Dicke Luft durch viele Diesel – die DUH kämpft dagegen. Foto: Lichtgut

Die Deutsche Umwelthilfe wird im August 50 Jahre alt. Einst am Bodensee gegründet, ist sie von den großen Umweltorganisationen die Streitbarste – und die Umstrittenste.

Erika Blank arbeitet seit 37 Jahren für die Deutsche Umwelthilfe, kurz DUH. Aus ihrem Büro im „Mutterhaus“ des Umweltverbandes in Radolfzell – einem mit Solardach ausgestattetem früherem Kasernengebäude – deutet sie zum Bodensee und sagt: „Schauen Sie mal auf die wunderbare Landschaft. Ist doch klar, dass man hier einen Umweltschutzverband gründen muss.“

 

Blank erinnert an die Anfänge, als drei Naturschützer – darunter der spätere Vorsitzende Hermut Ruland – am 5. August 1975 im romantischen Schloss Kattenhorn in Öhingen auf der Halbinsel Höri die DUH gründeten und später nach Radolfzell umzogen. Der ursprüngliche Zweck des Vereins war es, Spenden für den zwei Wochen zuvor gegründeten Bund Naturschutz Deutschland (BUND) zu erwerben. „Ein Vorbild war die Aktion Sorgenkind, die für gute Zwecke Geld einnimmt“, berichtet Blank. So etwas brauche der Naturschutz eigentlich auch, hieß es damals.

20 Millionen Euro Einnahmen

Heute hat sich die DUH vom BUND abgenabelt, ist zu einer eigenständigen Organisation mit 200 Mitarbeitern, 20 000 Fördermitglieder und Jahreseinnahmen von 20 Millionen Euro geworden. Spricht man mit Beschäftigten in Radolfzell, hört man tiefe Zufriedenheit. „Eine sinnvolle Arbeit“, mache sie, sagt eine junge Angestellte.

Einer, der schon lange dabei ist, meint, dass die DUH ja ständig juristischen Druck zugunsten des Umweltschutzes erzeuge, das sei Stress und man bekomme Anfeindungen. „Aber es lohnt sich, dran zu bleiben. Das sehe ich an den dankbaren Rückmeldungen unserer Unterstützer.“ Für ihn persönlich sei das beste Beispiel der jahrelange Prozess, den der Plastiktütenhersteller Victor Güthoff – unterstützt von BASF – gegen die Umwelthilfe wegen ihrer angeblichen Falschaussage über nicht biologisch abbaubare Tüten führte und der 2018 mit einem Sieg der DUH vor dem Bundesgerichtshof endete. Das Ergebnis des langen Streits ist die Entwicklung von kompostierbaren Tüten, der Umweltverband aber brauchte starke Nerven. Der Kläger hatte damals 2,7 Millionen Euro Schadensersatz von der DUH verlangt, für die Umweltschützer wäre es im Falle einer Niederlage eng geworden.

Der Verein DUH ist als gemeinnützig anerkannt, er ist nicht nur ein Umweltverband, der das Recht zur Verbandsklage und zu Musterfestellungsklagen besitzt, er ist auch ein Verbraucherschutzverband, der Unterlassungsklagen führen darf: etwa wenn Produkte als ökologisch wertvoll etikettiert sind, es in Wahrheit aber nicht sind. Da erledigt die DUH sogar einen Job, den eigentlich Behörden machen müssten. In dieser Doppelrolle als Verbraucher- und Umweltschützer hat die DUH ein Alleinstellungsmerkmal unter Organisationen wie Greenpeace, Nabu, BUND oder WWF.

Freunde macht man sich mit der Klagerei nicht, weder in der Politik noch in der Wirtschaft. Die Härte gehört zum Markenkern. Jürgen Resch (65) – ein Urgestein der DUH und seit 1988 Geschäftsführer – ist mit seinen Forderungen nach Fahrverboten für alte Diesel oft angefeindet worden. Die CDU wollte 2018 die Gemeinnützigkeit der DUH prüfen lassen, Armin Laschet (CDU) hatte sie als „reinen Abmahnverein“ kritisiert – doch später entschied der Bundesgerichtshof, dass die Abmahnpraxis der DUH mit dem Recht vereinbar sei.

Spenden von Toyota

Die Umwelthilfe sagt heute, dass sie seit 2004 schon 25 000 Verstöße im Verbraucherschutz entdeckt habe, im übrigen belaufe sich der Aufwand für die ökologische Marktüberwachung und den Verbraucherschutz auf 4,2 Millionen Euro im Jahr, die Erträge daraus lägen nur bei 2,7 Millionen. Angekreidet worden ist der DUH, dass der Autobauer Toyota vor 2018 regelmäßig für sie gespendet hat, das habe man aber kommuniziert und das habe auf die Prüfung von Toyota-Autos keinen Einfluss gehabt, heißt es vom Verein.

Peinlicher war da die Enttarnung des öko-moralischen Geschäftsführers Resch als Vielflieger, der ein- bis zweimal pro Woche ins Flugzeug steigt, um von Radolfzell aus nach Berlin und in die Welt zu kommen. Das sei ein berufsbedingtes „Dilemma“ gestand Resch 2007 in einem „Taz“-Interview.

Großes Lob vom Umweltminister

Resch stehen seit geraumer Zeit zwei weitere Geschäftsführer zur Seite, die Politikwissenschaftlerin Barbara Metz und der Biologe Sascha Müller-Kraenner. Das thematische Portfolio der DUH ist heute gewaltig – reicht vom Schutz des Fischotters bis zur Ölraffinerie in Brandenburg, die zu viel Schwefeldioxid ausstößt. Natürlich werden Allianzen gebildet, so holte sich die DUH kürzlich für ein Böller-Verbot die Bundesärztekammer, die Tierschützer von Peta und die Gewerkschaft der Polizei ins Boot – eine bunte Mischung.

Undenkbar bei der DUH, dass sie zu ihrem Geburtstag den Kanzler als Hauptredner einlädt, wie es Greenpeace beim 50. mit Angela Merkel tat. Gefeiert wird an diesem Donnerstag in Berlin, wo die Hauptgeschäftsstelle ist, in einer geschlossen Gesellschaft. Die Festvorträge halten der Klimaforscher Stefan Rahmstorf und Kaliforniens Ex-Umweltminister James Strock. Klimaschutz beherrscht die Wahlkämpfe nicht mehr, aber Jürgen Resch glaubt, dass er herunter gebrochen auf den Alltag ein Top-Thema sei: „Wir sehen ein weiter hohes Interesse der Menschen an konkretem Umweltschutz: Ich nehme mal unseren aktuellen Hitzecheck bei 190 Städten und die bundesweit ausgelöste Diskussion, wie wir zu lebenswerten, hitzeresistenten Städten kommen.“ Begrünte Schulhöfe und Marktplätze mit Bäumen – so etwas komme gut an, ebenso der Einsatz für ein Sofortprogramm zur energetischen Sanierung von Schulen und Kitas oder die Werbung für Balkon-Solarkraftwerke.

Mit Umweltgewinnspielen, der Verleihung des „Goldenen Geiers“ und des Umweltmedienpreises will die DUH nicht nur streiten, sondern auch motivieren. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sagte unserer Zeitung: „Die Deutsche Umwelthilfe hat in ihrer 50-jährigen Geschichte oft genervt und auch immer wieder über das Ziel hinaus geschossen. Trotzdem ist es gut, dass es sie gibt. Denn starke Umweltverbände tragen mit dazu bei, unser Land lebenswerter zu machen.“