Dessen Weg führte zur Stadt: „Ich brauche jetzt was, wir bauen.“ Doch das erste Angebot, ein Areal im Kugelmoos, musste er ausschlagen. „Da ist es nass, da kann man mit Papier nicht hin.“ Die Alternative im Steinkirchring passte schon besser. Joachim, der 1985 als 16-Jähriger im Familienunternehmen in die Lehre gegangen war und direkt danach den „Industriemeister Druck“ draufgesattelt hatte, war ins Unternehmen eingestiegen. Sein Bruder Michael folgte erst später, im Jahr 2005, ins Familienunternehmen, er hatte davor eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann absolviert, Erfahrung in der Industrie gesammelt und längst den Betriebswirt in der Tasche.
Maximilian Spitz ist bereit
Unternehmensgeschichte, die sich wie ein Auszug der Druckerei-Historie liest – Bleisatz, Fotosatz und schließlich die Druckvorstufe am Macintosh-Computer – Schnelldruck, Offset-Druck und heute eine Digitaldruckerei. Im Schwenninger Steinkirchring startete Spitzdruck ab 1991 weiter durch. „Wir haben hier in blühenden Wiesen angefangen, das war schön!“ Thea Spitz hat die Bilder von damals noch vor Augen. Doch das ist nicht der einzige Grund, weshalb sie strahlt: Während sie am Besprechungstisch im Steinkirchring sitzt, lehnt ihr gegenüber Enkel Maximilian, der Sohn von Joachim Spitz, locker lächelnd im Stuhl.
Die Geschäftsleitung war 2009 an Michael und Joachim Spitz übergegangen, 2013 kauften sie ein Werbetechnik-Unternehmen dazu und erweiterten ihr Geschäftsfeld um diesen heute noch wichtigen Zweig. Selbst in der Corona-Pandemie steckten sie den Kopf nicht in den Sand und verkauften stattdessen Coronatests. „Es war keine sorgenfreie Zeit“, stellt Michael Spitz heute fest, „aber wir haben sie gut überstanden“. Weit über 200 aktive Kunden vertrauen auf die einst kleinste Druckerei in ganz Deutschland, die nach ISO 9001 zertifiziert worden ist und jetzt, gemeinsam mit Partnern den kompletten Weg von der Idee bis zum fertigen Produkt mitgeht. Der Markt verändert sich, die „Spitz-Buben“, wie sich das Gespann ab und an selbst augenzwinkernd nennt, halten nach Trends Ausschau, wollen die Firma stetig weiterentwickeln.
2015 war im Steinkirchring angebaut worden. Bis 2019 hat sich das Gründerpaar Thea und Hansjürgen Spitz ganz aus dem Betrieb zurückgezogen. Und doch geht es, ganz familiär, weiter. Mit Maximilian Spitz hockt die dritte Generation schon in den Startlöchern. Waren Großeltern, Vater und Onkel mit all der vielen Arbeit, der wenigen Freizeit und der vielen Herausforderungen und Sorgen, wie sie nur Unternehmer spüren, kein abschreckendes Beispiel? Maximilian, der sich offenbar höchstens als Eishockey-Crack bei den Wild Wings auf Glatteis wagt, grinst. „Ach was, die haben das geschafft, dann schaffe ich das doch auch!“
Stolze Ex-Unternehmerin
Oma Thea, die Unternehmerin von einst, lächelt mit einem Seitenblick auf Opa Hans-Jürgen und nickt zuversichtlich. „Ja, das macht einen schon stolz auf den Enkel – und auch auf die Söhne, es ist ja nicht selbstverständlich, dass die Kinder weitermachen.“ Und vielleicht bekommt Maximilian Spitz eines Tages sogar noch Verstärkung aus der Familie. Ob seine Cousinen, die Töchter von Michael Spitz, auch schon Interesse bekundeten? „Wer weiß“, sagt ihr Vater. So oder so: Die Firma Spitz bleibt ein Familienunternehmen, seit vor genau einem halben Jahrhundert seine Geburtsstunde schlug.