Vom vermeintlichen Geldgrab bis hin zu einem der besten Freizeitparks weltweit: Redakteur Herbert Birkle und Fotografin Ulrike Hiller haben den Europa-Park in seiner 50-jährigen Geschichte von Anfang an begleitet. Mit unserer Redaktion plaudern sie aus dem Nähkästchen.
Trotz manch negativer Schlagzeilen in anderen Zeitungen wie „Der Pleitegeier kreist über Rust“: Redakteur Herbert Birkle war sich von Anfang an sicher, dass der Europa-Park ein Erfolg werden würde – wenn auch nicht dieser Dimension.
„Ich habe mich damals über diese Schlagzeile geärgert“, verrät er, denn sein Blick damals war ein anderer: „Ich bin beim Europa-Park nie vom Negativen ausgegangen. Ich habe ihn eigentlich immer nur mit positiven Augen wachsen gesehen“, erklärt Birkle.
„Vor allem, als ich die Menschen kennengelernt habe, die dahinter stecken: Franz Mack, Roland Mack, aber auch Marianne Mack, die ja am Anfang im Kassenhaus saß, hatten einfach eine unglaubliche Ausstrahlung“, erinnert er sich.
Immer etwas Neues zu entdecken
Er sollte Recht behalten. Birkle erlebte mit, wie sich der Park im Laufe der Jahre wandelte. Bei der Eröffnung 1975 gab es dort etwa noch einen Tierpark mit Eseln, Rehen und Hirschen sowie die Märchenallee, die von ihrem Vorbesitzer übernommen worden war. Aber auch die Monzabahn, der Zaubergarten die Western-Bahn, und der Mississippi-Dampfer waren beispielsweise schon da.
Jedoch erst ab 1982 folgte mit dem ersten Themenbereich Italien die Umsetzung des heute so bekannten europäischen Themenkonzepts. Auch wenn der Europa-Park einmal ein ganz anderer Park als heutzutage, die Zahl der Attraktionen weit überschaubarer war: Herbert Birkle und Ulrike Hiller gingen immer gerne hin. „Man konnte im Europa-Park nie genug davon kriegen, Neues zu entdecken“, betont Fotografin Ulrike Hiller. Und mit jeder Neuigkeit wuchs auch die Anzahl der Reporter: von einer Handvoll am Anfang bis hin zu 350 bei der Jubiläumspressekonferenz.
Um alles den Lesern immer aktuell zu berichten, nahm Birkle mitunter einige Mühen auf sich. Als er einmal eine Pressekonferenz frühzeitig verließ, um den Artikel noch vor Redaktionsschluss ins Blatt zu bringen, fand er das Eingangstor verschlossen vor. Niemand war zu finden und so kletterte er schließlich über das Tor, um noch rechtzeitig in die Redaktion zu gelangen.
Architektur für die Ewigkeit entsteht
Ursprünglich war der Park vor allem als das Schaufenster der Mutterfirma Mack Rides in Waldkirch gedacht. Doch schon bald, so Birkle, war er viel mehr. Die Liebe zum Detail beeindruckte. Alles, was dort umgesetzt wurde, schien für die Ewigkeit gemacht worden zu sein. „Der Filmarchitekt Ulrich Damrau hat die Architektur des Parks ganz enorm geprägt.
Er hat keine Potemkinsche Dörfer zugelassen, mit Plastik vornedran, aber mit nichts hintendran. Nein, wenn im Europa-Park ein Haus gebaut wurde, dann war es stabil und es hatte auch gleich eine Nutzung.“ Das hat auch die Unternehmen der Region erheblich beeinflusst, ist sich Birkle sicher. Um die Arbeiten im Europa-Park entsprechend ausführen zu können, hatte die Firma Marko in Ettenheim etwa wieder Stuckateure eingestellt und Stuckateur-Ausbildungen vorgenommen.
Park wird zum Kultur-Hotspot
Doch damit gab man sich nicht zufrieden: „Für Roland Mack war es ein Herzensanliegen, dort auch Kultur zu etablieren. Und das ist ihm hervorragend gelungen“, erklärt Birkle. Auch der Wunsch von Roland Mack, das bis dahin negative Wort „Schausteller“ positiv zu besetzen, sei bis heute im ganzen Entertainment des Parks zu sehen. „Dort gibt es keine zweit- oder drittklassigen Künstler“, weiß Birkle.
