Bei der Verabschiedung (von links): Bürgermeisterin Stephanie Hentschel, Eberhardt Haug und Julian Osswald. Fotos: Müller Foto: Schwarzwälder Bote

Kommunales: Eberhardt Haug aus Gemeinderat verabschiedet / Rückblick auf 32 Jahre Politik

Freudenstadt (mam). Stehend applaudierten die Mitglieder des Gemeinderats Eberhardt Haug, als er von Oberbürgermeister Julian Osswald aus seinem Amt als Stadtrat verabschiedet wurde. Der SPD-Politiker war 32 Jahre lang Mitglied des Gremiums.

Sichtlich gerührt nahm Haug die Laudatio von Osswald und den Applaus entgegen. Sein großes Ziel, erst aus dem Gemeinderat auszuscheiden, wenn die Kindergartengebühren abgeschafft sind, habe Haug leider nicht erreicht, sagte Osswald. Und er selbst werde das wohl leider ebenfalls nicht mehr mitbekommen. Er und Haug hätten 13 Jahre lang miteinander gekämpft, gefochten und gelitten, aber sich auch zusammen gefreut. Dabei sei es immer um das Beste für die Bürger gegangen.

Über den Gemeinderat hinaus habe Haug soziales und kulturelles Engagement bewiesen, etwa im Bündnis gegen Rechts, bei der Arbeiterwohlfahrt, im Beirat der Musik- und Kunstschule. Und für die Umwelt habe sich Haug ebenfalls eingesetzt. Gerne erinnere er sich an die gemeinsamen Fahrten in die Partnerstadt Courbevoie und den Partnerkreis Tomaszowski.

Seine politische Tatkraft und sein Organisationstalent habe Haug oft unter Beweis gestellt, etwa beim ersten Kinderferienprogramm und beim Einsatz für das Kinder- und Jugendzentrum. Osswald überreichte Haug am Ende den Christophstaler in Gold und ein Bild der Malerin Eleonore Kötter.

Man habe viel miteinander diskutiert, aber es sei nie zu persönlichen Verletzungen gekommen, sagte Wolfgang Tzschupke, der Vorsitzende der FWV-Fraktion, in seiner Laudatio. Er wolle Haug für sein Engagement danken. Zudem erinnerte er sich an die Nachsitzungen, bei denen man sich oft wieder versöhnt habe.

Auch Haug blickte auf sein Engagement zurück. 1984 habe sich eine kleine Gruppe von SPD-Politikern das Ziel gesetzt, in den Gemeinderat einzuziehen. 1989 sei es dann soweit gewesen, er sei auf dem letzten Platz seiner Fraktion im Rat gelandet. Eindruck habe es hinterlassen, als sich der Rat damals, mit Stimmen der CDU, dagegen ausgesprochen hatte, die Kleine Kinzig anzuzapfen, um das Atomkraftwerk in Neckarwestheim zu kühlen. Er blickte auch auf die Umgestaltung des unteren Marktplatzes zurück. Dabei sei er persönlichen Bedrohungen ausgesetzt gewesen.

Dank gilt auch dem ehemaligen Bürgermeister Gerhard Link

Er dankte auch dem ehemaligen Bürgermeister Gerhard Link, der als Zuschauer zur Sitzung gekommen war, und weiteren Mitarbeitern der Stadtverwaltung sowie seiner Frau, die manches Mal seine Frustration wegen der Arbeit im Gemeinderat ertragen musste.

Zum Schluss äußerte Haug drei Wünsche für die künftige Zusammenarbeit zwischen Gemeinderat und Verwaltung: Mehr Selbstbewusstsein seitens des Rats gegenüber der Verwaltung, mehr Wertschätzung der Verwaltung gegenüber den Räten und mehr Miteinander von Gemeinderat und Verwaltungsmitarbeitern.

Als Nachfolger für Haug verpflichtete Osswald den Schauspieler Uwe Nimmergut – angesichts der niedrigen Inzidenz per Handschlag.

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