Mezzosopranistin Diana Haller wurde von Intendant und Festspielleiter Jochen Schönleber mit dem Inge-Borkh-Gedächtnispreis ausgezeichnet. Foto: Bechtle

Wieder einmal war der Wettergott den Veranstaltern der 32. Rossini-Festspiele nicht wohl gesonnen. Wieder einmal konnte das Luft- und Sonnenbad im Wildbader Kurpark nicht als Spielort genutzt und genossen werden. 

Bad Wildbad - Die offene Bretterhalle am Sportplatz bei der Marienruhe erweist sich als einziger trockener Veranstaltungsraum, denn alle, Besucher und Künstler, behalten dort einen trockenen Kopf und trockene Füße.

"Wir sind froh, dass wir überhaupt spielen können", so Reto Müller vom Veranstaltungsteam. Die Genehmigung für Veranstaltungen in geschlossenen Räumen hätte es im April auf keinen Fall gegeben. Und so geben alle ihr Bestes, täglich neu zu improvisieren, flexibel zu bleiben und nicht zu verzweifeln, wenn wieder neue Regenwolken aufziehen und der Himmel sich verdunkelt.

"Solch eine Wetterperiode haben wir in den vergangenen drei Jahrzehnten während der Festspielzeit noch nie erlebt", so Reto Müller.

Was fehlt ist Sonnenschein

Was also fehlt, ist Sonnenschein, die schönen gewohnten Spielstätten, das traumhafte Ambiente im Kurpark, ein festlich gekleidetes Publikum, ein Prosecco in der Abendsonne. Was Glanz bringt, sind also die Künstler, das tolle Opern- und Konzertprogramm und Preisverleihungen an einige dieser Künstler.

Einen solchen glanzvollen Abend erlebten die Festspielbesucher am vergangenen Mittwoch. Auf dem Programm stand ein Konzert mit dem Titel "Starke Frauen" mit drei Kantaten und Joseph Haydns Londoner Sinfonie Nummer 12.

Um es gleich vorwegzunehmen, die Mezzosopranistin Diana Haller erwies sich bei ihrem Auftritt als gesanglich superstarke Frau und wurde von ihren Fans begeistert gefeiert, denn seit 2011 ist sie mehrfach bei "Rossini in Wildbad" dabei und sang viele bedeutende Opernpartien. Für die Rolle des Alberto in der Salonoper "Il noce di Benevento" von Giuseppe Balducci wurde sie mit dem Internationalen Belcanto-Preis ausgezeichnet. Inzwischen ist Haller eine bekannte Größe ihres Faches.

Man kennt sie in der Opernwelt, Gastspiele und Engagements weltweit, Auftritte mit Placido Domingo und Anna Netrebko gehören zu ihrer Künstlerkarriere, zu der die Auftritte bei den Bad Wildbader Festspielen beigetragen haben. Für ihre außerordentlichen Leistungen wurde sie im Rahmen ihres Wildbader Auftritts geehrt. Sie erhielt den ersten und einzigen Inge-Borkh-Gedächtnispreis, überreicht von Intendant Jochen Schönleber. In einer kurzen Ansprache würdigte er die Leistungen Hallers und ging auf die Stifterin des Preises ein. Die Sänger-Schauspielerin Inge Borkh, geboren 1921, wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Sie starb mit 98 Jahren 2018. Seit 2006 besuchte die leidenschaftliche Opern-Persönlichkeit, sogar im Rollstuhl, die Rossini-Festspiele und erfreute sich an dem Können der jungen Sänger. Außer dem verliehenen Inge-Borkh-Gedächtnispreis stiftete die verstorbene Künstlerin ein Inge-Borkh-Stipendium für Sopranistinnen für fünf Jahre, für den die dramatische Sopranistin Meagan Sill ausgewählt wurde.

Auftakt bildet Kantate "Giovanna d’Arco"

Haller erwies sich, als Interpretin des Konzertprogramms, als verdiente und würdige Trägerin dieser Auszeichnung. Drei Kantaten, Opernarien gleichzusetzen vom Inhalt und Darbietung, standen auf dem Programm. Den Auftakt bildete die Kantate "Giovanna d’Arco" von Gioachino Rossini gefolgt von "Ero" von Giovanni Simone Mayr, die erst vor zwei Jahren entdeckt wurde und als Erstaufführung präsentiert wurde. Joseph Haydns Kantate "Berenice, che fai", die eigentlich für eine Sopranstimme komponiert war, meisterte die Mezzosopranistin souverän. Die tragischen Textinhalte der Kantaten um Liebe, Sehnsucht und Tod verstand sie, emotional packend, dramatisch, sanft und berührend zu interpretieren. Unter dem Dirigat von Antonio Fogliani, seit 2011 musikalischer Leiter der Rossini-Festspiele, erfreute das Philharmonische Orchester Krakau. Einfühlsam zurückhaltend begleitete es die Kantaten der Sängerin und begeisterte zum Abschluss mit der Londoner Sinfonie von Joseph Haydn.

"Ich bin begeistert, überwältigt, nach so langer Rossini und Opernabstinenz, ich sauge buchstäblich alles auf", kommentierte Hans-Joachim Winter aus München den Konzertabend. Seit vielen Jahren ist er regelmäßiger Festspielbesucher und will in den vier Tagen, die er hier verbringt, buchstäblich "alles mitnehmen" bis es weiter geht, denn er besucht auf seinen Opernreisen rund 100 Opernaufführungen pro Jahr. Auch so etwas gibt es, wer wundert sich dann noch über den Enthusiasmus, die Leidensfähigkeit der Festspielbesucher und Künstler, die Glanz in die primitivste "Bretterbude" zaubern.

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