Standortleiter Dirk Rautenberg führte eine Besuchergruppe durch die riesigen Hallen von Zalando in Lahr. Foto: Schabel

Das 44. Unternehmertreffen der städtischen Wirtschaftsförderung wurde im Logistikzentrum des Modeversandhändlers veranstaltet. Die Lahrer Mittelstandsvereinigung Almi und OB Markus Ibert haben sich wieder angenähert, war an dem Abend zu hören.

Zuletzt war das Verhältnis zwischen Teilen der Lahrer Wirtschaft und der Stadt abgekühlt. So sind die Firmenchefs, die sich in der Arbeitsgemeinschaft Lahrer Mittelständischer Industrieunternehmen (Almi) zusammengetan haben, aus dem Sponsoring der diesjährigen Chrysanthema ausgestiegen (wir haben berichtet). Ein Zeichen des Protests vor allem gegen die Erhöhung der Gewerbesteuer durch Stadt und Gemeinderat im November. Auch die Ampel-Lösung für die Zufahrt von der B 415 zur künftigen Klinik bei Langenwinkel missfällt den Unternehmern – sie befürchten, dass Pendler und Lieferanten dadurch auf dem Zubringer künftig (noch) mehr im Stau stehen werden.

 

Beim 44. Unternehmertreffen, zu dem die Wirtschaftsförderung der Stadt eingeladen hatte, waren nun lediglich fünf der 28 Almi-Mitgliedsbetriebe durch ihre Chefs vertreten. Was aber nicht als Zeichen gewertet werden sollte, dass das Tischtuch zur Stadt zerschnitten sei, betonte ein Almi-Vertreter im Gespräch mit unserer Redaktion. Die anderen Unternehmer seien an dem Abend schlicht verhindert gewesen. Tatsächlich habe es mittlerweile auch ein klärendes Gespräch mit OB Markus Ibert gegeben, das konstruktiv verlaufen sei. Es werde in nächster Zeit wohl auch eine gemeinsame Verlautbarung von Stadt und Almi geben, in der die neue Annäherung beider Seiten öffentlich gemacht werden solle.

OB Markus Ibert verteidigt die Erhöhung der Gewerbesteuer

Ibert kam nur indirekt auf das Thema zu sprechen – ganz am Schluss seiner Ansprache sagte er, dass die Stadt sich mit der Erhöhung der Gewerbesteuer nicht beliebt gemacht habe. Aber man habe so viele Aufgaben, dass man nicht daran vorbeikomme, an der Gebührenschraube zu drehen. Davon seien auch andere betroffen, denn es seien zum Beispiel auch höhere Kita-Gebühren geplant.

Das Unternehmertreffen wurde von mehr als 100 Vertretern der Lahrer Wirtschaft besucht. Sie bekamen vom OB zunächst zu hören, dass die Stadt bis 2028 mehr als 75 Millionen Euro investieren werde. „Diese Mittel sind für wichtige Bereiche wie Sicherheit, Bildung und Betreuung, die Wirtschaft und die Verkehrsinfrastruktur, Gesundheit, Energie und Wärme, die Innenstadt sowie für Wohnprojekte vorgesehen“, zählte Ibert auf. Dabei gehe es auch darum, der lokalen Wirtschaft gute Bedingungen zu verschaffen. Denn die habe es schwer genug in der heutigen Zeit.

Der OB hob die Bedeutung der Unternehmen hervor, ohne die es „auf Dauer keinen Wohlstand“ gebe. Dabei sei bereits einiges erreicht worden: Dank der Lahrer Wirtschaftsbetriebe seien in der Stadt heute 25 Prozent mehr Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt als vor zehn Jahren.  Die Stadt habe ihren Teil dazu beigetragen, Ibert erinnerte daran, dass nach dem Abzug der Kanadier der interkommunale Industrie- und Gewerbepark (IGP) Raum Lahr im Westen sowie die städtischen Gewerbegebiete Rheinstraße Nord im Osten sowie Rheinstraße Süd entstanden sind. Dort hätten sich mittlerweile 140 Unternehmen mit mehr als 6000 Beschäftigten angesiedelt.

