Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass Wildberg und Schönbronn mit Sulz, Effringen und Gültlingen zusammengelegt wurden und so die heutige Stadt entstand. In Sulz zeigte eine Ausstellung: Eine Liebesheirat war es nicht – wenn auch schlussendlich eine äußerst produktive Zusammenarbeit.
Sulz blickt zurück: Seit einem halben Jahrhundert gehört der Stadtteil nun zu Wildberg. Die Anfänge waren allerdings alles andere als eine Liebesbeziehung, sondern mehr eine arrangierte Ehe, zeigte eine Ausstellung, die am Wahlsonntag sowie anlässlich einer Führung in Sulz zu sehen war.
Es waren die Siebziger. In Baden-Württemberg gab es 3379 Gemeinden – und Bestrebungen, diese zu verpartnern. Vor allem kleine Gemeinden waren dem Verwaltungsaufwand allein nicht mehr gewachsen, damals die Beweggründe für die Reform, nach der es schlussendlich „nur“ noch 1111 Gemeinden gab.
Die Gemeindereform bedeutete also für zahlreiche selbstständige Kommunen die Eingemeindung. Manchmal als Liebesheirat, für manche machte das Angebot von Geld die Verbindung schmackhaft – es gab 20 Prozent Zuschlag bei den Schlüsselzuweisungen, wenn freiwillig eingemeindet wurde, berichtet das statistische Landesamt – und andere beharrten auf ihren Single-Status.
Sulz am Eck auf Partnerschau
Sulz wollte nicht per se allein bleiben, wird in der Ausstellung deutlich. Doch stellte sich die Frage: Wer würde das Herzblatt des heutigen Wildberger Teilorts sein? Sulz kokettierte bereits eifrig mit Herrenberg, bei dem es der achte Teilort hätte werden können.
Es blieb nicht beim unverbindlichen Flirt: Es gab konkrete Pläne für eine gemeinsame Zukunft und die Namensänderung in Herrenberg-Sulz am Eck gab es schon – das berichtete ein Zeitungsartikel bereits 1972. Sulz und Herrenberg waren so gut wie verlobt.
Und Wildberg? Mit der Schäferlaufstadt hatte Sulz ebenfalls verhandelt. Für eine Ehe mit Wildberg sprach die Bildung eines gemeinsamen Zentrums zwischen Nagold und Calw, wie es auch das Innenministerium wünschte. In Wildberg war außerdem gerade erst ein Schulzentrum errichtet worden. Und: Würde Sulz sich Wildberg anschließen, läge der Ort weiterhin im Kreis Calw und die Landkreisgrenzen müssten nicht verändert werden.
Doch Sulz war nicht begeistert vom Verehrer Wildberg. Der Grund: Die Finanzen. Wildberg war nicht vermögend – und Sulz befürchtete, dass es mit seinem Geld die Kernstadt unterstützen müsste. Da schien Herrenberg die bessere Partie, samt Umzug in den Kreis Böblingen und Namensänderung in Herrenberg-Sulz am Eck.
Doch es sollte nicht sein. Schlussendlich entschied der Landtag 1974, dass Sulz mit Wildberg vor den Altar treten sollte. Sulz war wenig begeistert und versuchte, der Ehe zu entgehen. Wildberg ja, aber dann doch bitte nicht als Teilort. Stattdessen wollte Sulz mit Wildberg befreundet sein. Der Gemeinderat plädierte dafür, eine Verwaltungsgemeinschaft mit Wildberg einzugehen, also zusammenzuarbeiten, aber selbstständig zu bleiben.
Das änderte aber nichts daran, dass Sulz 1975 schließlich mit Wildberg vermählt wurde. Die Gemeinde nahm den Namen Wildberg-Sulz am Eck an und blieb von Herrenberg durch die Landkreisgrenze getrennt. Mit Sulz wurden Gültlingen und Effringen mit Wildberg verheiratet, Schönbronn war den Schritt schon 1971 gegangen.
Kein Grund zum Hochmut
Dabei, so ein Infoblatt in der Ausstellung, hatte Sulz keinen Grund, auf Wildberg herabzusehen. Denn auch Sulz brachte einiges an Arbeit für Wildberg mit; die Wasserversorgung, der Bau der Abwasserleitung zur Kläranlage nach Wildberg, die Renovierung der Gemeindehalle, ein Anbau an die Schule, Baugebietserschließung und Brückenbauten standen an. Diese Projekte wurden nach der Eingemeindung gemeinsam angegangen.