Das 36. Rottweiler Jazzfest beginnt mit einem musikalisch denkbar weit gespannten Abend.
So kann’s weitergehen: Der Freitagabend ist längst ausverkauft und serviert mit „Mother’s Finest“ feine Fusion in der Alten Stallhalle.
Spielfreudiges Ensemble
Und der Jazzfest-Auftakt am Abend zuvor – da hatte es auch so eine Art Fusion gegeben. Ganz feine Fusion, kein bisschen subtil, aber ganz, ganz fein. Denn Roberto Fonseca hat das 36. Rottweiler Jazzfest mit einem geradezu absurd weiten Stil-Crossover eröffnet.
Das soll kein bisschen despektierlich klingen, denn gleich was der kubanische Pianist und sein spielfreudiges Ensemble anpacken, es ist an diesem Abend stets inspiriert und sehr musikantisch vermittelt. Mitunter ergeben sich daraus auch interessante Spannungsfelder. Fonseca ist in Rottweil nicht der Pianist, der Salsa-Kaskaden über seinem Publikum ausgießt.
Subtiler Ton
Er pflegt einen klaren, definierten, aber warmen Ton, in dem er Läufe perlen lassen oder eben auch Akkorde so tupfen kann, dass sie differenziert bleiben, tragen, nie aber laut oder plakativ werden.
Seine Band wirkt da durchaus bunter, „lauter“. Dem impulsiven Spiel des übrigens sehr gut aufgestellten Ensembles setzt Fonseca eine eher deklamierende Klavierstimme entgegen. Ja, sein Spiel ist eher Vortrag. Und ein bisschen passen dazu auch seine Anmoderationen, bei denen man manches lernt.
Woher dies und jenes kommt, wie er an das und das andere gekommen ist, welche Rolle es für sein Leben, für seine Entwicklung, vielleicht für sein Spiel gehabt hat.
Dialog im Bossa Nova
Und natürlich gibt es Momente, in denen Fonseca Samba lustvoll ausspielt, sich in einen Dialog mit seinen Kollegen gibt, quasi auf Zuruf Bossa Nova zum Leuchten bringt – und das Publikum mit einem bestechenden Ton verwöhnt.
Es gibt aber auch ganz anderes, den Rücksprung in die früheren Jahre synthetischer Klänge etwa – an die man sich, zugegebenermaßen – erst ein bisschen gewöhnen muss. Es gibt heißen und es gibt elegant angelegten Swing, es gibt veritable Balladen, die mal gesungen, mal tatsächlich nur über die Klavierstimme vorgetragen sind. Und es gibt diese Momente, in dem das Publikum einfach mal zum Chor wird. Mehrere Hundert Stimmen singen und summen – und die Band einfach nur die zweite und dritte Stimme oder die Begleitung spielt. Es ist ein Fest im Stall.