Bereits in den 1980er-Jahren begann der Waldumbau – unter anderem mit Feuchtbiotopen. Foto: Landratsamt

Unter dem Titel "Treffpunkt Natur" lädt die Gemeinde für Samstag, 2. Juli, zu einem Info- und Erlebnistag ein. Gefeiert werden "25 Jahre Naturwaldgemeinde" und das Naturschutzgroßprojekt (NGP) Baar.

Königsfeld - Bürgermeister Fritz Link sprach von einer fruchtbaren und kreativen Kooperation, um Biodiversität in den Fokus zu rücken. Er beschrieb die Bemühungen der "ältesten Nabu-Naturwaldgemeinde Baden-Württembergs" um naturnahe Waldbewirtschaftung mit Verzicht auf Kahlschläge und Pestizide, Naturverjüngung oder sanfte Betriebstechniken. Mittlerweile seien zehn Prozent der Waldfläche nicht mehr herkömmlich bewirtschafteter Bannwald. Das zeige, dass Ökologie und Ökonomie gut vereinbar seien.

Waldumbau beginnt in den 1980er-Jahren

Laut Link begleitete Revierförster Peter Gapp die gesamte Entwicklung. Diesem zufolge legte aber schon in den 70er-Jahren, lange vor Verleihung des Nabu-Zertifikats, der damalige Revierförster Helmut Reiter Vogelschutzgehölze an, und unter Forstamtsleiter Wolfgang Hockenjos begann in den 80er-Jahren der Waldumbau mit Weißtanne und Feuchtbiotopen. Mittlerweile stieg der Laubholzanteil spürbar an, und zur Freude von Specht und Co. wuchs der Totholzanteil.

Zwar zeige sich, was der Mensch mit Technik alles tun könne, so Gapp. Mittlerweile führe aber der Biber vor, wie er ohne Technik noch einiges mehr tue. Der sei inzwischen im Badloch in Neuhausen und in Mönchweiler auf dem ehemaligen Flugplatzgelände zu finden. Tatsächlich dauere es nach der Reaktivierung von Tümpeln kein Jahr bis sich Biber ansiedelten, so Thomas Kring, Geschäftsführer des Naturschutzgroßprojekts (NGP).

Landkreise haben Verpflichtungserklärung abgegeben

Deshalb passe das Jubiläum der Gemeinde thematisch perfekt dazu. Im Rahmen des NGP laufe seit 2013 die Planung zu Arten- und Biotopschutz, seit 2018 die Umsetzung. Es gehe zum Beispiel um Waldrandgestaltung oder den Erhalt sehr wertvoller Moorbereiche als Lebensräume des fleischfarbenen Knabenkrauts oder des blauschimmernden Feuerfalters. In Königsfeld gab es unter anderem Maßnahmen zur Gewässer-Renaturierung oder die Anlage von Stillgewässern. Kring betont, dass sämtliche Maßnahmen nur mit freiwilliger Zustimmung betroffener Grundstückseigner und -nutzer stattfinden. Das fördere die Akzeptanz des Projekts. Für Nachhaltigkeit sorge die Verpflichtungserklärung der Landkreise, die Erfolge nach offiziellem Projektabschluss dauerhaft zu gewährleisten.

Erlebnistag mit Festakt

Viel geboten ist am Erlebnistag. Laut Kurgeschäftsführerin Andrea Hermann findet das Hauptgeschehen im Kurpark statt. Offizielle Eröffnung ist am Samstag, 2. Juli, um 11 Uhr im Haus des Gastes mit Landrat Sven Hinterseh und Andre Baumann, Staatssekretär des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, als Gäste. Ab 11.30 Uhr hält Thomas Kring einen Vortrag zum NGP. Um 14 Uhr startet der Festakt zu "25 Jahre Naturwaldgemeinde" samt Grußwort des stellvertretenden Landrats des Schwarzwald-Baar-Kreises Martin Seuffert und Festvortrag des Nabu-Landesvorsitzenden Johannes Eisele sowie Gesprächen mit Revierleiter Peter Gapp.

Angebote für die ganze Familie

Es gibt zudem Ausstellungen zu NGP und Naturwald. Weitere Programmpunkte sind nachmittägliche NGP-Biotoperkundungen, zu denen man sich an dessen Infostand anmelden kann. Waldführungen bietet darüber hinaus Gapp an – und zwar für Frühaufsteher bereits am Samstag um sechs Uhr und am Sonntag um acht Uhr. Anmeldungen sind dafür nicht nötig.

Daneben bieten bis 17 Uhr 20 Partner etwas "für die ganze Familie" – unter anderem Mitmachangebote wie das Herstellen von Samenbomben, Kräutersalz und einer Duftorgel Wald, Borkenkäferjagd oder Kochprogramme, um die Sensibilisierung für Regionalität und Saisonalität zu stärken. An Ständen gibt es Infos zu ökologischem Gärtnern, Mikroplastik und Möglichkeiten zu dessen Vermeidung, Kleinlebewesen und Wasserphänomenen in Mooren oder Wollverarbeitung, wobei sogar ein paar Moorschnucken vor Ort sein sollen, die ansonsten das Schwenninger Moos beweiden.