Die 40. Artothek des Zollernalbkreises ist die ganze Woche zu sehen. Bereits nach der Eröffnung gab es leere Stellen an manchen Wänden.
Sich ein Bild von der Kunst machen – wer diese Gelegenheit bei der Vernissage zur Artothek des Landkreises in der Hechinger Villa Eugenia nutzen wollte, musste sich beeilen.
Zum einen herrschte enormer Andrang, so dass nur diejenigen einen ruhigen Blick auf die Werke genießen konnten, die schon früh gekommen waren. Zum anderen fehlten am Ende der Veranstaltung einige Kunstwerke an den Wänden.
Bilderschwund normal
In Panik verfiel niemand angesichts des Bilderschwunds. Immerhin ist es bereits die 40. Artothek, und da wissen die allermeisten: Bei dieser Schau ist es normal, dass die Kunstwerke, die gekauft oder ausgeliehen wurden, direkt mit nach Hause genommen werden. Abgehängt und fachgerecht eingepackt werden sie von Mitarbeitern des Landratsamts.
Wer sich die Schau in der Villa Eugenia noch ansehen will, findet immer noch genügend Kunst für einen spannenden Rundgang. Geöffnet ist bis Freitag, 12. Dezember, jeweils von 16 bis 18 Uhr sowie am Samstag und Sonntag, 13. und 14. Dezember, jeweils von 15 bis 17 Uhr.
Was dort zu sehen ist, hatte eine fachkundige Jury des Landratsamts in den Tagen zuvor unter den vielen Einsendungen ausgewählt. Übrig blieben 108 Werke von 53 Kunstschaffenden. „Schwer“ sei diese Auswahl gefallen, erklärte Kreisarchivar Uwe Folwarczny, der organisatorisch die Federführung hatte.
Ergebnis sehenswert
Auch in diesem Jahr wurde wieder mutig die Brücke geschlagen zwischen Werken bekannter Kunstschaffender, die eher an dem kunstakademischen Normenkanon der Abstraktion und Verfremdung orientiert sind, und Bildern, die aus möglicherweise weniger reflektierter, aber irgendwie auch zu Herzen gehender Malfreude entstanden sind und vielleicht gerade deshalb auch beeindrucken. In der Vernissage fanden all diese Ansätze ihre Fans.
Eine unstrittige Definition von Kunst wird es wohl niemals geben, und genau abgrenzen lassen sich Kunstkategorien ohnehin nicht. Sind die lebhaften Farbfelder von Joachim Wörner nicht auch irgendwie Landschaften? Stellt das von Sabine Wilhelm-Stötzer gemalte Motiv Volo eines Männleins, das über eine Art Sonne läuft, etwas reales ab? Und ist die vor einem Blattgold-Himmel hingegossene Landschaft von Stefan Luithardt nicht einfach nur eine schwarze Masse, die man eben als Landschaft liest, weil der Bildertitel „landscape“ heißt?
Künstler kreativ
Landrat Günther-Martin Pauli hob hervor, dass auch in den aktuell schwierigen Zeiten immer noch Kunstschaffende kreativ daran arbeiten, für ihre Mitmenschen spannende Seherlebnisse zu gestalten. Er betonte auch, dass er es spannend finde, dass sich neben etablierten Namen immer wieder Neulinge auf das oft kritisch beäugte Parkett der Kunst wagen.
Dass Kunst mehr sei als ein netter Eindruck, dass sie durchaus eine politische Dimension habe, führte Bürgermeister Philipp Hahn aus. Und er ermutigte dazu, sich ein Bild für ein Jahr auszuleihen und zu sehen, wie sich der Eindruck über so einen Zeitraum hinweg verändert. In seinem Rathaus-Büro hänge ebenfalls jedes Jahr ein anderes Bild. Er könne das nur wärmstens empfehlen.
Berufskrankheit Chaos
Cordula Julino, Künstlerin aus Bisingen, setzte am Rednerpunkt den Schlusspunkt mit einem persönlichen Blick darauf, warum sie Kunst macht. Nicht nur, weil sie schon seit dem Kindergarten darin gut sei, dafür Lob erhalten und einfach nie damit aufgehört hat, sondern auch weil man Kunstschaffenden eine teils chaotische Art liebevoll als Berufskrankheit nachsehe, meinte sie.
Als der letzte Ton des abschließenden Musikstücks verklungen war, begann die Verkaufs- und Ausleihphase. Sofort bildete sich eine Schlange am Ausleih-Tresen, bald wurden die ersten Bilder durch das dicht gedrängt stehende Publikum in Richtung Einpack-Tisch getragen.
Viele Besucher nutzten auch die Gelegenheit, sich in der großen Rotunde der Villa bei Häppchen und Getränken über die Kunst, das Leben und andere Themen zu unterhalten. Es war eine schöne Art, den zweiten Advent gesellig zu verbringen.