Badebetriebe sind noch nicht von der 2G-plus-Regel betroffen. Dennoch sinken die Besucherzahlen. (Symbolbild) Foto: dpa

Die meisten Lebensbereiche sind seit Kurzem von der 2G-plus-Regel betroffen. Auch geimpfte müssen sich testen lassen. Badebetriebe gehören zu den wenigsten Frezeiteinrichtungen, die davon noch nicht betroffen sind. Mehr Besucher bringt ihnen das trotzdem nicht - im Gegenteil.

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Oberndorf - Die Besucherzahl hat nachgelassen, und das bereits, als die 2G-Regel kam, bestätigt Jasmin Hörter, Marketing-Beauftragte des Badkap in Albstadt. Damit durften Ungeimpfte nämlich nicht mehr kommen. "Das merkt man schon an den Besucherzahlen", sagt sie. Ausnahmen gebe es da keine. "Wer den Impfnachweis nicht dabei hat, kommt leider nicht rein. Die Besucher sind auch informiert. Sie kennen die Regeln aus den Medien und wir haben auch ein großes Informationsplakat vor der Tür hängen." Da gebe es keine Probleme.

Es gebe natürlich immer ein paar Leute, die weniger einsichtig seien, aber der allergrößte Teil der Gäste wisse, dass sich die Bäderleitung nur an das Gesetz halte. "Da gibt es nichts zu diskutieren. Auch was die Datenerfassung angeht, klappt bisher alles reibungslos. Die Besucher, die geimpft sind und zu uns kommen, haben zum größten Teil die Luca App." Es gebe aber auch einige ältere Gäste, die ihre Daten lieber von Hand ausfüllen. "Das ist uns genauso recht." Hauptsache, es funktioniere.

Verwaltung kämpft sich täglich durch Verordnungen

Steven Ulrich, Abteilungsleiter für Bäder bei der Energieversorgung Rottweil (ENRW), freut sich, dass das Aquasol in Rottweil überhaupt noch geöffnet sein darf. Wenn auch mit eingeschänktem Betrieb: "Die Dampfbäder zum Beispiel sind seit Beginn der Pandemie geschlossen. Noch dazu treffen bei uns im Aquasol viele verschiedene Verordnungen aufeinander. Wir haben nicht nur eine Bade- und Saunalandschaft, sondern auch Gastronomie, Vereine, Schulen, eine Therapieabteilung und medizinische Angebote wie Physiotherapie." Dementsprechend kämpfe sich die Verwaltung täglich durch etliche Verordnungen und Gesetzestexte. 

Das größte Problem seien die knappen Zeitfenster. Die neue Landesverordnung zum Beispiel wurde erst zu später Stunde am Dienstag veröffentlicht und am Mittwoch sollte sie aber schon umgesetzt sein. "Hier im Bad stehen aber 100 Mitarbeiter dahinter, die erst einmal eingewiesen werden müssen." Da habe die Bäderleitung in der kurzen Zeit alle Hände voll zu tun. Auch die Homepage müsse schnell aktualisiert werden, damit die Gäste immer auf dem neuesten Stand seien.

Schülertests reichen nicht mehr für die Sauna

Auch die zweite Alarmstufe bringe ein paar Veränderungen mit sich. Die Schülertests, die im Unterricht täglich gemacht werden, reichen jetzt zum Beispiel nicht mehr für den Sauna-Bereich. Die Besucher, so Ulrich, seien insgesamt verantwortungsbewusst. Sie kennen die Regeln und halten sich ohne Proteste daran. "Und es kommen immer noch viele treue Gäste, die uns unterstützen."

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Dennoch merke man, dass der Andrang bei derart hohen Inzidenzwerten verhaltener werde. Ohne Frage sei die Zahl der Besucher zurückgegangen. "Das liegt auch an diesem wirren Konstrukt. Die Leute wissen nicht mehr, was für sie gilt. Wir müssen uns da ja selber jeden Tag durchkämpfen." Das bedeute, dass die Umsatzerlöse schrumpfen, während die Betriebskosten weiter hoch bleiben. "Aber die Gäste sind froh darüber, dass das Angebot bestehen bleibt. Wenn irgendwann ein weiterer kompletter Lockdown beschlossen wird, setzen wir den natürlich um. Aber wir hoffen, dass wir darum herum kommen."  

Die Menschen sind vorsichtiger geworden

Im Panoramabad Freudenstadt ist die Gästezahl ebenfalls geschrumpft, so Christian Schebetka, Marketingleiter des Freudenstädter Bäderbetriebs. Das sei aber nur zum Teil auf die Pandemieentwicklung zurückzuführen. "Der November ist generell ein schwacher Monat, was die Besucherzahlen angeht. Die Zahlen sind bei uns zwischen November und Weihnachten grundsätzlich geringer, bis es dann um Weihnachten und die Ferienzeit wieder mehr wird." Dieses Phänomen sei dieses Jahr nur noch etwas stärker zu spüren.

"Es gibt viele Leute, die einfach vorsichtig geworden sind." Aber von denen, die noch kommen, zeigen etwa 99 Prozent Verständnis für die Regeln, schätzt er. "Die haben auch alles dabei und tun sich leicht. Dass man den Impfpass vorzeigen muss, ist ja auch nichts Neues mehr. Alle sind informiert."

Was sich mit der neuen Alarmstufe verändert habe sei, dass am Einlass nun nicht mehr nur der Impfnachweis, sondern auch der Ausweis kontrolliert werden muss. Davor war das optional. Das bedeute für die Einlasskontrolle noch einen Arbeitsschritt mehr, aber man sei gut organisiert. Schon bevor sie an die Kasse gehen, geben die Besucher ihre Daten an, sodass alles etwas schneller geht.

Frage nach Ausweis stößt manchmal auf Unverständnis

Wenn jemand wegen dem vergessenen Ausweis abgewiesen werden müsse, sei die Enttäuschung natürlich groß. Die Frage nach dem Ausweis stoße bei manchen Personen auch auf Unverständnis. "Aber da müssen wir durch", meint Schebetka. "Die neuen Regeln werden sich ja jetzt überall durchsetzen. Und es ist nicht das erste Mal, dass wir uns an Neues gewöhnen müssen."

Er hoffe nur darauf, dass das Bad bis zum Frühjahr ohne Zwangsschließung durchkomme. "Danach gehen die Infektionszahlen vermutlich auch wieder runter." Das wisse man ja aus Erfahrung.

Besuch nur mit Online-Buchung

Die Gesundheit von Gästen und Mitarbeitern sei das höchste Gut, betont Christina Freund, Marketingleiterin des Badeparadieses Schwarzwald. Die Sicherheit stehe also an erster Stelle. "Aufgrund dessen haben wir bereits zu Beginn der Pandemie die zulässige Gesamtbesucherzahl deutlich verringert und sind diesem Konzept bisher treu geblieben." Mit der neuen Alarmstufe ändere sich also erst einmal nichts. Auch nicht an der tatsächlichen Gästezahl.

Der Besuch des Badeparadies Schwarzwald ist aktuell ausschließlich mit vorab gebuchtem Online-Ticket möglich. "Während des Buchungsprozesses werden die Besucher tagesaktuell über geltende Bedingungen informiert", teilt Freund mit. Aufgrund des Hygienekonzeptes sei man davon überzeugt, den Gästen eine sichere Wohlfühlatmosphäre zu ermöglichen. "Natürlich werden wir aber jede gesamtgesellschaftliche Entscheidung in dieser herausfordernden Zeit mittragen und unseren Beitrag hierzu leisten."