Die SWR-Magazinsendung „Kaffee oder Tee“ wirkt mit Haushaltstipps und Kochrezepten wie aus der Zeit gefallen – und erfreut sich vielleicht gerade deswegen stabiler Quoten.
Kamera 1 nimmt einen Korb mit Gemüse ins Visier. Dies soll das erste Bild sein, dass die Zuschauenden an diesem Nachmittag zu sehen bekommen, wenn sie die SWR-Magazinsendung „Kaffee oder Tee“ einschalten. Kurz bevor die Livesendung beginnt, wird das Gemüse mit Wasser besprüht, damit es noch frischer und glänzender wirkt. Währenddessen hat Moderator Jens Hübschen bereits seinen Platz an der Seite von Fernsehkoch Eberhard Braun in der Küchenecke des Studios eingenommen. Sie plaudern entspannt miteinander, während dem Koch auf dem Herd die Kartoffeln etwas anbrennen. Erst als die Aufnahmeleiterin die Sekunden herunter zählt, herrscht gespannte Konzentration. Die vertraute Melodie erklingt und Jens Hübschen legt los: „Radieschen, Spargel, Mairübchen – all das kommt heute in eine frühlingshafte Bowl.“
Einen Stock über dem Studio wird in der Bildredaktion blitzschnell entschieden, welchen der vier Bildausschnitte der Zuschauer zu sehen bekommt, während in der Telefonregie Anrufe entgegengenommen werden und ausgewählt wird, welche live ins Studio durchgestellt werden können. Doch nicht nur darauf müsste der Moderator spontan reagieren: „Wenn im Weltgeschehen etwas Wichtiges kurz vor der Sendung passiert, binden wir das ein. Manchmal sogar noch spontan während der Sendung“, sagt Redaktionsleiter Manfred Henßler. Der Live-Charakter des Magazins werde sehr ernst genommen. Dieser kann auch mal zum Verhängnis werden, wie beispielsweise im November 2023, als das Team wegen eines Feueralarms das Studio räumen musste. „Das haben die Zuschauer natürlich alles live mitbekommen“, erinnert sich Henßler. Erst nach ein paar Minuten konnte man die Sendung fortführen, nachdem die harmlose Ursache für die Aufregung gefunden worden war.
Seit 25 Jahren lädt der SWR die Fernsehzuschauer und -zuschauerinnen von Montag bis Freitag zu „Kaffee oder Tee“ ein – und damit zu zwei gemütlichen Nachmittagsstunden mit Plaudereien, praktischen Tipps für Haushalt und Garten, Geschichten aus dem Südwesten und Rezepten, die direkt im Studio Schritt für Schritt vorgekocht werden. Beteiligen dürfen sich die Zuschauenden gerne – entweder bei den zwei Quizrunden oder bei Umfragen und Mitmachaktionen. „Es ist genau dieser Mix aus Service, Unterhaltung und aktuellen Informationen, der unsere Sendung so beliebt macht“, erklärt Henßler. Außerdem sei die Regionalität der Sendung wichtig – sowohl die Beiträge als auch die Experten stammen aus dem Südwesten. So betont Jens Hübschen an diesem Tag auch ganz bewusst, dass Fernsehkoch Eberhard Braun aus Stuttgart kommt. „Wir sind ganz nah bei den Leuten – als würden wir sie in unser Wohnzimmer einladen. Sie sollen sich wohlfühlen“, ergänzt Henßler.
Das Moderatorenteam besteht aktuell neben Jens Hübschen aus Martin Seidler, Heike Greis, Fatma Mittler-Solak und Evelin König, die im Wechsel durch die Sendung führen und bereits seit vielen Jahren mit dabei sind. Das Studio wurde im Laufe der Zeit an die Sehgewohnheiten angepasst und auch inhaltlich wurde vorsichtig das eine oder andere geändert. Während heute die Köche und Köchinnen live in der Studio-Küche brutzeln und schnibbeln, kam die Kochinspiration anfangs noch durch halbstündige Einspieler in die Sendung. Einzelne Rubriken fielen weg oder wurden ausgetauscht. Und der Austausch mit dem Fernsehpublikum hat sich auf den Online-Auftritt von „Kaffee oder Tee“ ausgeweitet, wo sich auch kürzere Ausschnitte aus der Sendung nachschauen lassen.
„Kaffee oder Tee“ bleibt in Baden-Baden
Doch die Grundidee, die Fernsehzuschauenden durch einen gemütlichen, informativen Nachmittag zu führen, hat sich in den 25 Jahren nicht geändert. Was manchmal wie aus der Zeit gefallen wirken mag, erfreut sich doch über die Jahre hinweg stabiler Quoten. Der Sendeplatz am Nachmittag zwischen 16 und 18 Uhr spricht vor allem Rentnerinnen und Rentner oder Teilzeitarbeitende an, die um diese Uhrzeit zuhause sind. Während viele Eigenproduktionen des SWR wie die „Tatort“-Reihen oder „Die Fallers“ künftig an externe Produktionsfirmen ausgegliedert und die Studioflächen in Baden-Baden reduziert werden sollen, wird „Kaffee oder Tee“ weiter an seinem angestammten Platz bleiben. Doch die Sparauflagen gehen auch an „Kaffee oder Tee“ nicht vorbei. „Wir müssen natürlich kostenbewusst arbeiten“, sagt Manfred Henßler. Daher greife man bei den Einspielern häufig auf bereits vorhandenes Material aus anderen SWR-Sendungen wie zum Beispiel der Landesschau zurück.
Wohlfühlfernsehen seit 25 Jahren
Fakten
Die erste Sendung von „Kaffee oder Tee“ lief am 3. Januar 2000 und wurde von Bernd Schröder moderiert. In der Zwischenzeit wurden in rund 6250 Livesendungen mit 750 000 Sendeminuten fast 10 000 Rezepte vorgekocht und etwa 34 000 Gäste im Studio begrüßt. Der SWR strahlt das Magazin von Montag bis Freitag ab 16.05 Uhr aus.
Quiz
Rund 110 000 Quizfragen haben die Zuschauenden in den vergangenen 25 Jahren beantwortet. In insgesamt zwei Quizrunden treten jeweils zwei Anrufer gegeneinander an.