Artistenfamilie beeindruckte
Besonders eindringlich in Erinnerung geblieben sind ihm und Ulrike Hiller die Darbietungen der Artistenfamilie Traber, die auf dem Hochseil über den Park hinweg spazierten. Hiller erinnert sich besonders an eine: „Sie sind mit dem Motorrad den Euro-Tower hinaufgefahren – auf einem Seil.
Wir Fotografen saßen oben in der Kanzel des Euro-Towers, um ein Bild aus der besten Perspektive zu bekommen – allerdings ohne eine Trennscheibe aus Plexiglas dazwischen. Wir saßen völlig frei in 75 Meter Höhe und die beiden Artisten kamen mit dem Motorrad auf dem dünnen Seil auf uns zugefahren. Das war damals nicht nur für die Artisten ein Nervenkitzel, sondern auch für die Fotografen: Wir alle hatten vor Angst das Zittern und Schwitzen angefangen.“
Ein besonderes Interview
Doch nicht nur die Artisten, auch viele Stars und Staatsoberhäupter waren im Europa-Park bald häufiger anzutreffen. „Wir haben anfänglich gestaunt, was da so alles ein- und ausging“, so Hiller. Besonders eindrucksvoll ist ihr etwa eine Delegation aus dem Kongo in Erinnerung geblieben. Besonders stolz sind sie und Birkle auf ein Interview und Foto mit Gerhard Schröder.
Als sich der damalige Bundeskanzler nach der offiziellen Pressekonferenz, wo sich Journalisten und Fotografen um ihn gedrängt hatten, verabschiedete, machten sich auch Hiller und Birkle sich auf den Weg. „Herr Birkle kannte alle Schleichwege und wusste, welchen Weg Herr Schröder aus den Park heraus wahrscheinlich nehmen würde“, erinnert sich Hiller. Ein Plan, der aufging: Zusammen mit einem anderen Journalisten erhielten die beiden ein Exklusivinterview mit Exklusivfotos. „Die anderen Kollegen hatten das gar nicht mitbekommen“, erinnert sich Hiller schmunzelnd.
Familie Mack beeindruckt
„Menschen hat man im Park wirklich viele erlebt“, blickt Birkle zurück. Doch es sind nicht nur die Stars, die Künstler, die Architektur und die Attraktionen, die den Europa-Park ausmachen: „Es ist das ganze Klima, das von der Familie Mack in den Park gegeben wird. Das ist die Basis“, so Birkle.
Damit meint er nicht nur den Willen der einzelnen Familienmitglieder, sich und damit auch den Park nach oben zu bringen. Auch die Treue, die die Familie Mack zu ihren Mitarbeitern oder Lieferanten der ersten Stunde habe, habe ihn immer beeindruckt. Aber auch die Aktion „Frohe Herzen“, bei der Kinder, Ältere und Behinderte kostenlos in den Park dürfen. Oder dass die Vereinbarung, dass die Ruster den Park kostenlos besuchen dürfen, immer noch Bestand hat. „Wie viele Versprechen werden in 50 Jahren gebrochen?“, fragt Birkle.
Er habe vollsten Respekt davor, dass die Familie Mack ihr Versprechen weiter einhalte. Wenn man nach Rust ziehe, erhalte man auch gleich die Unterlagen für den Europa-Park, das schaffe Verbindung. Die Kombination aus all diesen Faktoren führe dazu, dass der Europa-Park „eine Welt ist, die wahnsinnig mitmenschlich jedem etwas gibt“, erklärt Birkle.
Immer noch bei Pressekonferenzen dabei
So gehen Birkle und Hiller nach all den Jahren weiterhin gerne in den Park. Mit der Familie, aber auch beruflich. Bei Pressekonferenzen ist es für Birkle besonders spannend, auf die Zwischentöne zu achten, auf das, was nicht gesagt wird – und dann zu lächeln, wenn er etwa wiedererkennt, wenn Roland Mack sich gegenüber seinen Söhnen ähnlich verhält, wie einst sein Vater Franz Mack sich ihm gegenüber.
Lieblingsattraktionen
Herbert Birkle:
Die Blue-Fire ist die letzte Achterbahn, die Herbert Birkle noch selbst ausprobiert hat. Seine Lieblingsbahn ist jedoch die Monorail-Bahn, da sie einen guten Überblick über den gesamten Park bietet. Auch die Ruhe und die Schönheit rund um Schloss Balthasar genießt Birkle gerne.
Ulrike Hiller:
Die Lieblingsattraktion von Ulrike Hiller ist die Bootsfahrt „Josephinas kaiserliche Zauberreise“, aber auch die „Piraten von Batavia“ fährt sie sehr gerne.