Einen bewegenden Festakt im Alten Gymnasium erlebte eine Gruppe von Rottweiler Bürgern, denen die Partnerschaft mit L’Aquila besonders am Herzen liegt.
„Aus Licht und Stein blühen die Rosen.“ Das Gedicht von Egon Rieble über die Stadt L’Aquila, vorgetragen von Liedermacher Pius Jauch, steht für die Partnerstadt ebenso wie für die Aktivitäten des vor 25 Jahren entstandenen Partnerschaftsvereins „Amici dell’ Aquila“, damals noch von Gründungsmitglied Heribert Dom genannte Deutsch-Italienische Kulturgemeinschaft.
Die offizielle Partnerschaft der beiden Staufer-Städte L’ Aquila und Rottweil wurde 1988, kurz vor dem Mauerfall, offiziell gegründet.
Die Partnerschaft ist keine normal verlaufende, sondern geprägt durch den tiefen Einschnitt des verheerenden Erdbebens im Jahr 2009 in der Abruzzenstadt und einer ganz anderen tieferen Beziehung beider Städte und beider Partnerschaftsvereine.
Partnerschaftliche Stärke
Diese partnerschaftliche Stärke war am Jubiläumsabend für alle bewegend spürbar. Pius Jauch brachte dies durch seine deutsch-italienischen Lieder (die er bereits in L’ Aquila gesungen hatte) zum Ausdruck, Sindaco Pierre Luigi Biondi in seinem Grußwort aus L’ Aquila.
Seine Stadt habe zwölf Partnerstädte, aber Rottweil sei die lebendigste, schrieb er im Hinblick auf die Wiederaufbauhilfe in Onna. Vorsitzende des Partnervereins „Amici di Rottweil“ Maria Silvia Reversi sandte eine schwesterliche Umarmung, und Edgar Enderle verlas das Grußwort von Axel Wenzler, des Vorsitzenden der Freunde von Brugg (mit großzügiger Schweizer Käsespende für das anschließende Buffet).
Der europäische Gedanke
Rottweils Oberbürgermeister Christian Ruf, der im vergangenen Jahr zum ersten Mal die Perdonanza in L’ Aquila miterlebt hatte, betonte in seinem Grußwort die „Offenheit und Neugierde, andere Lebensformen zu akzeptieren“. Gerade heute in immer schwieriger werdenden Nicht-Partnerschaften und Konfrontationen.
Der europäische Gedanke der Völkerverständigung zeige sich in lebendigen Städtepartnerschaften und Stadtbotschaftern, die diese kulturelle Verständigung weiter trügen. Die Stadt Rottweil werde die Arbeit des Vereins weiterhin unterstützen (auch mit einer materiellen Jubiläumsgabe).
Wiederaufbau Onnas
Vorsitzender von Amici dell’ Aquila Ludwig Kohler umriss die Entwicklung des Vereins, vor allem der größeren Einsätze für L’ Aquila nach dem Erdbeben.
Er selbst war von Anfang an dabei mit dem damaligen Bürgermeister Werner Guhl, der Feuerwehr, dem THW und Rottweiler Bürgern und zeigte eine kurze Filmsequenz der Deutschen Botschaft über den Wiederaufbau Onnas, vor allem der Casa Onna.
Hilfe für 15 Jugendliche
In den folgenden Jahren kam über das Erasmus-plus-Programm das Grundwig-Projekt „Versöhnungsarbeit über Trümmern“ mit sechs Stadtbotschaftern aus Rottweil im Austausch mit zwei Stadtbotschaftern aus L’ Aquila dazu.
Aufgrund der hohen Jugendarbeitslosigkeit (40 Prozent) in L’ Aquila setzte der Verein mit der deutschen Arbeitsagentur das MobiPro-Projekt um und holte 15 Jugendliche zur Ausbildung beziehungsweise Arbeit nach Rottweil. Zwei davon hatten ihre Ausbildung abgeschlossen und sind heute in Berufen tätig.
Durch seine Schilderung wurde allen am Festakt Teilnehmenden deutlich, dass die Partnerschaft bis heute lebendig ist und die besungenen „Rosen aus Licht und Stein“ weiterblühen.