Das Vorstandsduo: Stefan Schweigler (r.) vom Weingut Schweigler in Binzen (Vorsitzender) und Julian Zotz (zweiter Vorsitzender) vom gleichnamigen Weingut in Heitersheim. Schweigler ist seit rund acht Jahren im Amt, sein Stellvertreter seit zwei Jahren. Foto: Claudia Bötsch

Rund 60 Weingüter gehören dem Verein „Markgräfler Weingüter“ an. Der Zusammenschluss hat sich in seinem 25-jährigen Bestehen bewährt. Unsere Zeitung traf das Vorstandsduo.

„Der Gutedel ist auch ein Stück Heimat“, sagt Winzer Stefan Schweigler aus Binzen. Er ist seit acht Jahren Vorsitzender des Vereins „Markgräfler Weingüter“, dessen 25-jähriges Bestehen jüngst mit einem Jubiläumsabend im Schliengener Weingut Blankenhorn gefeiert wurde. Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Julian Zotz vom gleichnamigen Weingut aus Heitersheim blickt er im Interview mit unserer Zeitung auf die Ursprünge des Vereins zurück und erläutert, was den Zusammenschluss ausmacht.

 

Die beiden Winzer zeigen zudem auf, welche Rolle der Gutedel für das Markgräflerland spielt und was sich über die Jahre im Weinbau verändert hat. Hier berichten sie auch von den Herausforderungen und Problemen, mit denen die Weinbranche heutzutage zu kämpfen hat.

Seit einem Vierteljahrhundert gibt es den Verein der Markgräfler Weingüter – warum wurde er damals gegründet?

Stefan Schweigler: Die Initiatoren wollten für die hiesigen Privatwinzer ein Netzwerk schaffen, über das Austausch und gemeinsame Fortbildungen möglich sind. Wichtig war zudem, den Markgräfler Weingütern durch den Zusammenschluss eine starke Stimme zu geben, vor allem auch im Badischen Weinbauverband.

Warum hat man sich nicht einfach dem Verein „Markgräfler Wein“ angeschlossen, den es damals schon einige Jahrzehnte gab?

Julian Zotz: Die privaten Weingüter wollten einen eigenen Verein für eigene Themen. Im Verein „Markgräfler Wein“ finden sich neben Weingütern und Winzergenossenschaften zum Beispiel auch Banken und Kommunen. Der Fokus liegt auf Veranstaltungen wie Staufener Weinfest, Gutedeltag und Gutedel-Cup. Unser Verein hat andere Themen. Viele unserer Mitglieder gehören allerdings beiden Vereinen an.

Schweigler: Man könnte sagen: Der Verein „Markgräfler Wein“ wirkt eher nach außen, wir nach innen, also innerhalb der Branche. Gemeinsam ist uns aber: Wir wollen das Markgräflerland als Herkunft und Destination bekannter machen. Das Verhältnis zwischen beiden Vereinen ist gut. Zum Gutedel-Cup gibt es etwa einen gemeinsamen Arbeitskreis.

Was findet über den Verein statt?

Schweigler: Der kollegiale Austausch, die Vernetzung und Fortbildungen stehen im Fokus, aber auch politische Arbeit. Über den Verein fanden auch schon gemeinsame Fahrten in andere Weinbauregionen wie das Piemont statt. Wir pflegen ein schönes Miteinander.

Bewährt haben sich die vereinsinternen Verkostungen, bei denen wir die von uns Mitgliedern ausgebauten Weine testen. Das ist unheimlich inspirierend. Man kommt im Austausch auf neue Ansätze und Ideen – wie macht der andere das? Man schmeckt, was einem gefällt oder auch nicht. Diese Proben sind für uns alle auch ein immenser Ansporn, schließlich will jeder bei diesen tollen Qualitäten mithalten – ein positiver Wettbewerb quasi.

Die Arbeit der Winzer ist in den vergangenen Jahren nicht einfacher geworden – es gibt zahlreiche Herausforderungen. Foto: Beatrice Ehrlich

Welche Rebsorte steht im Mittelpunkt?

Zotz: Der Gutedel ist die wichtigste Rebsorte im Markgräflerland und damit auch bei unseren Mitgliedsbetrieben, gefolgt vom Spätburgunder. Unsere Verkostungen zeigen, wie vielfältig die Stilistiken sein können, die aus einer Sorte entstehen. Ich komme immer ganz beseelt aus den Proben, weil es einfach besonders ist, was der Gutedel leisten kann und welche Qualitäten möglich sind. Jeder Gutedel schmeckt irgendwie anders, aber in sich stimmig – das finde ich spannend und immer wieder beeindruckend.

Schweigler: Der Gutedel bringt für unsere Region ein Alleinstellungsmerkmal. Dazu kommt: Die Sorte hat riesiges Potenzial und wahnsinnige Vorzüge, weil sich leichte Weine mit niedrigem Alkoholgehalt und wenig Säure produzieren lassen. Bei diesen gemeinsamen Veranstaltungen das Gesamtbild dieser Gutedelproben zu erleben, ist jedes Mal wieder eine Freude.

Tritt der Verein auch nach außen auf?

Zotz: Seit 2012 findet unter unserem Dach die „Markgräfler Weinpromenade“ statt, bei der sich unsere Mitgliedsbetriebe mit einer offenen Jahrgangsweinprobe – häufig verbunden mit Kellerführungen und Besichtigungen – präsentieren können. Die Veranstaltung, die am Wochenende nach Christi Himmelfahrt stattfindet, hat sich etabliert, mehr als 30 unserer Mitglieder machen mit.

