Die Impfzentren im Kreis haben bis Ende Mai fast 275 000 Komplett-Impfungen vorgenommen. Die Arztpraxen versorgten zudem rund 52 830 Menschen mit einer Erstimpfung, 16 480 auch mit dem zweiten Piks (Stand Montag). Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Wegen geringer Menge können derzeit kaum Termine für Erstimpfungen eingestellt werden.

Ortenau - Gute Nachrichten für Impfwillige: Am Montag ist die Priorisierung gefallen, nun könnte sich jeder immunisieren lassen. Nur hat die Sache einen Haken – es gibt nicht genug Impfstoff. Das macht sich aktuell auch in der Ortenau bemerkbar.

"Es können aufgrund der Impfstoffmenge derzeit kaum Erstimpfungen eingestellt werden", heißt es zur aktuellen Situation aus dem Landratsamt. Die Impfzentren seien aufgrund der Knappheit gar zurückgefahren worden. Derzeit finden demnach vor allem die gebuchten Zweitimpfungen statt.

Auch mit neuen Terminen sieht es eher schlecht aus: Zwar gibt es immer wieder offene Erstimpfungstermine, allerdings nur sehr wenige. "Die Verfügbarkeit ergibt sich immer kurzfristig aufgrund der wöchentlichen Lieferavise, die die Impfzentren vom Sozialministerium erhalten", so die Erklärung aus Offenburg. Sobald Impfstoff zur Verfügung steht, würden immer wieder Erst-Termine eingestellt.

Die jetzt neu zugelassenen Ortenauer mit Impf-Wunsch brauchen also Glück – oder Geduld: "Die landesweit angekündigten Impfstofflieferungen für Juni 2021 bleiben in etwa auf dem jetzigen Niveau", erklärt der Kreis. Sobald die Zweitimpfungen durch seien, dürfte sich die Situation jedoch wieder entspannen – eine zeitliche Prognose wegen der wöchentlichen Zuweisung sei jedoch schwierig.

Und wie sieht es bei den Hausärzten im Kreis aus? "Die Situation ist sicher gemischt, die Praxen haben unterschiedliche Kapazitäten zum Impfen", erklärt Doris Reinhardt, Pandemiebeauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), gegenüber unserer Zeitung. Wer bereits den ersten Piks hinter sich hat, kann beruhigt sein: "Die Impfstoffmengen für Zweitimpfungen sind fest zugesagt", betont die niedergelassene Medizinerin. Sie selbst führt eine Hausarztpraxis in Friesenheim.

Bisher wird in 240 Ortenauer Arztpraxen geimpft. Das zeigt der Blick in die Impf-Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg. "Die Betriebsärzte und Privatärzte impfen seit dieser Woche auch", ergänzt Reinhardt. Auch in den Ortenauer Praxen musste bis Montag die Impfreihenfolge beachtet werden. Laut Statistik versorgten die niedergelassenen Ärzte trotz Einschränkung bisher rund 52 830 Menschen mit ihrer Erstimpfung, etwa 16 480 erhielten bereits den zweiten Piks. Alleine von Donnerstag auf Freitag kamen kreisweit 476 Impfungen dazu.

Das kommt relativ nahe an die Soll-Leistung eines Kreisimpfzentrums – rund 750 Impfungen pro Tag – heran. Deren tatsächliche Auslastung sei derzeit durch die Zweitimpfungen "verhältnismäßig hoch", so das Landratsamt. In den Ortenauer Impfzentren wurden bis Ende Mai insgesamt fast 275 .000 Vollimpfungen – also Erst- und Zweitimpfung – verabreicht. Das geht aus dem wöchentlichen Lagebericht des Landratsamts vom Mittwoch hervor.

Für die kommende Woche könnten Hausärzte pro Mediziner und Woche 24 Dosen für Erstimpfungen bestellen, stellt Reinhardt in Aussicht. Das entspricht bei 240 Praxen mindestens 5760 Impfdosen "Da neben der laufenden Sprechstunde auch die Zweitimpfungen geplant sein müssen und die Impfabstände Astrazeneca und Biontech unterschiedlich sind, ist das eine große logistische Herausforderung für die Praxen mit einer deutlichen Mehrbelastung der Praxismitarbeiter", erläutert die Medizinerin Reinhardt. Zudem müsse der Johnson-und-Johnson-Impfstoff zwar nur einmal geimpft werden, aber die fünf Impfdosen aus einem Fläschchen müssten innerhalb einer Stunde verbraucht werden – das verkompliziert die Arbeit der Praxen zusätzlich.

Reinhardt bittet die Ortenauer daher, einmal vereinbarte Impftermine auch einzuhalten. "Und auch ganz wichtig: Erst- und Zweit-Impfungen finden beim gleichen Hausarzt, Facharzt oder Impfzentrum statt. Impfabstände sind bindend und es ist nicht leistbar Zweittermine nach Wunsch zu verschieben", betont die Pandemiebeauftragte.

Aufgrund der geringen Verfügbarkeit an Biontech-Impfstoff kommt bei einigen geplanten "Pop-Up-Impfaktionen" der Impfstoff von Moderna zum Einsatz. Zudem werden in mehreren Gemeinden die Zweitimpfungen innerhalb des empfohlenen Zeitkorridors nach hinten verschoben, kündigte das Landratsamt bereits vergangene Woche an. Die kommunalen "Pop-up-Impfungen" sind eine Initiative des Landes, welche wenig mobilen, impfberechtigten Bürgern die Möglichkeit einer Vor-Ort-Impfung geben sollen. In der Ortenau kommt diese Säule der Impfkampagne jetzt zum Tragen, nachdem durch die Mobilen-Impf-Teams (MIT) alle stationären Einrichtungen der Priorität 1, erfolgt sind.

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