Marla Glen feiert in Rottweil vor ausverkauftem Haus und anschließend ausgelassen im Club. Foto: Bodo Schnekenburger

Während auf der Bühne internationale Jazzgrößen in Rottweil glänzen, sorgt hinter den Kulissen die finanzielle Entwicklung des Festivals für Diskussionen.

Am Samstagabend wirken die Gesichter zwar müde, doch sind die Verantwortlichen rundum zufrieden: Das Ende des 38. Rottweiler Jazzfests bescherte mit dem Konzert des Joshua Redman Quartet noch einmal einen besonderen Abend.

 

Er reiht sich ein in eine Liste Konzerte, die wieder einmal ein breites Spektrum der Jazzszene und ein bisschen darüber hinaus ausleuchteten – und für reichlich Publikum sorgten.

„Für uns lief’s wirklich gut“, resümiert Simon Busch, Vorsitzender des Jazzfest-Vereins. Kein Wunder: 9000 Besucher waren beim Jazzfest 2026 zu Gast, davon 2800 bei „Jazz in Town“ zum Auftakt. Diese Zahl ist um so bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass dieses Jahr acht Konzerte, und damit zwei weniger als 2025, auf dem Programm für die Alte Stallhalle standen.

Doch mit dem Rückenwind von zwei ausverkauften Veranstaltungen – die Abende mit Chilly Gonzales beziehungsweise Wolfgang Haffner und Nils Landgren hatten sich beizeiten als Publikumsrenner abgezeichnet lässt sich gut segeln. Zumal, wenn auch die Vorverkaufszahlen für die anderen Abende „ganz gut“ bis „hervorragend“ aussehen.

Die Mischung passt

Das zeigt zweierlei: Zum einen ist es Programmmacher Claus Gams gelungen, Künstler zu engagieren und eine Mischung zu finden, die gut zum Jazzfest passt, heißt: auch ganz unterschiedliche Menschen ansprechen und mobilisieren kann. Tatsächlich liegt der Schwerpunkt der Kartenverkäufe zwischen Heilbronn und Schaffhausen, Freiburg und Sigmaringen. Ausreißer gibt’s natürlich. Die würden natürlich nicht kommen, wenn, und das ist das andere, sich das Jazzfest als Marke nicht längst etabliert hätte.

Insofern passt natürlich der launige Spruch von Joshua Redman mit der „Bucket List“ eines jeden us-amerikanischen Jazzers, auf der Rottweil als Auftrittsort stehe. Und ganz ernst: Auf dem „big beautiful...“ – nein genau das nicht, sondern einfach nur „big poster“ in der Künstlerbar habe er viele bedeutende Musiker gefunden, viele seiner Helden seien hier aufgetreten, viele Freunde, ja, und auch ein paar, aber nur ein paar Feinde.

Mangelnde Wertschätzung

Könnte man als Auszeichnung verstehen. Macht der Jazzfestverein auch – und ist um so verständnisloser ob der finanziellen Rahmenbedingungen, die die Stadt verändert. Anders formuliert: „Es ist schon mangelnde Wertschätzung“, die den Ehrenamtlichen entgegengebracht werde, stellt Busch unmissverständlich fest. Zwar erzielt das Jazzfest knapp 60 Prozent seiner Einnahmen aus Ticketverkäufen, etwa ein Viertel steuern die Sponsoren bei. Vergleichsweise schmale 15 Prozent kommen aus Zuschüssen. Diese seien aber nötig, wenn ein Konzert einmal richtig floppt. Da hilft alles Ehrenamt nichts. So war das Minus von rund 40.000 Euro im vergangenen Jahr zur Hälfte einem einzigen schlecht laufenden Konzert geschuldet.

Steigende Kostend und weniger Zuschüsse

Auch vor dem Hintergrund des aktiven Stadtmarketings durch das Jazzfest findet Busch es schwierig, wenn neben der Vereinszuschusskürzung die Mieten für den Verein um 50 Prozent angehoben würden. Das komme einer realen Zuschusskürzung von zehn Prozent gleich und erschwere die Arbeit massiv. Um so mehr, als bereits das Ansinnen geäußert worden sei, der Verein solle sich schon mal Gedanken machen, ob er auf weitere 5000 Euro aus dem Stadtsäckel verzichten könne.

Jazzfest 2027

Immerhin: „Natürlich wird es ein 39. Rottweiler Jazzfest geben nächstes Jahr.“