Operiert werden und am selben Tag wieder heimgehen: Das soll ab Mitte 2026 in Ettenheim möglich sein. Geplant wird das von drei Anästhesisten.
Mit der Einrichtung eines ambulanten Operationszentrums im Ettenheimer MVZ (im ehemaligen Krankenhaus-Gebäude in der Robert-Koch-Straße) steht der Gesundheitsversorgung in Ettenheim und der weiteren Raumschaft ein beachtlicher Mehrwert ins Haus. Das wurde bei einer Vortragsveranstaltung vom Ettenheimer Netzwerk Gesundheit und der örtlichen Volkshochschule im Bürgersaal deutlich.
Initiatoren und Betreiber dieses ambulanten OPs sind die in Ettenheim wohnhaften Anästhesisten, Not- und Fachärzte Kai Kaufmann, Michael Krappitz und Martin Walzer. Sie verfügen nicht nur über langjähriges Fachlichwissen, sondern auch über grundlegende Erfahrung in der Organisation ambulanter Operation-Einrichtungen. Im Sommer kommenden Jahres werden sie mit dem Betrieb der Ettenheimer Einrichtung mit ihren zwei Operationssälen, Aufwachraum und Sterilgut-Aufbereitung starten. Vorgesehen sind Operationstage von Montag bis Freitag. Walzer, der mit seinem derzeitigen OP-Zentrum nach Ettenheim umsiedelt und Personal und Ausstattung aus Emmendingen mitbringt, geht von einer Kapazität von 3500 bis 4000 Eingriffen pro Jahr aus.
Vertrag mit dem Klinikum läuft 25 Jahre lang
Seine Hochrechnung baut Walzer auch auf die Zusage der Ärzte, die derzeit in seiner Einrichtung ambulante OPs vornehmen. „Ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Anästhesisten und Operateuren ist ganz wichtig“, so Walzer vor dem großen und aufmerksamen Publikum im Bürgersaal. Heute werde viel mehr ambulant operiert als früher. Im Ettenheimer Zentrum können praktisch alle Fachgebiete operativ abgedeckt werden. Die Anästhesisten vor Ort seien mit allen gängigen Anästhesieverfahren vertraut.
Walzer zeigte die zweijährige Entstehungsgeschichte von ersten Gesprächen der drei Ettenheimer bis hin zur Konkretisierung auf. Konstruktive Gespräche mit dem Ortenau-Klinikum, mit Stadt und Ärzten in der Region hätten schließlich zur Gründung einer Betreibergesellschaft geführt. Er und seine Kollegen seien eng in die Umbaumaßnahmen des früheren OP-Traktes eingebunden gewesen. Ihr Mietvertrag mit dem Ortenau-Klinikum sei auf 25 Jahre abgeschlossen, was die klare Zielsetzung einer langfristig angelegten Erhaltung einer wohnortnahen operativen Versorgung zum Ausdruck bringt.
Mediziner beantworten Fragen mit Humor
Interessant und humorvoll die Beantwortung der Frage: „Was macht eigentlich ein Anästhesist?“ Michael Krappitz packte dazu den Holzhammer (für Kassenpatienten) und Gummihammer (für Privatpatienten) zur Erheiterung der Zuhörerschaft aus. Dann war VHS-Außenstellenleiterin Carola Goetsch sein erstes OP-„Opfer“ – um danach auf wesentliche Fragen einzugehen, die sich einem Patienten im Vorfeld und Nachgang einer Operation vielfach stellen: Warum muss ich zur OP nüchtern erscheinen? Schnarche ich während der Narkose? Wie sorgt der Anästhesist für eine ausreichende Schmerzbetäubung? Kann man während einer OP aufwachen? Wird man durch Narkosen „blöd“?
Das alles seien berechtigte Fragen, so Krappitz. Im Prinzip seien Anästhesisten „medizinische Generalisten“, weil Operationen in jedem Fachgebiet ihre individuellen Anforderungen mit sich bringen. Mit dem Zitat von Reinhold Messmer „Das Können ist des Dürfens Maß“ beschloss Krappitz seinen tiefen Einblick in die Arbeit des Narkosearztes.
Ambulante OPs sollen Wartezeiten verkürzen
Im dritten Teil des Vortrags nahm Kaufmann seine Zuhörer mit in das Themenfeld von Schmerztherapie und Palliativmedizin, seinem Fachgebiet neben der Anästhesie. Neun Ärzte und ein 22-köpfiges Mitarbeiterteam arbeiten in seinem Berufsfeld der Narcura. Ärzte und Patienten am Ettenheimer ambulanten OP-Zentrum werden von dieser Fachkompetenz profitieren können.
Die Anmerkung von Bürgermeister Bruno Metz auf die entstehende Einrichtung in der Robert-Koch-Straße stellte Kaufmann an das Ende seiner Ausführungen: „Landespolitik wird hier lokal greifbar.“ Will heißen: Es sollte so viel ortsnahe Versorgung geben wie nur möglich – auch, um ewig lange Wartezeiten in den Notaufnahmen von Krankenhäusern möglichst zu umgehen, wie aus dem Publikum angemerkt wurde.