Eine starke Gemeinschaft: Unterm Dach des Vereins laden zahlreiche Mitgliedsbetriebe seit 2012 zur „Markgräfler Weinpromenade“ ein. Foto: Markgräfler Weingüter

Weinbau heute und vor 25 Jahren – was hat sich verändert?

Zotz: Einfacher ist es leider nicht geworden. Die Bedingungen werden härter. Die Weinbranche steckt bekanntermaßen in der Krise, der globale Weinkonsum ist seit Jahren rückläufig – bedingt durch demografischen Wandel und verändertes Konsumverhalten, insbesondere bei jüngeren und älteren Haushalten, die weniger Wein kaufen und auch günstigere Sorten bevorzugen. Erschwerend hinzu kommt die generell schlechter werdende wirtschaftliche Situation, die auch die Weinbaubetriebe trifft.

Schweigler: Vielen Konsumenten ist es heutzutage egal, wo der Wein herkommt, der Preis entscheidet. Dabei sehen sie nicht: Die Flasche Markgräfler Wein ist auch ein Stück Heimat, der Gutedel ein Stück identitätsstiftend. Vom regionalen Weinbau hängt vieles ab – nicht zuletzt Landschaftsbild und Landschaftspflege.

Neben all diesen Entwicklungen ist ein weiteres Problem die zunehmende Bedrohung durch Krankheiten und invasive Schädlinge – sei es die Asiatische Kirschessigfliege oder neu die Rebzikade.

Umso wertvoller ist es, mit den anderen Winzern gut vernetzt zu sein und bei solchen Themen und Problemen auf die Infrastruktur eines Vereins zurückgreifen zu können. Sei es, um Fachleute anzufragen, sich auszutauschen oder wichtige Infos über den internen Verteiler zu streuen.

Beim Jubiläumsabend im Schliengener Weingut Blankenhorn: ein Gruppenbild mit aktuellen und ehemaligen Vorstandsmitgliedern Foto: Markgräfler Weingüter

Alkoholfreier Wein wird immer populärer – wie sehen Sie diese Entwicklung?

Zotz: Ob man es gut findet oder nicht: Alkoholfreier Wein wird immer mehr zum Thema. Das passt auch zum allgemeinen Trend bei vielen jungen Leuten nach Fitness- und Körperoptimierung.

Diese Sparte ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen, auch unser Weingut hat inzwischen ein recht großes Sortiment aufgebaut. Wobei der Anteil an der Gesamtproduktion immer noch gering ist.

Die Zukunft wird zeigen, wie es weiter geht. Bei der Technologie hat sich jedenfalls in den vergangenen Jahren viel getan, die Qualitäten haben sich deutlich verbessert. Die Frage ist: Wie lange wächst die Nachfrage nach alkoholfreien Weinen noch weiter?

Zur Geschichte des Vereins „Markgräfler Weingüter“

Seit einem Vierteljahrhundert
besteht der Verein „Markgräfler Weingüter“. Einer der Begründer war Claus Schneider aus Weil am Rhein, der damals beim Badischen Weinbauverband Sprecher für den Anbaubereich Markgräflerland und die dort ansässigen Weingüter war. Gemeinsam mit einigen Mitstreitern begründete er den Verein mit dem Ziel, die Anliegen der privaten Winzer aus dem Markgräflerland besser vertreten zu können. Schneider war auch erster Vorsitzender.

Bei der Gründung
schlossen sich 25 Betriebe zusammen. Inzwischen ist die Zahl auf rund 60 Weingüter angewachsen, die in dem Bereich zwischen Freiburg und Lörrach/Weil am Rhein ansässig sind. Das sind fast alle nicht genossenschaftlich organisierten Weinerzeuger in diesem Weinbaubereich. Es gebe einen guten Mix aus unterschiedlichen Altersgruppen und Betriebsstrukturen, meint dazu Stefan Schweigler. Die Bandbreite reicht vom zwei-Hektar-Nebenerwerbs-Betrieb bis hin zum größten Mitgliedsbetrieb, der eine Rebfläche von ungefähr 100 Hektar bewirtschaftet.

Dem aktuellen Vorstand
gehören insgesamt acht Mitglieder an. Das Vorstandsduo bilden Stefan Schweigler vom Weingut Schweigler in Binzen (Vorsitzender) und Julian Zotz (zweiter Vorsitzender) vom gleichnamigen Weingut in Heitersheim. Schweigler ist seit rund acht Jahren im Amt, sein Stellvertreter seit zwei Jahren. Weitere Vorstandsmitglieder sind: Christiane Huck-Wagner (Efringen-Kirchen), Heidi Schwarz-Schindler (Mauchen), Maximilian Krebs (Binzen), Steffen Reinecker (Auggen), Thomas Walz (Heitersheim) und Andreas Engelmann (Ebringen).

Das Jubiläum
wurde im Dezember, am Welttag des Chasselas, im Schliengener Weingut Blankenhorn mit mehr als 100 Gästen, überwiegend aus den Mitgliedsbetrieben, gebührend gefeiert. Es gab eine große Gutedel-Verkostung mit rund 70 Weinen. Außerdem kamen ehemalige Vorstandsmitglieder zu Wort, die von ihren persönlichen Erinnerungen an die Vereinsgeschichte berichteten.