An neuem Platz – nahe dem Straßenkreuz – begrüßt Jazzfest-Chef Simon Busch die frühen Gäste zur langen Jazzfest-Nacht. Foto: Siegmeier

Es ist das Fest vor dem Festival – Bei „Jazz in Town“ feiern 2800 Besucher zu Livemusik in der Rottweiler Innenstadt. Dieses Jahr allerdings mit einer gravierenden Änderung.

Musikgenuss vom Feinsten, bestens gelauntes Publikum und eine bis in die Nacht hinein klingende Innenstadt – all das gab es zum Auftakt des Rottweiler Jazzfests mit „Jazz in Town“ am Donnerstagabend.

 

Bereits zum traditionellen Beginn hatte sich reichlich Publikum aller Altersgruppen in der Fußgängerzone eingefunden – voller Erwartung auf einen genussreichen Abend. Den Auftakt machte traditionell die Jugendkapelle unter Leitung von Hans Nikol, die dem Publikum ein vielfältiges musikalisches Programm kredenzte und Lust auf mehr machte. Weiter ging es danach mit der Männer Schola, die erstmals am Start war. Im Anschluss kredenzten die „Buffalo Chips“ Rock’n’Roll und Rockabilly vom Feinsten. Und es wurde eifrig mitgetanzt!

24 Locations

Nach dem fulminanten Auftakt in der Fußgängerzone füllten sich auch die 24 Locations – leider sechs weniger als im vergangenen Jahr – schnell mit Publikum. Zeitweise gab es kaum mehr ein Durchkommen, und mancherorts war gerademal noch ein Blick durch ein Fenster zu erhaschen. Doch das tat der Stimmung keinen Abbruch. Während manche Besucher sich bei ihrer Lieblingsband ein Plätzchen gesucht hatten und den Konzertabend genossen, gab es viele, die von Ort zu Ort zogen, um einmal mehr die musikalische Vielfalt des Jazzfests mitzuerleben.

Erstmals dabei war in diesem Jahr auch die Markthalle. Die Bedenken, dass vielleicht niemand kommen würde, die kurzzeitig mal gehegt wurden, waren rasch verflogen. Die Plätze waren schnell alle belegt, so dass Tische und Stühle herbeigetragen wurden, um möglichst vielen Gästen, die auch die Kulinarik genießen wollten, Platz zu bieten. Auch das Dominikanermuseum war gut besucht, bei dem Anblick schien sogar die Skulptur von Kaiser Vespasian zu lächeln. Als besondere Location war wieder der Eiskeller sehr gefragt. Bis in die Nacht hinein war die Innenstadt Partymeile. Es wurde getanzt und die Musik klang teils weit durch die Gassen.

Kostenfreies Angebot nicht mehr leistbar

Jazzfest-Vorsitzender Simon Busch freute sich über den guten Besuch und ging in seiner Begrüßung auch auf die Veränderungen der Veranstaltung ein, die „sich verändernde Zeiten mit sich bringen“ würden, wie er sagte. „Auch wir merken, wie Kosten steigen. Und die Zuschüsse werden leider auch nicht mehr. Deshalb haben wir uns für ein geändertes Konzept entschieden“, sagt er. Die kostenfreien Angebote hätte man nicht mehr halten können, machte er deutlich.

Dass jetzt auch für die Angebote auf der Hauptbühne Eintritt bezahlt werden musste, das kam nicht bei allen gut an. Einige machten, wenig erfreut, prompt wieder kehrt. Und dass die Hauptstraßenbühne erstmals ans Straßenkreuz verlegt worden war, missfiel vor allem so manchem Gastronom im oberen Bereich der Fußgängerzone. Denn hier war die Musik weder zu hören, noch war hier zum Auftakt der Veranstaltung viel Publikum anzutreffen.

Neue Wege und frische Impulse

„Ich bin jetzt seit 30 Jahren dabei, aber diesmal zum letzten Mal“, machte Gianni Luceri, Betreiber des Cappuccino seinem Ärger Luft. Hier herrschte um 18.30 Uhr gähnende Leere. Dass man den Beteiligten das geänderte Konzept nicht mitgeteilt habe, das missfiel ihm sehr. Doch später gab es beim Programm mit Lynda Cullen und Fintan Lucy auch hier kein Durchkommen mehr.

„In diesem Jahr haben wir bewusst neue Wege eingeschlagen – mit dem klaren Ziel, „Jazz in Town“ weiterzuentwickeln und frische Impulse zu setzen. Dass dieser Mut heute Abend belohnt wurde, freut mich umso mehr“, so das Fazit des Abends von Simon Busch.

Die Verlegung der Bühne an das Hauptstraßenkreuz habe sich aus seiner Sicht als „echter Gewinn erwiesen“. Vor allem in Bezug auf Logistik und Atmosphäre. „Auch die Entscheidung, auf kostenfreie Bereiche zu verzichten, hat unsere Besucherinnen und Besucher nicht abgeschreckt“, sagt er. Mit rund 2800 Gästen habe der Jazzfestverein wieder ein sehr gutes „Jazz-in-Town-Jahr“ verzeichnet. Im vergangenen Jahr war die Zahl mit 2800 zahlenden, und insgesamt gut 3000 Besuchern nahezu gleich.

„Besonders beeindruckend waren die Vielfalt der Bands und die großartige Resonanz in den Locations“, so Busch weiter. Viele Konzerte seien hervorragend besucht gewesen, teilweise so stark, dass es kurzzeitig Einlassstopps aufgrund von Überfüllung gab, informiert Busch. Das zeige, wie groß das Interesse und die Begeisterung für die Veranstaltung sei.

Am meisten freue die Verantwortlichen, dass die Stimmung durchweg friedlich, herzlich und gleichzeitig ausgelassen gewesen sei. „Genau diese Mischung macht ‚Jazz in Town‘ aus“, so Busch, der nicht nur den Besucherinnen und Besuchern, sowie den Musikerinnen und Musikern und Partnern seinen Dank aussprach, sondern auch den mehr als 130 engagierten Helfern. „Gemeinsam haben wir gezeigt, dass Mut zu Veränderung sich lohnt“, betonte Simon Busch.

38. Rottweiler Jazzfest – die Konzerte

Sa, 2. Mai
Chilly Gonzalez

Mo, 4. Mai
Quadro Nuevo

Do, 7. Mai
Wolfgang Haffner Trio & Special Guest Nils Landgren

Fr, 8. Mai
Marla Glen

Sa, 9. Mai
Rainbirds

Mi, 13. Mai
Matt Bianco

Fr, 15. Mai
Moop Mama X Älice

Sa, 16. Mai
Joshua Redman Quartet

Vorverkauf:
online unter www.schabo.de/tickets und www.jazzfest-rottweil.de; über die Ticket-Hotline 07423/78 790 und bei den bekannten Vorverkaufsstellen

weitere Info:
www.jazzfest-rottweil.de