Die Mieter sind längst raus aus der Fabrik, bald beginnt der Abriss. Und auch sonst tut sich viel in der Josengasse. Foto: Rapthel-Kieser

Die Josengasse könnte bald zum angesagtesten Viertel der Kernstadt werden. Vor allem nachdem feststeht, dass das Land Baden-Württemberg noch einmal 400.000 Euro an Zuschüssen für Burladingens "Südliche Kernstadt" springen lässt.

Burladingen - Zur "Südlichen Kernstadt" gehört nach Burladinger Stadtplaner-Begriffen nun wohl auch die Josengasse. Dass die hauptsächlich von so viel Geldsegen aus Stuttgart profitieren soll, daran lässt Bürgermeister Davide Licht keinen Zweifel.

Auf seiner Internetseite bedankt er sich überschwänglich beim Regierungspräsidium und dem Land: "Sehr gute Nachrichten aus Tübingen! Wir haben die erfreuliche Mitteilung bekommen, dass die Fördermittel für unser Sanierungsgebiet ›Südliche Kernstadt‹ um weitere 400 000 Euro auf jetzt insgesamt 800 000 Euro aufgestockt worden sind! Damit können wir jetzt dann unter anderem bald die Quartiersentwicklung rund um das Wilhelm-Gebäude in der Josengasse in Angriff nehmen und diesen Bereich weiter aufwerten. An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an das Regierungspräsidium Tübingen für die tolle Unterstützung", heißt es in dem Post des Rathauschefs.

Interessant für private Investoren oder Baugenossenschaften

Das riesige "Wilhelm-Gebäude", die ehemalige Medard-Heim-Textilfabrik, hat die Stadt schon vor zwei Jahren der Familie Wilhelm abgekauft. Den Mietern wurde gekündigt und spätestens seit der Verabschiedung des jüngsten Haushaltsplanes steht fest: Der Mammutbau soll noch in diesem Jahr abgerissen werden.

Das Gelände könnte danach vor allem für private Investoren oder Baugenossenschaften interessant sein und zum Bau seniorengerechter, barrierefreier Wohnungen genutzt werden. Die, so hat es das Statistische Landesamt festgestellt, fehlen in Burladingen.

Aber das ist bei weitem nicht das einzige Projekt, das das Gesicht der Josengasse in Zukunft sehr verändern soll. Tatsächlich trauen die Burladinger derzeit ihren Augen kaum, so rasant verändert sich diese Gegend mitten im Stadtkern und in unmittelbarer Rathausnähe.

Nicht nur, dass die seit Jahrzehnten angesagte Eisdiele komplett renoviert wurde und unter einem neuen Pächter wieder eröffnet hat: Das alte, hutzlige Häfner-Haus in der Josengasse 23 wurde von der daneben liegenden Sozialstation gekauft und bereits abgerissen, eine Tagespflege ist geplant. Weitere Häuser sind eingerüstet und werden in den kommenden Monaten saniert.

Tatsächlich gehört der Gebäudebestand in der Josengasse mit zum ältesten, was der Stadtkern zu bieten hat. Dementsprechend sehen die Häuser aus. Von außen zeugen oft Risse im Mauerwerk vom Zahn der Zeit. Gut sichtbar ist auch, dass die Fenster klein, die Decken sehr niedrig sind. Meist waren es landwirtschaftlich genutzte Gebäude, deren Scheuern irgendwann zur Garage wurden oder eben der Abrissbirne wichen. Zeitgemäßes modernes Wohnen sieht längst ganz anders aus.

Josengasse könnte zusätzlich vom ELR- Programm profitieren

Sollte es mit dem ELR-Programm klappen, das die Stadtverwaltung für ganz Burladingen anstrebt, könnte das für die Weiterentwicklung der Josengasse sogar nochmal einen Anschub bedeuten. So mancher Besitzer eines kleinen Häuschens, dass sich kaum mehr vermieten lässt, weil es modernen Wohnansprüchen nicht genügt, mag sich mit Zuschüssen zum Abriss und Neubau oder zu einer Totalrenovierung entschließen.

Gut möglich, dass die Josengasse, in der einst die Sommerfarben stattfanden, dann für Großveranstaltungen zu einer Art Verlängerung des Marktplatzes über die B 32 hinweg wird. Die Fasnet hatte ja eh schon immer dort ihr Zentrum, denn auch die Zunftstube der Nautle liegt im hinteren Teil der Josengasse. Und da fließt nicht mehr nur die Fehla, sondern eben jetzt auch ziemlich viel Geld.