Der Bau- und Umweltausschuss des Altensteiger Gemeinderats empfiehlt, den Walddorfer Kindergarten abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Foto: Köncke

Die Kindertagesstätte in Walddorf soll abgerissen und neu gebaut werden – das empfiehlt der Bau- und Umweltausschuss des Altensteiger Gemeinderats. Die Kosten werden auf rund 3,9 Millionen Euro geschätzt.

Altensteig - Die Geburtenzahl im größten Altensteiger Stadtteil ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Folglich besteht ein Mehrbedarf bei der Betreuung, sowohl bei den Über-Dreijährigen als auch in der Kleinkindgruppe, die bereits vollständig belegt ist. Nach Berechnungen von Hauptamtsleiter Thomas Bräuning muss der Kindergarten in Walddorf um zwei Gruppen erweitert werden. Zurzeit stehen 82 Plätze zur Verfügung.

Soll man die Vorschuleinrichtung sanieren und um einen Anbau erweitern oder lieber gleich einen Neubau hinstellen? Nach lebhaft geführter Debatte hat sich der Ausschuss mehrheitlich für die Generallösung ausgesprochen und eine entsprechende Empfehlung an den Gemeinderat abgegeben.

Neubau soll 3,9 Millionen Euro kosten

Anfänglich habe man bei der Stadt an eine Sanierung im Bestand und an einen Anbau gedacht, erklärte Hochbauamtsleiter Andreas Bayer. Bei der Untersuchung sei klar geworden, dass aus inhaltlichen und baulichen Defiziten und aus wirtschaftlichen Überlegungen ein Neubau infrage kommen könnte. Das Architekturbüro Hauser und Partner aus Altensteig wurde beauftragt, eine Machbarkeitsstudie zu fertigen. Die Ergebnisse und Gegenüberstellung mehrerer Varianten erläuterte Bautechnikerin Sabrina Brösamle.

Vorher hatte sich bereits die Pfarreistiftung in Walddorf für einen Kindergartenneubau ausgesprochen, ebenso der Ortschaftsrat. Man habe sich die Entscheidung mit Blick auf die Kosten, darauf, dass beim Standort des Neubaus eventuell ein Teil der Außenspielfläche wegfällt und geklärt werden müsste, wo die Kinder während der Bauphase betreut werden, nicht leicht gemacht,sagte Ortsvorsteherin Sandra Grüner.

Gemeinderat Hartmut Hobler zeigte sich in der Aussprache "überrascht", dass der Neubau 3,9 Millionen Euro kosten soll: "Ich denke, die Stadt hat kein Geld." Außerdem sei davon auszugehen, dass nach der Corona-Pandemie keine Bundes- und Landeszuschüsse mehr gewährt werden. Im Übrigen sei die letzte Renovierung der Kita erst 1991 erfolgt. Vor einem Neubau sollte man ernsthaft eine Sanierung ins Auge fassen. Um sich ein genaues Bild zu machen, schlug der SPD-Stadtrat eine Begehung der Gebäude vor.

Sanierung mit Anbau noch teurer

Dass man beim Neubau pädagogische Konzepte ohne bauliche Einschränkungen verwirklichen könne, bewertet Tobias Schmid (CDU) als positiv. Allerdings würde ihn die Sorge umtreiben, dass der Dampfer bei einer europaweiten Ausschreibung kostenmäßig ins Schlingern gerät. Relativ junge Gebäude aufzugeben, sollte man sich deshalb gründlich überlegen.

FW-Stadtrat Dieter Renz: "Mehr Kinder und dann sagen, wir haben kein Geld, das macht keinen Sinn." Die Betreuung in drei verschiedenen Baukörpern führe automatisch zu Engpässen. "Und wenn man dann noch einen Anbau dranklebt", verschärfe sich die Situation. Für Renz ist ein Neubau die richtige Entscheidung, nicht nur strukturell, sondern auch kostenmäßig.

Laut Architekturbüro schlägt die Sanierung im Bestand mit 2,77 Millionen Euro und ein Anbau mit 1,27 Millionen Euro zu Buche – und ein Neubau "nur" mit 3,9 Millionen. Die Erfahrung zeige, dass bei einer Altbausanierung nie die gleiche Effizienz und Qualität erzielt werden könne wie bei einem neuen, modernen Kindergarten, betonte Bürgermeister Gerhard Feeß. Ein Neubau sei außerdem noch günstiger.

Ausschreibung musswegen Kosteneuropaweit erfolgen

Wegen der Baukosten müsse das Vorhaben europaweit ausgeschrieben werden, stellte Hochbau-Bereichsleiter Bayer fest. Würde man einen Wettbewerb durchführen, kämen Aufwendungen von 140.000 bis 170.000 Euro dazu, man hätte dann allerdings die Chance, eine Auswahl unter 15 bis 20 Entwürfen treffen zu können, und den Vorteil, dass die Leistungen der Planer von einer Hand aus gesteuert werden. "Alles Argumente, die dafür sprechen", legte sich Feeß fest und empfahl eine positive Empfehlung an den Gemeinderat.

Aber nicht ohne vorherige Besichtigung der bestehenden Gebäude, insistierten Hobler und Schmid. Was Dieter Renz für unnötig hielt. Darauf stellte der Bürgermeister den "salomonischen" Antrag, dass der Bau- und Umweltausschuss einen Kindergartenneubau in Walddorf und einen europaweiten Wettbewerb vorbehaltlich einer vorherigen Begehung durch einige Gemeinderäte, Ortschaftsräte und Amtsleiter der Stadtverwaltung empfiehlt. Der Vorschlag wurde mit acht Ja-Stimmen und drei Enthaltungen angenommen.

Nach Abschluss des Wettbewerbverfahrens und der Ausschreibung der Gewerke ist vorgesehen, die Bauarbeiten in den Jahren 2023 und 2024 durchzuführen.

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