Seit vier Jahrzehnten pflegt Burladingen freundschaftliche Beziehungen zur Partnergemeinde Le Plessis-Trévise in Frankreich. Der Beginn war nicht einfach.
Freundschaftliche Verbindungen zu einer Stadt oder Gemeinde außerhalb der eigenen Landesgrenzen hat heutzutage so gut wie jede Stadt. Und es ist unbestritten: Partnerschaften gerade auf der kommunalen Ebene sind ein wichtiger Baustein, damit der Gedanke der Völkerverständigung sichtbar Gestalt annimmt. Aber diese Entwicklung musste nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges erst wachsen. So auch in Burladingen.
Ganz einfach oder gar ein Selbstläufer war die Begründung der Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Le Plessis-Trévise und in der Folge die Gründung eines Partnerschaftsvereins nicht. Im Gegenteil: Damals, in der Mitte der 1980er-Jahre, musste sehr viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, in der Bevölkerung und auch im Gemeinderat. Seinerzeit – knapp 40 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges – war der Einmarsch der Franzosen 1945 mit all seinen negativen Begleiterscheinungen noch im Gedächtnis derer, die die Zeit miterlebt hatten. Es galt also (wie überall), Ressentiments zu überwinden.
1986 Partnerschaftskomitee gegründet
Das Engagement und die Initiative einer Gruppe von Interessierten aus der Burladinger Bürgerschaft, die sich für eine europäische Partnerschaft starkmachte, zahlten sich aber aus. Die anfänglichen Widerstände konnten überwunden werden, im Februar 1986 stimmte der Burladinger Gemeinderat mit großer Mehrheit der Gründung eines Partnerschaftskomitees zu. Auf ausdrücklichen Wunsch des damaligen Bürgermeisters Peter Höhnle sollte es als eigenständiger Verein eingerichtet werden, man wollte gewährleisten, „dass die Partnerschaft von einer breiten Bevölkerungsschicht getragen wird“, wie es im damaligen Gemeinderatsprotokoll heißt.
Kontakte in die Partnerstadt gab es bereits vor der Gründung im Frühjahr 1986. Kopf der bürgerschaftlichen Bewegung für die Begründung einer Partnerschaft war der Burladinger Johannes Söhn, der nach der Vereinsgründung erster Vereinsvorsitzender war. Er, CDU, hatte durch seine politischen Kontakte vom damaligen Bürgermeister der Stadt Le Plessis-Trévise, Jean-Jacques Jégou, vom Wunsch der französischen Stadt nach der Partnerschaft mit einer deutschen Kommune erfahren.
Viele Erinnerungen
40. Geburtstag, Schwabenalter: Das war der Anlass für ein Treffen von Aktiven der ersten Stunde. Eine launige und lebhafte Gesprächsrunde blickte zurück. „Es gab tausend schöne Erlebnisse, ich möchte keines missen“, brachte es Hanneliese Kolb, ehemalige Gemeinderätin, auf den Punkt. Sie war bereits vor der Vereinsgründung, insbesondere im Jugendaustausch, partnerschaftlich aktiv und später zweite Vorsitzende der Gruppe. Die schon immer frankophile Burladingerin bestätigte die anfänglichen Hürden: „Man hat viel an der Bevölkerung arbeiten müssen“. Und: „Wir wollten über die Politik hinaus die Menschen erreichen.“
Auch die Veränderungen in diesen vier Jahrzehnten wurden intensiv diskutiert, der Blick nach vorn gerichtet: Was erfordert die Zukunft? Wie kann man die heutige Jugend für Europa gewinnen? Denn, dass man die junge Generation im Blick haben muss, verdeutlichte Waltraud Barth-Lafargue, langjährige erste Vereinsvorsitzende: „Europa ist noch nie so wichtig gewesen wie heute“, bekräftigte sie mit Blick auf die aktuelle Weltlage. Akteure der Städtepartnerschaft sind in Burladingen der Verein und die Stadt. „Das hat sich bewährt. Von Anfang an hat die Stadt den Verein finanziell unterstützt“, wie Günter Schwarz, Gründungskassierer des Vereins unterstrich.
„Was macht eine gute Partnerschaft aus?“ Da war sich die Gesprächsrunde einig: Das Gelingen liegt immer an denen, die sich dafür einsetzen. „Partnerschaft ist auch ein Lernprozess: Man muss Verständnis und Kenntnisse über den Partner erwerben. Und immer wieder reflektieren: Wie stellt man die Partnerschaft auf? Dann entwickelt sie sich. Wie im richtigen Leben…“ Dass dies zwischen Burladingen und Le Plessis-Trévise gelungen ist, zeigen die vielen persönlichen Beziehungen, die lange gehalten haben und immer noch halten.
Präsenz zeigen
Ein stets präsentes Thema ist die Nachwuchsgewinnung. Die ist für einen Verein, der eine Idee vertritt – Völkerverständigung und Toleranz zwischen den Staaten –, also keine sportliche, musikalische oder kreative Freizeitgestaltung anbietet, naturgemäß schwieriger. Insbesondere in Zeiten, in denen in Europa die Grenzen zwischen den Staaten üblicherweise nicht mehr wahrnehmbar sind. Außerdem gelte es, auch im eigenen Lager Präsenz zu zeigen: Längst bringt sich der Verein deshalb in gesamtstädtische Aktivitäten wie etwa das Spulenfest ein.
Weitere Ideen auf Lager
Gegen Ende wurde die Runde nochmals kreativ: Es gab einige Ideen. So soll auf Anregung des Boule-begeisterten Ehepaares Schwarz ein Bouleturnier stattfinden. Vereinbart wurde außerdem, ein regelmäßiges Mitgliedertreffen im Vereinszimmer – zu dem auch Nichtmitglieder willkommen sind – zu etablieren. In 40 Jahren hat sich vieles verändert. Aber die Überzeugung ist geblieben. Und die Notwendigkeit der europäischen Einigung war vielleicht noch nie so deutlich wie in diesen Tagen. „Europa first“: Der Förderverein Städtepartnerschaft leistet im Gleichklang mit der Stadt seinen Beitrag auf der lokalen Ebene.
Wie in unserer Zeitung bereits berichtet, haben Bürgermeister Didier Dousset und seine Listen in den vergangenen Kommunalwahlen ihre Mehrheit verloren. Wahlgewinner war Alexis Maréchal. Jetzt wurde er in der konstituierenden Sitzung des Stadtrates (Conseil Municipal) zum neuen Bürgermeister gewählt. Die Partnerschaft dürfte unverändert weiterlaufen. Besuche auch des Burladinger Gemeinderates sind geplant. In Frankreich dürfte man jedoch zunächst mit der Umstrukturierung in der Verwaltung beschäftigt sein.