Ausgelassen und fröhlich liegen sich zwei „Hartemer Michele“ bei einem Fasnetsumzug in den Armen – ganz getreu der historischen Vorlage, auf der die Narrenfigur basiert. Auch dieses Jahr gibt es für sie Grund zur Freude: Die Michelezunft Hartheim feiert 30-jähriges Bestehen. Foto: Werner Lissy

30 Jahre jung wird die Michelezunft Hartheim und feiert das mit einem Festprogramm Ende Februar. Die Narretei hat im Ort aber schon viel länger Tradition – und die Geschichte vom „Ursprungs-Michele“ reicht sogar bis ins 17. Jahrhundert zurück.

„Hartemer – Michele!“ schallt es auch in dieser Fasnetssaison wieder durch die Straßen und Gassen – und am letzten Februarwochenende umso lauter. Denn dann feiert die Michelezunft Hartheim, die dieser Narrenruf ankündigt, ihr 30-jähriges Bestehen.

 

Dabei hat die närrische Tradition in Hartheim schon lange davor Bestand, wie Zunftmeister Michael Falkenburger berichtet: Bereits Ende der 1940er-Jahre zogen private Narren in selbstgenähten Häsern als „Maschker“ von Haus zu Haus, um unerkannt ihren Spaß und Schabernack mit den Leuten zu treiben.

Am Anfang gab es die „Maschker“ – aber nicht lange

Zur Gründung einer offiziellen Narrengruppe war es aber nie gekommen und der Brauch der „Maschker“ ging schlussendlich komplett verloren. Traditionelle Hauptveranstaltungen der Hartheimer Fasnet – wie das Narrenbaumstellen, die Kinderfasnet und der Bürgerball – haben stattdessen die örtlichen Vereine jahrzehntelang im Wechsel veranstaltet.

Der Gedanke, eine Zunft zu gründen, wurde 1994 wieder aufgegriffen und als Hauptfigur die des „Hartemer Michele“ gewählt. Auf dessen Geschichte war man in den historischen Archiven gestoßen, und sie reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück.

Um 1620 lebte ein Großteil der örtlichen Bevölkerung von der Forst- und Landwirtschaft. In den kargen und sehr langen Wintermonaten beschäftigten sich die Bauern mit der Herstellung von Mausefallen. Diese brachten sie zu einem „lebensfrohen, lustigen und immer zu Scherzen aufgelegten Hartheimer Bürger namens Michael“, der auch liebevoll „Mausmichel“ genannt wurde.

Froh und lustig war der Michael – und die Zunft ist es immer noch

Jedes Jahr im Frühling begab sich dieser auf Wanderschaft, um die handgefertigten Mausefallen zu verkaufen – und auch, um mit den Menschen singend und pfeifend seinen Schabernack zu treiben.

„Er verkaufte seine geschätzten Mausefallen, um zu schützen in Kammer und Haus, Käse und Speck vor der gemeinen Maus.“ Diese frohe und lustige Lebensart jenes Michaels war es auch, die so manchen Hartheimer im Jahr 1994 ansteckte.

Ein Jahr später, am 11. Oktober 1995, wurde die Michelezunft Hartheim im damaligen Gasthaus Sonne gegründet – mit 36 Gründungsmitgliedern und dem „Hartemer Michele“ als Hauptfigur.

Die Gardegruppe der Michelezunft besteht seit 2012 (Archivfoto). Foto: Lissy

Zum Häs gehören unter anderem ein gelbes Hemd, eine rote Weste, eine braune Hose – und eine symbolische, handgefertigte Mausefalle auf der linken Seite. Seit 1996 ist die Michelezunft Mitglied der Narrenfreunde Heuberg und hat 2017 das 25. Ringtreffen der Narrenfreunde ausgerichtet.

Auch außerhalb der Fasnet sind die Mitglieder sehr aktiv

Inzwischen ist die Michelezunft laut Falkenburger auf 188 aktive und 71 passive Mitglieder angewachsen. Diese bringen sich auch über die Fasnetszeit hinaus in die Gemeinschaft ein: Zum Beispiel bei der Bewirtung des ersten Krippenweges, bei der Seniorenfeier, beim Elfmeterschießen und bei der Sammlung für die Kriegsgräber-Fürsorge.

Zudem bieten sie ein Gardetraining an – die Gardegruppe wurde im Februar 2012 gegründet – und richten jährlich den Ortsumzug aus.

Und was hält die Michelezunft für ihr 30. Jubiläum Ende Februar parat? Geplant ist derzeit ein Festakt für geladene Gäste am 21. Februar in der Festhalle Hartheim sowie am 23. Februar ein Festgottesdienst mit Zunftmeisterempfang und Ringumzug.