Horb ist fast fertig – Jürgen Kraft (in der Mitte) hatte die Idee und die Legobausteine. Foto: Morlok

Zum Ende der Sommerferien durften sich 30 Kinder aus der Kernstadt und den Stadtteilen drei Tage lang, wie „Bob, der Baumeister“ fühlen. Sie bauten ein fiktives Horb 2.0 aus Lego-Bausteinen, die ihnen Jürgen Kraft für dieses Projekt zur Verfügung stellte.

Kraft ist hauptberuflich Schulsozialarbeiter in der Akademie Eigensinn in Altensteig und in seiner Freizeit begeisterter Lego-Konstrukteur und hat rund 250.000 dieser bunten Konstruktionselemente mit nach Horb gebracht.

 

Angeboten wurde dieses Projekt im Rahmen des städtischen Sommerferienprogramms von dem Verein VIA Lebensquelle, einer freikirchlichen Vereinigung, die Räume im ehemaligen Unteroffiziers-Kasino in der Geschwister Scholl Str. 9 auf dem früheren Kasernengelände angemietet hat.

Dort standen überall kistenweise, nach Farben sortiert, große Kartons mit den Basis-Steinen bereit und in Fächern vorsortiert. Darin fanden die jungen Baumeister alles, was sie noch so brauchten. Figuren, Fenster, Räder, Material für Bäume und Sträucher, Bänder, Bögen, ganz kleine, runde und mittlere Bausteine – eben alles, was nötig war, damit man die Ideen der jeweiligen Teams umsetzen konnte.

Eine Schule gibt es in der Fantasiestadt Horb natürlich auch. Foto: Morlok

Drei Tage intensives Arbeiten

„Die ursprüngliche Idee war, zusammen mit den Kindern eine Nacht im Gemeindehaus zu verbringen, verriet Jürgen Kraft in einem kurzen Hintergrundgespräch, doch daraus wurden drei Tage intensives Arbeiten an einem neuen, fantasievollen Horb 2.0, das man in Teamarbeit von idealerweise drei Kindern plus mindestens einem Betreuer an zehn Thementischen an drei Nachmittagen jeweils von 15 Uhr bis 18 Uhr realisierte.

Viele schicke Reihenhäuser mit liebvoll arrangierten Details findet man im Fantasieland Horb. Foto: Morlok

„Hier geht es um das Gemeinschaftserlebnis, das Miteinander und auch die Findung von Kompromissen“, betonte Pastor Martin Lütjohann, der zusammen mit einem Buben namens Max gerade an der Fertigstellung eines ganz in Gelb gehaltenen Landhauses arbeitete. „Kompromisse deshalb, weil sich die Kinder zuerst einmal klar und einig werden mussten, was sie im Einzelnen zu ihrem Horb 2.0 beitragen wollten.

Eine Stadt mit zehn Kirchen oder Schulen funktioniert ebenso wenig wie eine Stadt, die nur aus Reihenhäusern besteht. Der Mix machts und das war die erste Aufgabe, die es gemeinsam zu bewältigen galt“ ergänzte Lütjohann.

An zehn Thementischen entsteht Horb in seiner neuen Fassung. Foto: Morlok

Lego-Stadtbaumeister unterstützt

Als dann die Aufgaben verteilt waren, bekamen die Kinder vom Lego-Stadtbaumeister Kraft die passende Grundplatte für ihr Projekt in die Hand gedrückt und ein Bild, wie ihr Beitrag für das fiktive Horb aussehen könnte. „Diese Vorlage ist nur als Idee gedacht und muss nicht in dieser Form umgesetzt werden“, betonte Kraft. „Für uns ist es wichtig, dass die Kinder, die heute meist in ein Handy starren und vorgefertigte Infos konsumieren, wieder ihrer Fantasie freien Lauf lassen, auch mal um die Ecke denken und etwas kreativ zusammen mit anderen Kindern machen“, fasste der Sozialarbeiter die Grundidee dieser Aktion zusammen.

Eine Idee, die bei den beteiligten Kindern gut ankam. Am späten Samstagnachmittag, kurz vor Fertigstellung der Fantasiestadt, gab es noch viel zu tun. Michael arbeitete an den letzten Details der Tankstelle und einen Tisch weiter wurde der Rohbau der Schule hochgezogen. An allen zehn Thementischen wurde an den letzten Handgriffen, die notwendig waren, gearbeitet und die Kids waren auf der Jagd nach den passenden Bauteilen mit vollem Elan unterwegs.

Eine letzte Abschlussbesprechung Foto: Morlok

Um die 30 Gebäude

Vorne, in einem großen Raum, konnte man schon die Grundzüge von Horb 2.0 erahnen. Es gab einen Bahnhof, Schienen, einen Hafen mit einem großen, beleuchteten Leuchtturm, einen Fernsehturm, eine Wohnbausiedlung mit Straßen und Autos, einem Schnellimbiss, einem Campingplatz sowie einem Ponyhof. Dazu kam noch eine große Kirche und vieles mehr. Insgesamt waren es um die 30 Gebäude, die in diesen drei Tagen entstanden und die die Kinder und ihre 18 Betreuer, zu denen auch das Team in der Küche zählte, mit viel Engagement, handwerklichem Geschick und noch mehr Freude am eigenen Werk geschaffen hatten, dann am Sonntag den Eltern vorstellen durften.