Hektik im Weinberg, Wassermengen im September und 25 Prozent weniger Ertrag als erwartet. Die Friesenheimer Winzergenossenschaft hat zurückgeblickt.
„Vom Frost sind wir verschont geblieben. Trotzdem gibt es von der Menge her kein großer Jahrgang 2025“, sagte Friesenheims WG-Chef Richard Kopf zur Hauptversammlung. Die große Schwierigkeit im September: es regnete ohne Unterlass – 154 Liter auf den Quadratmeter, nahezu so viel wie in der ersten Jahreshälfte zusammen. Kopf beschrieb ein trockenes Jahr mit insgesamt 701 Liter pro Quadratmeter. Wobei der Regen genau in der zweiten Jahreshälfte einsetzte, als er eigentlich in dieser Menge nicht gewollt war. Schon gar nicht in der Phase der Weinlese, weshalb es wohl zu einer der schnellsten Weinlesen in der Geschichte der WG Friesenheim geführt kam. „Normalerweise bringen wir unsere Lese in 21 Tagen in den Keller. In diesem Jahr waren es 14 Tage, bei schwierigen, nassen Wetterverhältnissen. Wir haben Tag und Nach geherbstet“, so Kopf.
Weißburgunder ist das Steckenpferd der Winzer
Das warme Frühjahr führte zu einem frühzeitigen Austreiben der Reben – Wasser fehlte. Im ersten Halbjahr zählte Kopf 164 Liter Wasser pro Quadratmeter, im zweiten Halbjahr 537. Leider führten die warmen Temperaturen Anfang Mai zu einem Wachstumsschub, auf den eine abrupte Abkühlung folgte. Kopf sprach von einem hohen Stressfaktor für die Pflanzen. Mit Beginn der ersten Blüte Anfang Juni setzte der langersehnte Niederschlag zwar ein, wodurch sich aber auch die Blüte bis zum 15. Juni hinauszögerte. Diese verlief sehr unterschiedlich. Von stecknadelkopfgroßen Beeren bis zu vollständig geschlossenen Gescheinen war die Rede. Die Auswirkungen der schwierigen Blütenverhältnisse führte zu teilweise starken Verieselungen und leeren Augen, was die Ernte um 25 Prozent dezimierte.
Alle Hauptrebsorten wie Müller-Thurgau, Spätburgunder, Grauburgunder und Weißburgunder lieferten ein Mostgewicht von durchschnittlich 88 Öchsle. Was die Kilomenge pro Ar anbelangt, zählte der Spätburgunder mit 102 Kilo zu den großen Verlierern. Herausgehoben hat Kopf den Weißburgunder, das Steckenpferd der Friesenheimer Winzer. Beliebt beim Verbraucher sei auch der Weißburgundersekt, der wieder in Neuauflage zum Verkauf stehe.
Laut Kopf sei die Kellermeisterin Eva Schilling begeistert von den Weinen. „Der Jahrgang 2025 wird hervorragend“, so Kopf. Hervorzuheben sei die „Fruchtigkeit der Weine“. Viele Mineralien lagerten sich in den Trauben ein, was auf die geringe Erntemenge und die Niederschläge kurz vor der Lese zurückzuführen sei.
Richard Kopf bleibt Vorsitzender
Im Grunde wäre auch Kopfzufrieden, wenn der deutsche Verbraucher auch zu den heimischen Weinen greifen würde. Nur 40 Prozent der abgesetzten Weine werde von den heimischen Winzern konsumiert. 60 Prozent seien ausländische Weine. Dabei brauchten die Jungwinzer, von denen es in Friesenheim vier gebe, die notwendigen Erlöse für eine Zukunftsperspektive. „Trotz schlechter Lage bei uns Landwirten und Winzer werden die Standards noch stärker angehoben, was die Arbeitszeit und die Produkte verteuert“, echauffierte sich Kopf. Seit dem 1. Januar kämen weitere Dokumentationen hinzu.
Eine geringere Abgabemenge bringt der WG ein Defizit im Jahresabschluss in Höhe von knapp 5400 Euro. Sparmaßnahmen wären der Austritt aus der Breisgauer Wein Gesellschaft, der die WG Friesenheim jedoch noch immer aus Solidaritätsgründen zu den Breisgauer Winzern angehöre. Der Ausgleich des Defizits kann leicht über ein starkes Rücklagenkonto ausgeglichen werden. Das wird auch in den kommenden Jahren so sein. Kopf betonte: „Wir haben in den guten Jahren stets gute Rücklagen für die schlechten Jahre gebildet.“
Bürgermeister Erik Weide, der die Entlastung und Neuwahlen zum Vorstand vorgenommen hat, bemerkte: „Ich wollte kein Winzer sein und hoffe, Sie bleiben von Frost verschont und werden ein gutes Weinjahr haben.“
Kopf bleibt Vorsitzender, Markus Fellmeth ist sein Stellvertreter. Im Aufsichtsrat sind Benjamin Hertweck und Andreas Eisenbeis.
Winzer
38 aktive Winzer bewirtschaften 140 Hektar Rebfläche, im Jahr 2022 waren es noch 51. Die WG zählt noch neun passive Winzer.