Unvorhergesehene Maßnahmen verteuern die Verlegung der Wasserleitungen – hier über den Leimbach zwischen Eschental und Heiligenzell. Foto: Bohnert-Seidel

In Friesenheim wird derzeit umfangreich an der Wasserleitung gebaut. Unvorhergesehene Maßnahmen führen zu einer Teuerung um 440 000 Euro.

Straßen sind aufgebrochen und Rohrleitungen werden verlegt. Dem Gemeinderat lag die Vergabe von Bauleistungen für den Neubau einer Förderleitung vom Hochbehälter Mittelzone zum Hochbehälter Vollmereiche zur Beratung auf dem Tisch. Ein Auftragspaket in Höhe von 515 000 Euro ging an Firma Heitz. Darin enthalten ist eine Nachtragsleistung in Höhe von knapp 440 000 Euro für Mehrmassen, die entstanden sind, aufgrund der Bodenbeschaffenheit und dem damit verbundenen Mehraufwand des Unternehmens. Weitere 75  000 Euro sind für die Leitungsverlegung im künftigen Neubaugebiet Kloster vorgesehen.

 

Bevor es zur Vergabe der ursprünglichen Auftragsleistung des Hauptauftrags in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro gekommen ist, ging das beauftragte Ingenieurbüro entsprechend eines Bodengutachtens von vorhandenen Schichten für die Wiederverwendbarkeit des Aushubmaterials aus. Bei der Herstellung der Leitungsgräben wurde jedoch überwiegend Bodenaushub angetroffen, der für den Einbau eines tragfähigen Untergrunds nicht geeignet sei und entsorgt werden müsse, schilderte Bauamtsleiter Markus Reinbold. Neues Material sei notwendig. Außerdem wurden in einigen Gräben zusätzliche Versorgungsleitungen vorgefunden, die in keinen Plänen erkennbar waren. Die Leitungstrasse musste verschoben und angepasst werden. Alle diese unvorhergesehenen Erkenntnisse führten zu einem Mehraufwand in Höhe von knapp 440 000 Euro bei der Erstellung des Wasserleitungsnetzes. Zum Teil musste mehr Asphalt aufgebrochen und eine neue und dickere Asphaltdecke aufgetragen werden.

Zur Nachtragsleistung kommt die Leitungsverlegung im Bereich des Neubaugebiets „Kloster“ in Heiligenzell hinzu. Usprünglich war geplant, die Förderleitung im Bereich des Neubaugebiets Kloster im Zuge der Erschließungsarbeiten für das Gebiet zu verlegen.

Gutachter kann für sein Bodengutachen nicht haftbar gemacht werden

Die Planungen sowie die Erschließungsarbeiten für das Neubaugebiet hätten sich jedoch verzögert, so Reinbold. Frühestens sei im Jahr 2027 mit einer Erschließung zu rechnen. Dringlichkeit bestehe jedoch bei der Anbindung des Tiefbrunnens in Friesenheim. Zur Trinkwasserversorgung müsse dieser so schnell wie möglich komplett an das Wasserversorgungsnetz der Gemeinde Friesenheim angeschlossen werden. Auf diesen Lückenschluss von 250 Metern zu verzichten, wäre fatal, weil sich die gelegte Leitung nicht anschließen ließe, machte Reinbold deutlich.

Alle zusätzlichen Kosten seien über die ursprüngliche Kostenschätzung in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro abgedeckt. Weitere 685 000 Euro stünden noch für den Neubau des Pumpwerks Mittelzone zur Verfügung. Dieser Auftrag müsse in einer weiteren Sitzung vergeben werden.

Im Friesenheimer Gemeinderat stellte sich die Frage, ob sich der Gutachter nicht für sein Bodengutachten haftbar machen ließe. Hier gebe es eine klare Regelung betonte Reinbold: „Gutachter sind nicht haftbar.“ Gutachter entnähmen nur Stichproben, damit sich die Bodenbeschaffenheit grob einschätzen ließe.

Die Maßnahme in Zahlen

Seit April 2025 wird die neue Förderleitung vom Mittelzonenbehälter bis zum Hochbehälter Vollmer verlegt. Bei der gesamten Maßnahme kommen 2,6 Kilometer Förderleitung in die Erde. Es fallen 4500 Kubikmeter Erdaushub an und 1500 Kubikmeter Asphaltarbeiten sind davon betroffen. Hinzu kommen 1200 Kubikmeter Erdaushub entlang des Eisbrunnengrabens sowie weitere 100 Kubikmeter Asphaltarbeiten und 80 Meter Kanalisation. Die Gesamtkosten liegen bei knapp 1,3 Millionen Euro für diesen Teil der Förderleitung. Über unvorhergesehene Mehraufgaben kommen zusätzliche 2000 Kubikmeter Leitungsgraben, 2000 Kubikmeter Grubenkies sowie 2750 Kubikmeter Aushub und dessen Entsorgung hinzu. 900 Kubikmeter Asphalt werden zum Schluss aufgetragen. Am Ende wird eine Asphaltdeckschicht von 4050 Quadratmetern verlegt.