Die Kläranlage in Meißenheim ging 1981 in Betrieb. Nun muss sie umfangreich saniert werden. Ziel der Maßnahme ist es, die Anlage technisch zu modernisieren und langfristig einen sicheren, effizienten und nachhaltigen Betrieb zu gewährleisten. Foto: Lehmann

Die Meißenheimer Anlage soll für rund 4,3 Millionen Euro umfassend modernisiert werden. Ursprünglich waren 2,9 Millionen Euro dafür eingeplant.

Die Kläranlage in Meißenheim steht vor einer umfassenden Sanierung. Über den Stand der Planung informierte der Ingenieur Mario Bitsch von Weber Ingenieure am Montag im Gemeinderat. Das Ingenieurbüro hat den Auftrag für das Projekt erhalten. Ziel der Maßnahme sei es, die Anlage technisch zu modernisieren und langfristig einen sicheren, effizienten und nachhaltigen Betrieb zu gewährleisten. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 4,3 Millionen Euro brutto, so Bitsch.

 

Bereits seit 2022 arbeitet die Gemeinde Meißenheim im Bereich der Abwasserbeseitigung personell mit dem Abwasserverband Friesenheim zusammen. Ansprechpartner ist Ingenieur Mark Peilnsteiner, er unterstützte Bitsch bei den Ausführungen. Grundlage für die weiteren Planungen bildet die wasserrechtliche Erlaubnis des Landratsamt Ortenaukreis, die Anfang 2022 erteilt wurde und bis Ende 2036 gilt. Grundsätzlich werden solche wasserrechtlichen Genehmigungen in einem Turnus von 15 Jahren erteilt, sagte Bitsch.

Wasserrechtliche Genehmigungen gelten für 15 Jahre

Zunächst umfasste der Auftrag die Planungsphasen von der Grundlagenermittlung bis zur Entwurfsplanung. In den Folgejahren wurde er durch zusätzliche Nachträge, unter anderem zur Statik und zum Notstromkonzept, erweitert. Es soll nahezu die gesamte Anlage modernisiert werden. Vorgesehen sind unter anderem die Sanierung des Einlauf- und Zulaufhebewerks, die Erneuerung des Steuerungs- und Rechengebäudes sowie umfangreichen Arbeiten am Sand- und Fettfang. Auch die biologische Reinigungsstufe wird durch neue Gebläse, Belüftungselemente und Rührwerke technisch auf den neuesten Stand gebracht. Weitere Schwerpunkte sind die Modernisierung der Mess-, Steuer- und Regeltechnik, der Bau neuer Betriebsgebäude sowie die Sicherstellung der Stromversorgung durch eine neue Trafostation und eine leistungsfähigere Notstromanlage. Ergänzend sollen mehrere Gebäude mit Photovoltaikanlagen ausgestattet werden, um die Energieeffizienz der Anlage zu verbessern.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Verbesserung der Betriebssicherheit, der Redundanz zentraler Anlagenteile sowie auf dem Arbeitsschutz für das Betriebspersonal. Wie Bitsch erläuterte, ist die Kläranlage derzeit nicht überlastet, jedoch vollständig ausgelastet. Eine Erhöhung der Kapazität auf 4200 Einwohner sei aufgrund der hohen Belastung notwendig. Gleichzeitig bescheinigte er der Anlage eine gute Reinigungsleistung: Die Anforderungen bei den maßgeblichen Parametern Stickstoff, Kohlenstoff und Phosphor würden eingehalten.

Kritische Nachfragen wegen der recht kurzen Laufzeit

Im Rahmen der Beratungen wurde auch die Laufzeit der wasserrechtlichen Genehmigung thematisiert. Gerald Sensenbrenner von der Freien Liste stellte die Frage, ob eine Sanierung in diesem Umfang notwendig sei, da die aktuelle Erlaubnis seit Januar 2022 gelte. Angesichts der mehrjährigen Planungs- und Bauzeit verbleibe nach Abschluss der Maßnahmen nur eine effektive Nutzungsdauer von etwa sieben bis acht Jahren, bevor erneut über eine Anschlusslösung entschieden werden müsse. Bitsch und Peilnsteiner betonten hierzu, dass es keine realistische Alternative zu den geplanten Maßnahmen gebe. Die Sanierung sei zwingend erforderlich, um den Betrieb der Anlage weiterhin sicherzustellen und die gesetzlichen Anforderungen einzuhalten.

Finanziell ist das Projekt im Haushalt der Gemeinde berücksichtigt. Zudem wird geprüft, ob Fördermittel des Landes Baden-Württemberg in Anspruch genommen werden können.

Der Gemeinderat gibt grünes Licht

Mit der Modernisierung stelle die Gemeinde Meißenheim die Weichen für eine zukunftsfähige Abwasserreinigung und reagiere zugleich auf steigende technische, ökologische und gesetzliche Anforderungen, sagte Bitsch zum Abschluss seiner Ausführungen.

Der Gemeinderat hat die weiteren Planungen zur Sanierung der Kläranlage beschlossen. Die Firma Weber Ingenieure aus Pforzheim wird mit der Ausführung beauftragt. Die Gesamtkosten der zusätzlichen Planungsleistungen belaufen sich auf rund 725 000 Euro. Zudem soll die Verwaltung Fördermöglichkeiten im Bereich der Wasserwirtschaft prüfen und wird ermächtigt, die Ausschreibung für die Bauarbeiten zur Kläranlagenerneuerung vorzubereiten, so der Gemeinderat.

Zeitplan

Der Zeitplan sieht vor, die Genehmigungsplanung bis Mitte 2026 abzuschließen. Die Ausführungsplanung soll bis Ende 2026 erfolgen, die Vorbereitung und Durchführung der Vergabe bis Mitte 2027. Die eigentliche Bauphase ist bis Oktober 2028 angesetzt.