OB Erik Pauly bedankt sich zum Abschluss auf der Bühne vor rund 450 Gästen für den gelungenen Abend und lädt alle zu einem Umtrunk mit Häppchen im Foyer ein, auf Rechnung der Stadtverwaltung: "Schädigen sie uns kräftig", so der OB mit einem Schmunzeln. Foto: Jens Fröhlich

Mit einem launigen Festakt in Donauhallen hat Donaueschingen 50 Jahre Eingemeindungen gefeiert. Ortsportraits gaben einen Einblick in das vielfältige Leben in den Dörfern. Viele Redner sprachen von einem Gewinn für alle.

Donaueschingen - Heiß war es am Donnerstag, auch abends noch um 19 Uhr, als die letzten Sekunden auf einer Uhr an der Leinwand in den Donauhallen rückwärts liefen und der Startschuss für den Festakt anlässlich der Eingemeindung der Ortsteile vor 50 Jahren immer näher rückte. Die Garderobe blieb an diesem Abend fast unbenutzt, nur vereinzelt hingen Kleidungsstücke an den Haken.

 

Verlassen war die Halle aber dennoch nicht. Gut 450 von 600 Stühlen waren besetzt, als ein erster Filmbeitrag über die Leinwand flimmerte, in dem aufgezeigt wurde, wie es vor 50 Jahren zur Eingemeindung der Ortsteile Aasen, Grüningen, Heidenhofen, Hubertshofen, Pfohren und Wolterdingen im Rahmen der Gemeindegebietsreform kam und warum Allmendshofen bereits 1933, Aufen 1935 und Neudingen erst 1975 Teile von Donaueschingen wurden. Gespickt waren die Impressionen mit Erinnerungen von Alt-OB Bernhard Everke, Rüdiger Schell und Hansjürgen Bühler.

Nicht jede Eheschließung ist eine Liebeshochzeit

Auch Franz Wild als Ortssprecher von Allmendshofen kam zu Wort. Humorvoll berichtete er, dass nicht jede Eheschließung eine Liebeshochzeit sei. Heute sei man aber froh, Teil der Donauquellstadt zu sein, nicht zuletzt deswegen, um sich gemeinsam an der Südgrenze besser gegen aufmüpfige Hüfinger behaupten zu können.

Für weiteres Schmunzeln sorgte sein Angebot, den Quellenstreit zwischen Donaueschingen und Furtwangen zu befrieden, indem einfach die Juniperusquelle zur echten Donauquelle erkoren wird. Diesen Vorstoß gab es übrigens bereits als Maischerz. Unbekannte hatten in Donaueschingen und in Furtwangen an den Quellen entsprechende Schilder aufgestellt. Für Aufen bewarb Christoph Meyer seinen Stadtteil.

Kernstadt hat 7214 Hektar Fläche und 5360 Einwohner hinzugewonnen

Oberbürgermeister Erik Pauly sprach in seiner Rede von einer Goldenen Hochzeit, ganz egal, ob die Eingemeindungen damals als Zwangs- oder Liebeshochzeit wahrgenommen wurden. Alle hätten am Ende vom Zusammenschluss profitiert. Die Kernstadt habe 7214 Hektar Fläche und 5360 Einwohner hinzugewonnen. Aber auch kulturell und wirtschaftlich befruchtete man sich gegenseitig. Die Ortsteile wiederum hätten vor allem in Sachen Infrastruktur profitiert. Pauly nannte zahlreiche Beispiele: Straßenbau, Baugebiete, Hochwasserrückhaltebecken Wolterdingen, Schwimmbäder, Schulen und Freizeitangebot. "Die Eingemeindung war gut", so seine Bilanz. Aber: Es stünden auch viele neue Aufgaben vor der Türe, um die Gesamtstadt weiterhin lebens- und liebenswert zu gestalten. Er sei zuversichtlich, dass dies gelingt, "wenn alle gemeinsam in die gleiche Richtung schauen".

Jedem Teilort ein kurzer Film gewidmet

Beim Festakt wurde jedem Teilort ein kurzer Film gewidmet, der Besonderheiten hervorhob und Akteure vor Ort zu Wort kommen ließ. In Hubertshofen waren zum Beispiel das Schwimmbad, das Ago Kreativ-Camp von Georg Tritschler, die Loipen und der Forst die Themen. Aus Wolterdingen kamen die Landjugend, Energieproduzent Ernst Zwick und die Bogenfreunde zu Wort. In Grüningen wurde die neue Haselbuckhalle gelobt und der Musikverein vorgestellt. Die Zuschauer erfuhren auch, warum zwei Prozent der Einwohner dort aus Kambodscha stammen.

Im Film über Pfohren gab es Einblicke in die Entenburg von Kai Sauser und den Riedsee-Campingplatz. Zwischenapplaus brandete für den Verein Elimu-4-Afrika auf, der in Tansania eine Schule gebaut hat. Aus Aasen gab es Informationen zum Gewerbegebiet – der Ort hat mehr Arbeitsplätze als Einwohner –, zum Restaurant Die Burg und zum Fußballverein. Der hat immer wieder prominente Fußballteams zu Gast, die im Ort und im Öschberghof ihre Trainingslager abhalten.

Auch der Barde von der Baar tritt auf

Auch der Barde von der Baar, Walter Scheuble, trat auf. Den besonderen Naturraum rund um Neudingen stellte Biologe Helmut Gehring vor. Und eine Schäferfamilie, ein Traktorliebhaber sowie eine Fantasy-Autorin gibt es im Ort auch. Zudem gab es Einblicke in den kleinsten Ortsteil Heidenhofen, der mit einem Backhäusle der Landfrauen, Sternekoch Manuel Ulrich, der Töpferei von Julia Romer und einer starken Jugendfeuerwehr aufwartet.

Zwischen den Filmen unterhielt sich Moderator und Filmemacher Rainer Jörger kurz mit den Ortsvorstehern und kitzelte die eine oder andere Neuigkeit heraus. Ein Höhepunkt war auch der gemeinsame Auftritt aller Ortsvorsteher, die zusammen das Lied "Am Ursprung geboren" von Musiker Sebastian Schnitzer sangen. Musik machte zudem die Formation Heilix Blechle und Co. vom Musikverein Grüningen. Die Zuschauer stimmten sogleich ein und klatschten mit.

Info: Der Filmemacher

Fotograf, Kameramann und Filmemacher Rainer Jörger hat im vergangenen Jahr bereits die beliebten Donaueschinger Stadtgeschichten produziert und wurde dann von der Verwaltung auch für die filmischen Ortsportraits beauftragt. Die Produktion dauerte rund ein Jahr. Eigenen Angaben zufolge führte Jörger 28 bis zu 40 Minuten lange Interviews mit Menschen aus den Orts- und Stadtteilen. Hinzu kamen viele Stunden Videomaterial aus Luftaufnahmen und anderen Dreharbeiten. "Die Filme sollten zeigen, was heute in den Ortschaften los ist", erklärt Rainer Jörger.