Im voll besetzten großen Saal wurde am Freitagabend gut drei Stunden lang auch das 65-jährige Bestehen des Konzerthauses Trossingen mit einer grandiosen Show gefeiert
Gleichzeitig war es der 30. Geburtstag des Ensembles Rififi, so dass es sich der Trossinger Kulturbeauftragte Frank Golischewski – zufälligerweise hat er das gleiche Geburtsjahr wie das Konzerthaus – nicht nehmen ließ, eine Best-of-Show aus seinen bisherigen Werken zu kreieren.
„Ich bin nur der Pianist“ spielte und sang Golischweski auf ganz bescheidene Art und erinnerte an Prominente wie Hermann Prey oder Inge Meisel, die ihre Auftritte in Trossingen hatten.
„Man spürt den Geist, der dieses Haus gefüllt hat“ und spann den Bogen zu seinen ersten Gästen des Ensemble Rififis, das er vor 30 Jahren gegründet hat und seither den festen Kern für seine inzwischen mehr als 40 Werke bildet.
Begleitet wurde der Abend von der Band um Christian Seisel und Karl Koch. Golischewski schwärmte von den „tollen Sängerinnen und Sängern, die es an der Hochschule in Trossingen gab und noch gibt“. So Annika Neipp und Katharina Werwein, die aus dem Musical „Wunderbar“ im Duett „die Haut ab 40“ präsentierten.
Hohner Musical dabei
Einzigartig auch das Quartett mit Annika Neipp, Wenche Jentoft, die eigens aus Norwegen angereist war, sowie Katharina Werwein und Maria Gonzalez mit „Wenn du gehst“. Molière mit Musik von Golischewski hieß es bei der Ballade „Einsamkeit, dunkel Nacht und kaltes Eis“, gesungen von Norbert Braun.
Nicht fehlen durfte das vor genau 20 Jahren aufgeführte Hohner-Musical, das insgesamt 25 000 Besucher in das Konzerthaus gezogen hat. Ja und dann sollte eigentlich der damalige „Liquidator“ von Hohner auf die Bühne kommen, doch „der ist noch mit der Bahn unterwegs“, witzelte Golischewski und schlüpfte eben mal selbst in diese Rolle.
Ilja Richter steht plötzlich da
Doch mit dem letzten Akkord von „Größe, Macht und Geld“ stürmte kein anderer als Ilja Richter auf die Bühne und „klaute“ dem verdutzten Golischewski die Schlusspointe“, sang danach noch unter riesigem Applaus von der „Freiheit“. Das neunköpfige Rififi-Ensemble würdigte Ilja Richter mit einem ihm gewidmeten Song und verabschiedete das Publikum mit einer Hommage an die „schwäbische Butterbrezel“ in die Pause.
Zwischendurch plauderte Frank Golischewski immer wieder mit dem ein oder anderen Gast und schwelgte, so wie mit Georg Preuße, besser bekannt als Mary von den Travestiekünstlern „Mary und Gordy“ in alten Erinnerungen.
Aus Mainz angereist
„Nicht den Faden verlieren“, hieß es bei Zauberkünstler Christoph Demian, der wie weitere Gäste aus Mainz, der zweiten Heimat von Frank Golischewski, angereist war. Die 90-jährige Fastnachtsikone Norbert Roth erhielt sowohl beim Vortrag mit Alice Hoffmann, die Frau mit der Kittelschürze, als Gerda und Walter und mit der Elefantenjagd in Kanada einen riesigen Applaus.
Dass sich Ulrike Nerath mit Jugendsprache gut auskennt, zeigte sie mit „Unser Jetroom war die Gass“, während Margit Sponheimer immer auf der Suche nach einem Mann von Golischewski Hilfe bekam, dem Song „Ein Mann vom Bau“. Gemeinsam mit Hildegard Bachmann und Ulrike Nerath präsentierte Margit Sponheimer den „Mambo aus Mainz“, als „Rheingoldröhren“ im schmissigen Lederoutfit begeisterten sie mit dem „Rheingausong“.
Erinnerung an Musical
Szenen aus dem Gutenbergmusical, das zunächst in Mainz und dann in Trossingen vor sechs Jahren für Furore gesorgt hat, waren das Kontrastprogramm mit Helmut Schlösser als Papst und Frank Golischeski als Kardinal, allerdings „ganz in Zivil“.
Höhepunkt der Best-Of-Show war der Auftritt von Frank Golischewski, Andreas Straub, Norbert Arpitam Braun und Ralf Sorg als die vier „Alten Tanten“ mit ihren Rollis sehr kühn über die Bühne düsten. Vierfache Demenz ließ grüßen, doch am Ende wussten die alten Tanten „Er gehört zu mir“.
Dank an Golischewski
Auf der „Schlussschleife angekommen“ wie Anika Neipp meinte, widmete sie dem Stargast Ilja Richter noch ihren „Kleinstadtblues – was macht man schon abends in Trossingen“ und mit dem großen Finale aus dem Hohner-Musical verabschiedete sich das Ensemble Rififi unter stehenden Ovationen vom Publikum.
Norbert Braun betonte, der Applaus gelte einer Person gilt, Frank Golischewski, „mit dem wir über all die Jahre lustig, besinnlich und bunt unterwegs sein durften“. Golischewski bestätigte: „Es hat riesen Spaß gemacht seit 1980 und der Dreigroschenoper.“ Und weiter: „Ich hoffe Trossingen bleibt diesem wunderschönen Haus treu – wir geben uns weiterhin alle Mühe mit der Kultur.“