Auf dem Zweckverbandsgelände mit einer Gesamtnettogröße von knapp 210 Hektar (IGP I, IGP II, IGP III) seien bereits knapp 125 Hektar veräußert worden. Aktuell werde die Entwicklung von IGP III im nördlichen Bereich des Flughafen-Westareals vorangetrieben. Dort sollen laut Ibert 44 Hektar für Industrie und Gewerbe zur Verfügung gestellt werden. 2027 oder 2028 sollen interessierte Unternehmen dort mit dem Bau ihrer Immobilie beginnen können.

1700 Mitarbeiter aus mehr als 60 Nationen sind bei Zalando beschäftigt

Der Rathauschef hob auch das geplante Innovations- und Gründerzentrum hervor. Ab 2026 sollen junge und innovative Unternehmen in Zukunftsbranchen im Gebäude B 33 am Flugplatz gefördert werden. „Die Stelle des Gründungsmanagers soll baldmöglichst besetzt werden“, so Ibert.

Natürlich kam der OB auch auf den Gastgeber zu sprechen und war dabei voll des Lobes: Zalando zähle zu den größten Arbeitgebern in der Region. Die Ansiedelung vor zehn Jahren auf einer Fläche von 18,5  Hektar habe auch deshalb so gut geklappt, „weil es in Lahr weitgehend unbürokratisch möglich war und sehr gut zusammengearbeitet wurde“, so Ibert.

Damit war der Ball weitergespielt zu Dirk Rautenberg. Der Standortleiter von Zalando nannte Meilensteine der Betriebsentwicklung in Lahr (Oktober 2015 Baubeginn, Frühjahr 2016 Einstellungsbeginn, August 2016 Versand des ersten Pakets), ehe er auf den aktuellen Stand des Logistikzentrums zu sprechen kam. Auf einer Betriebsfläche von rund 130 000 Quadratmetern beschäftige man rund 1700 Mitarbeiter aus mehr als 60 Nationen. Rund ein Drittel der Belegschaft soll aus dem Elsass kommen. Lahr ist dabei eines von europaweit 13 Zalando-Logistikzentren. In die Lahrer Niederlassung hatte Zalando 130 Millionen Euro investiert.

2008 in Berlin gegründet, bietet der Versandhändler heute mehr als 50 Millionen Kunden in mehr als 25 Ländern Produkte aus den Bereichen Bekleidung, Schuhe, Accessoires und Kosmetik. Damit sei Zalando die führende Online-Adresse für Mode und Lifestyle in Europa und wachse ständig weiter, so Rautenberg. Im Sommer sei die Eröffmung eines Outlets in Freiburg geplant.

Bei einer Betriebsführung durften die Besucher hinter die Kulissen blicken. Auf schier endlosen Gängen ging es durch riesige Hallen mit Förderbändern oder Regalebenen bis unters Dach, in denen die Gäste sich allein wohl verlaufen hätten. Für Außenstehende sind die Transportsysteme kaum zu durchblicken, teils sausen die Waren zum Beispiel in Taschen verstaut an einem viele Kilometer langen Leitsystem in der Höhe durch die Hallen. 700 000 solcher Taschen sind im Umlauf, war zu erfahren.

Werktags wird rund um die Uhr gearbeitet

Vereinfacht gesagt, werden bei Zalando eintreffende Waren zunächst gescannt, sodass sie im System immer auffindbar sind. Danach werden die Modeartikel, Schuhe oder Accessoires zum Lager gefahren, wo sie wiederum abgeholt werden, sobald ein Internetkunde sich zum Kauf des Artikels entschieden hat. Zum Abtransport von Schuhschachteln aus dem Lager werden auch Roboter eingesetzt. Dann werden die Waren verpackt und wandern auf Förderbändern weiter zur Verladestation, von wo aus sie mit Lkws zu den Kunden gebracht werden.

Beim Rundgang am Donnerstagabend, gegen 19 Uhr, war gerade die Spätschicht an der Arbeit, die um 23 Uhr von der Nachtschicht abgelöst wurde: Bei Zalando in Lahr wird werktags rund um die Uhr gearbeitet.

Tag der Logistik

Donnerstag, 10. April, ist der bundesweite Tag der Logistik, an dem auch bei Zalando in Lahr Führungen für die Öffentlichkeit angeboten werden. Wer sich dafür interessiert, kann sich auf der Internetseite tag-der-logistik.de informieren und anmelden. Einfach als Suchbegriff „Zalando“ eingeben, dann gelangt man auf die richtige Seite.