Eines der rund zwei Kilometer langen Tragseile der Schauinslandbahn wurde ausgetauscht. Foto: Stefanie Salzer-Deckert

Die Herbstrevision der Schauinslandbahn wurde in diesem Jahr genutzt, um eines der vier Tragseile auszutauschen.

Die Herbstrevision der Schauinslandbahn in Freiburg dauert in diesem Jahr etwas länger als sonst. Der Grund ist nicht etwa, dass irgendwelche Bauteile marode wären. „Im Gegenteil“, betont der technische Betriebsleiter der längsten Umlaufseilbahn der Welt, Manfred Bader. Die hochmoderne Technik und die 1930 erstellten stählernen Bauwerke der Bahn sind in einem Top-Zustand. Regelmäßig muss jedoch eines der vier Tragseile ausgewechselt werden. Auf diesen Seilen fahren die Gondeln der Bahn wie auf Schienen zwischen dem Gipfel des Freiburger Hausbergs und der Talstation im Ort Horben bei Freiburg. Gezogen werden sie dabei von zwei jeweils 7600 Meter langen und 17 Tonnen schweren Zugseilen.

 

Aktuell ist Seil Nummer vier dran, auf dem die Bahn normalerweise bergwärts zwischen der Mittelstation der Strecke und dem Gipfel unterwegs ist.

Die Tragseile halten in der Regel mehr als 50 Jahre

Eigentlich sei das 50 Jahre alte Seil auf dem Streckenabschnitt noch gut, die Lebensdauer liege bei bis zu 60 Jahren, betont Bader. Man wolle aber beim Thema Sicherheit immer die Nase vorn haben. Also wurde das bestehende Seil am Mittwoch abgewickelt, in Teilen aufgerollt und zur Seite gelegt, bevor es unter dem Druck der Gondeln und den Einwirkungen von Wind und Wetter zu viele Haarrisse bekommen hat.

Das Tragseil läuft für den Einbau von der Haspel. Foto: Stefanie Salzer-Deckert

Die Bahn werde mehr als 230-mal im Jahr und unter laufendem Betrieb kontrolliert, wobei auch das Innenleben der Tragseile mittels Magnetinduktion überprüft wird. „Wenn eine gewisse Zahl von Drahtbrüchen im Seil gemessen wird, muss es abgelegt werden“, so Bader. So weit lasse man es aber mit den Seilen der Schauinslandbahn nicht kommen. Zuletzt ausgebaute alte Seile der Schauinslandbahn konnte man deshalb noch an Betreiber von Güterseilbahnen mit geringeren Sicherheitsanforderungen verkaufen. „Dieses alte Seil müssen wir verschrotten, weil sich kein Abnehmer finden ließ“, so der Betriebsleiter bedauernd.

Neues Seil kommt aus der Schweiz

Das neue Seil mit einer Tragkraft von rund 250 Tonnen kommt von einer Schweizer Firma, die auch vier ihrer Techniker für den Seilwechsel nach Freiburg geschickt hat. „Unsere Mitarbeiter, die hier im Einsatz sind, wurden ebenfalls speziell für diese Arbeit geschult“, sagt Bader. Vier Techniker der Freiburger Verkehrsbetriebe VAG, zu denen die Seilbahn gehört, arbeiten zusammen mit den Schweizern am Tausch des Seils. Zehn weitere VAG-Mitarbeiter nehmen andere Kontroll- und Wartungsarbeiten an der Bahn vor.

Der Seilwechel hat einen halben tag gedauert. Foto: Stefanie Salzer-Deckert

Alles an so einem Seilwechsel, der rund ein Jahr Vorbereitungszeit benötigt, wirkt riesig: Das rund 230 000 Euro teure Stahlseil ist 1955 Meter lang, knapp fünf Zentimeter dick und wiegt rund 27 Tonnen.

Nächster Seilwechsel im Jahr 2056

Für den Einbau läuft das Tragseil von der Haspel über eine Umlenkrolle auf eine zehnfach gewickelte, im Notfall automatisch stehenbleibende Kontrollwinde nach oben, wo es von der Ziehwinde an der Bergstation nach oben geholt wird, wie Betriebsleiter Bader erklärt. Ein VAG-Techniker betätigt die ferngesteuerte Winde im Austausch via Funk mit seinen Kollegen am Gipfel. Ein weiterer Mitarbeiter passt auf, dass das Seil nicht den Boden berührt oder beim Abrollen beschädigt wird.

„In einem halben Tag ist das erledigt“, so Bader, der seit 37 Jahren bei der Schauinslandbahn arbeitet und auch die jüngsten Seilwechsel 2006, 2012 und 2013 mitbetreut hat. Am Freitag, 5. Dezember, soll die Bahn, die jährlich rund 350 000 Menschen befördert, den Betrieb wieder aufnehmen. Der nächste Tragseiltausch ist für das Jahr 2056 vorgesehen.