Stefan Stange, Leiter des Landeserdbebendiensts Foto: Regierungspräsidium Freiburg

Bei Hechingen bebte am 9. Juli die Erde. Stefan Stange, Leiter des Landeserdbebendiensts, vermutet nun einen Zusammenhang mit der Grabenstruktur. Die neuesten Erkenntnisse lesen Sie hier.

Hechingen/Jungingen/Reutlingen - Bei 4,1 lag die Stärke des Bebens vom 9. Juli. Bis nach Bayern, Frankreich und in die Schweiz waren die Erschütterungen spürbar. Inzwischen hat der Erdbebendienst beim Regierungspräsidium Freiburg neue Erkenntnisse.

 

Chef des Landeserdbebendiensts spricht von Graben-Basisstörung

Das Beben habe etliche Kilometer unterhalb des Hohenzollerngrabens gelegen, sagte Erdbebendienst-Chef Stange unserer Redaktion, "vermutlich an einer Graben-Basisstörung und mehrere Kilometer abseits des zentralen Bereichs der Albstadt-Scherzone". Und weiter: "Dies und die beobachtete Bewegung auf der Bruchfläche legen eher einen Zusammenhang des Erdbebens mit der Grabenstruktur nahe."

Eine Verbindung mit der Albstadt-Scherzone sei unwahrscheinlich. Stange betont aber auch, die Tektonik im Bereich der Zollernalb sei komplex. Vermeintliche Zusammenhänge zwischen Scherzone und Hohenzollerngraben "sind noch nicht vollständig verstanden".

Erdbeben bei Hechingen in etwa zehn Kilometern Tiefe

Beim Hohenzollerngraben vermuten die Geologen, dass er nur ein bis zwei Kilometer tief ist. "Allerdings kann so ein Graben nicht aus dem Nichts entstehen", erläutert Stange. Deshalb sei es plausibel, "darunter eine geologische Störungszone anzunehmen, die quasi die Ursache für die Grabenbildung an der Oberfläche ist. Mit dem Begriff Basisstörung ist diese Störungszone gemeint." Wenn diese bis in zehn Kilometer Tiefe reiche, "könnte dort das Erdbeben stattgefunden haben".

Im Kreis Reutlingen wiederum bebt die Erde den Zahlen aus Freiburg zufolge nicht ganz so häufig wie im Zollernalbkreis. Auffällig aber, dass der Landeserdbebendienst nun drei schwache Beben innerhalb weniger Tage meldet: am 18. Juli in Metzingen (Stärke 1,0), am 15. Juli in Reutlingen (1,0) und am 13. Juli ebenfalls in Reutlingen (0,6). Hängen diese aktuellen schwachen Beben mit dem 4,1-Erdbeben in Hechingen oder aber den Beben rund um Jungingen zusammen?

Erdbeben im Landkreis Reutlingen: Zusammenhang nicht offensichtlich

"Im Landkreis Reutlingen kommt es immer mal wieder zu kleineren Erdbeben; zwar deutlich seltener und schwächer als auf der Zollernalb, aber außergewöhnlich ist diese momentane Aktivität bei Reutlingen nicht", berichtet Stange. Ein Zusammenhang mit dem Erdbeben bei Hechingen oder den kürzlich südlich von Jungingen beobachteten sei jedoch nicht offensichtlich.