Zur Eröffnung des neuen Klimafonds machten sich Ministerin Thekla Walker und weitere Gäste ein Bild vor Ort in Villingen-Schwenningen. Drei Hektar Moor sollen wiedervernässt werden.
Was ist das, wenn eine Ministerin und eine Staatssekretärin nach gehaltenen Reden flugs in festes Schuhwerk schlüpfen und sich warme Winterkleidung überziehen? Beantworten können das alle, die bei einem Termin am nasskalten Freitagvormittag in Schwenningen dabei waren.
Hier nämlich machten sich Thekla Walker, Landes-Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, und Staatssekretärin Sabine Kurtz aus dem Landes-Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, und zahlreiche weitere Akteure bereit für den Weg ins – jedenfalls wettertechnisch schonmal – feuchte Kugelmoos.
Zuvor hatten sie im Umweltzentrum Schwarzwald- Baar-Neckar auf der Möglingshöhe erklärt, worum es geht: Die Wiedervernässung des Kugelmooses dient als Pilotprojekt für den neuen Klimafonds, der an diesem Vormittag offiziell eröffnet wurde.
Ein Finanzierungsinstrument
Das will der Fonds Die Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg – eine Landeseinrichtung – hat diesen Fonds als Finanzierungsinstrument für naturbasierten Klimaschutz ersonnen. Er richtet sich an Unternehmen, die durch freiwillige Beiträge regionale Projekte unterstützen möchten. Für ihre Spenden erhalten sie die sogenannte Naturprämie. Diese, so erläuterte Julia Klovar, Leiterin der Klimaschutzstiftung, dokumentiere „echtes Engagement für Biodiversität und Klimaanpassung“. Eine Naturprämie entspricht einem Quadratmeter renaturierter Fläche. Vertreter zweier Unternehmen, die hier bereits hohe Summen gespendet haben – TÜV Rheinland und die Firma Bergfreunde GmbH – waren ebenfalls in Schwenningen vor Ort und konnten sich anschauen, was mit ihrem Geld passieren soll.
Aber „kein Raum für Greenwashing“
Explizit soll allerdings „kein Raum für Greenwashing“ geboten werden. Vielmehr gehe es um eine echte Unterstützung für tatsächlich wirksame und geprüfte Projekte. Diesen soll mit den Spenden langfristig die Finanzierbarkeit gesichert werden. Der Fokus des Fonds, für den die Stiftung eine erste Finanzierung von zwei Millionen Euro zugrunde gelegt hat, liegt auf Moor-Renaturierung, klimaangepasstem Waldumbau, Streuobstwiesen und sogenanntem Agroforst, einer als nachhaltig geltenden Landnutzungsform, die Bäume oder Sträucher mit Ackerkulturen oder Tierhaltung auf derselben Fläche kombiniert.
„Bodenschätze“ zu bewahren
Das sagen die Politikerinnen „Mit dem Klimafonds bringen wir in Baden-Württemberg unsere Wirtschaft und Organisationen mit lokalen Naturschutzprojekten zusammen und zeigen, dass Klimaschutz gemeinsam gelingen kann,“ sagte Umweltministerin Walker.
Es gelte, vermehrtes Augenmerk auch auf Bereiche zu legen, die CO₂ speichern – so wie eben Moore. „Wir haben alles dafür zu tun, dass diese ’Bodenschätze’ gewahrt bleiben.“ Villingen-Schwenningen sei „ein Ort wie wenige in Baden-Württemberg“, an dem man sich seit Langem für Umweltschutz einsetze, seitens des Ehrenamtes, aber auch zum Beispiel seitens der Kommune und der Wirtschaft. Insofern sah sie es als folgerichtig an, dass der Klimafonds gerade hier mit dem Wiedervernässungsprojekt auf den Weg gebracht werde. Klimaschutz bedeute: „Vor Ort anpacken.“
Staatssekretärin Kurtz, die in Vertretung des ursprünglich angekündigten Ministers Peter Hauk nach VS gekommen war, unterstrich das: „Wir können uns in Stuttgart viel ausdenken“ – es brauche aber „Menschen, die’s machen“, sagte sie in Richtung der städtischen Forstmannschaft.
Moore als „echte Naturschützer“
Das sagt die Stadt VS Für die Stadt Villingen-Schwenningen betonte Tobias Kühn, Leiter des städtischen Forstamtes, dass man sich freue, dass die Eröffnung des Fonds hier vor Ort stattfinde. Das Projekt im Kugelmoos nutze auch der Klimastrategie der Stadt. Moore seien „echte Naturschützer“ und auch im städtischen Klimamanagement ein wichtiger Baustein.
Auch Oberbürgermeister Jürgen Roth kam zum Ortstermin, bei dem auch einige Vertreter der Verwaltung und des Gemeinderats dabei waren, von einem anderen Termin noch nachgeeilt – und stapfte gemeinsam mit den Gästen aus Stuttgart über das Stück Land, das also nun demnächst im Sinne des Klimaschutzes „umgebaut“ werden soll.
Das Kugelmoos-Projekt
Die Fläche
Beim Kugelmoos handelt es sich um eine Naturfläche im Süden Schwenningens, angrenzend ans Gewerbegebiets Dickenhardt, nördlich zwischen Zollhaus und Schwenninger Moos gelegen. Das Niedermoor war früher entwässert worden und soll jetzt wiedervernässt werden. Dafür werden circa drei Hektar umgestaltet. Ein bereits existierender Graben grenzt die Fläche ab. Auf ihr befindet sich ein Brachwald mit Lorbeerweiden. Angrenzend liegt das Salinenmoos. Die Wiedervernässung
Durch den Bau mehrerer Sperren soll das Wasser zurückgehalten und der vorhandene Bachlauf renaturiert werden. Dadurch soll es möglich werden, über den vereinbarten Zeitraum von 80 Jahren, in denen die Fläche nicht anderweitig genutzt werden darf, 2800 Tonnen CO2 zu binden und die Lebensbedingungen für Tier- und Pflanzenarten zu verbessern. Die Umsetzung des Projekts, das die Klimaschutzstiftung unter anderem mit Mitteln des Klimafonds finanziert, erfolgt nach wissenschaftlichen Leitlinien der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Diese betreut das Vorhaben gemeinsam mit dem städtischen Forstamt VS. Und auch ein Biber hilft mit: Er staut an einer passenden Stelle bereits jetzt Wasser auf – ganz im Sinne des Projekts. Der Zeitplan
In den ersten 25 Jahren werden die Wirkungen auf Klima und Biodiversität alle fünf Jahre erhoben. Konkret sollen die Maßnahmen zur Wiedervernässung im Spätsommer dieses Jahres beginnen. Im Vorfeld seien jetzt noch einige Arbeiten zu machen, wurde berichtet.