Freuten sich über die Einweihung des Windparks (von links): Carsten Kropp (Alterric), Bruno Metz (Bürgermeister Ettenheim), Matthias Gutbrod (Bürgermeister Kippenheim), Carsten Gabbert (Regierungspräsident) und Jörg Bold (Vorsitzender Bürgerenergiegenossenschaft Ettenheim). Foto: Köhler

Rund 400 Gäste, darunter viele Mitglieder der Ettenheimer Bürgerenergiegenossenschaft, kamen in den Wald bei Wallburg, um „ihr“ Windrad zu bestaunen.

Pünktlich zum Durchtrennen des Bands drehen sich die Rotorblätter. Rund 400 Gäste applaudieren begeistert und vom Festzelt her erklingt – zum Anlass passend – „Wind of Change“. Der Windpark Schnürbuck ist am Freitagnachmittag feierlich eingeweiht worden. Und die Veranstaltung avancierte zum Fest: Mehrere Stunden verbrachten die Gäste im Wald.

 

Der Großteil der Besucher, die auf dem Schnürbuck mit Essen und Getränken versorgt wurden, waren mit dem eigens organisierten Shuttle gekommen. Schon mehr als eine Stunde vor Beginn fuhr der erste Bus den Berg hinauf. Die Gäste erlebten dabei selbst, welchen beschwerlichen Weg die tonnenschweren Windradteile zurücklegen mussten. Der Platz, auf dem die Flügel und Turmbauteile einst lagerten, wurde nämlich zum Parkplatz für die Einweihung umfunktioniert. Eine knappe Viertelstunde lang ging es mit dem Bus bergauf und bergab über Stock und Stein durch den Wallburger Wald bis plötzlich der gewaltige weiße Turm vor ihnen auftauchte.

Besucher staunten über die Größe des Windrads

Die Festgäste staunten nicht schlecht, als sie die Ausmaße der Anlage vor Ort begutachteten. Sie knipsten Fotos, manch einer hatte dafür sogar eine Drohne mitgebracht. Viele nutzten die Chance, noch vor dem offiziellen Teil ins Innere der Anlage zu blicken. Dort gab es aber außer einem riesigen Hohlraum und einem Fahrstuhl, der Monteure potenziell bis in die Gondel auf 166 Metern Höhe bringt, nicht viel zu entdecken. Wer sich noch weitere Informationen besorgen wollte, nahm die Infostände der Firma Alterric und der Ökostromgruppe Freiburg unter die Lupe. Für Mitmachaktionen – etwa ein Glückrad oder ein Quiz – war gesorgt. Dann startete der offizielle Teil – und es wurde nicht an Lobeshymnen für das Projekt gespart.

246 Meter hoch ist die Windkraftanlage auf dem Schnürbuck östlich von Wallburg. Foto: Köhler

Den Auftakt machte Carsten Kropp, Regionalleiter der Firma Alterric, die das Projekt gemeinsam mit der Ökostromgruppe Freiburg und der Ettenheimer Bürgerenergiegenossenschaft umgesetzt hat. Allen drei Beteiligten gehört je eins der drei Windräder, die Eröffnungsfeier fand an dem der Bürgerenergiegenossenschaft statt. Kropp sprach von einem „besonderen Tag“. Die Beteiligten hätten gemeinsam ein „sichtbares Zeichen für die Energiewende“ gesetzt. Der Windpark mit den zwei Windrädern auf Ettenheimer Gemarkung und dem dritten auf der Gemarkungsgrenze von Ettenheim und Kippenheim sei ein „Musterbeispiel“ für Klimaschutz und Wertschöpfung auf lokaler Ebene.

Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz erinnerte an „sechs Jahre intensive Arbeit“, die hinter den Beteiligten liegen würden und skizzierte die Ettenheimer Windkraftgeschichte: Vor 26 Jahren sei Andreas Markowsky als Chef der Ökostromgruppe Freiburg auf ihn zugekommen, um Windkraft in Ettenheim voranzutreiben. Es entstand der erste Windpark Schnürbuck mit sechs, später nur noch fünf Windräder. „Eine Anlage hat damals 1,3 Millionen Kilowattstunden Strom produziert. Die neuen Anlagen schaffen heute zehn Millionen“, hob Metz den technischen Fortschritt und die Vorteile des Repowerings, also der Erneuerung der Anlagen, hervor. Mit Strom für 10 000 Haushalte und der Einsparung von 12 000 Tonnen CO₂ pro Jahr setze Ettenheim mit diesem Windpark „den Weg zur Klimaneutralität im Jahr 2035 fort“.

Anlage gehört der Energiegenossenschaft

Kippenheims Bürgermeister Matthias Gutbrod konnte sich bei seiner Ansprache einen Seitenhieb nicht verkneifen. „Früher war das Kippenheimer Windrad die einzige Anlage, die gut lief. Die anderen standen ja fast nur. Und auch heute ist das Kippenheimer Windrad das, was schon in Betrieb ist“, so Gutbrod mit einem Lachen. Wieder ernst lobte auch er die interkommunale Zusammenarbeit und den Beitrag für Klimaschutz und Energiewende.

Aus dem Strahlen nicht mehr heraus kam am Freitagnachmittag Jörg Bold. Der Vorsitzende der Bürgerenergiegenossenschaft ließ es sich nicht nehmen, zu betonen, dass dieses Windrad „eine echte Ettenheimer Anlage“ sei. Denn das Windrad gehört der Genossenschaft mit ihren 370 Mitgliedern, von denen 350 Ettenheimer seien. Als es darum ging, die Anteile zu erwerben, waren diese in etwas mehr als einer halben Stunde vergriffen. In den kommenden Tagen, so Bold, werde das Windrad auch schon in Betrieb drehen und Strom produzieren, während die letzte Anlage spätestens Anfang 2026 voll in Betrieb sein wird. Pro Windrad erhoffen sich die Beteiligten Einnahmen in Höhe von einer Millionen Euro aus der Einspeisung ins Netz. Abzüglich aller Kosten, schätzt Bold, werden sich die drei Anlagen in etwa 15 Jahren amortisiert haben.

Dass die Menschen vor Ort wirtschaftlich profitieren, erwähnte auch Carsten Gabbert positiv. Der Regierungspräsident sprach von einem „ganz herausragenden Beitrag“ für die Energiewende. „Überall ist der Klimaschutz angekommen“, freute er sich.

Thomas Schuwald von der Geschäftsführung der Ökostromgruppe Freiburg, ging auf einige Hürden ein, die der Windpark zu nehmen hatte. Um zu belegen, dass auf dem Schnürbuck überhaupt genug Wind weht, um ein Windrad wirtschaftlich zu betreiben, seien zahlreiche Gutachten nötig gewesen. Wer am Freitagnachmittag vor Ort war, hatte jedoch keinen Zweifel an der ausreichenden Windhöffigkeit. Der Wind blies nämlich gehörig, sodass Zettel der Redner davonflogen und nach einer Stunde einige Gäste ins beheizte Festzelt flüchteten.

Mit gegenseitigen Danksagungen und Geschenken an die beiden Rathauschefs – Metz und Gutbrod erhielten jeweils ein Modellwindrad und eine Flasche Sekt – endete der offizielle Teil. Viele Gäste blieben noch zum Plausch oder um sich tiefergehend zu informieren, bis sie dann mit dem Shuttle-Bus wieder ins Tal fuhren.

Zahlen zum Windrad

Typ:
Enercon E-160 EP5 Gesamthöhe:
 246,60 Meter Turmdurchmesser:
4 Meter bis 8,70 Meter Turmgewicht:
2000 Tonnen Fundament:
746 Kubikmeter Beton
Nabenhöhe:
166 Meter Rotorblattdurchmesser:
160 Meter Rotorblattgewicht:
26 Tonnen Drehzahl:
4,4 bis 9,6 Umdrehungen pro Minute Nennleistung:
5560 Kilowatt