Traditionspflege muss nichts Starres sein. Ganz im Gegenteil: Die Bewahrung einer Tradition gelingt meistens am besten, wenn man sie immer wieder an die Erfordernisse der Zeit anpasst.
Diese hat am Montag zum 248. Mal ihren Schäferjahrtag gefeiert. Doch längst haben die beiden Zunftverantwortlichen – Zunftmeister Martin Beuter und Kerzenmeister Berthold Schwarz – den im Stiftungsbrief von 1780 festgelegten Ablauf des Jahrtags immer wieder neu interpretiert und heutigen Bedürfnissen angepasst.
Der Mut zum Wandel wird belohnt
Dieser Mut erweist sich durchaus als Erfolgsrezept, um das jährliche Treffen und damit den Fortbestand der ältesten Vereinigung im Raum Haigerloch zu sichern. Seit Jahren kommen wieder deutlich mehr Mitglieder zum Jahrtagsabend, weil dazu immer wieder Mundart-Künstler verpflichtet werden.
Im vergangenen Jahr gab es eine noch größere Zäsur: Erstmals wurde der morgendliche Gottesdienst zum Gedenken an die Toten in die Abendstunden unmittelbar vor den Jahrtagsabend verlegt und auf das ihm folgende Gabelfrühstück verzichtet. Auch dieses Jahr war das so.
Aus Sicht von Zunftmeister Beuter hat sich dieser Schritt gelohnt. „Es sind wieder deutlich mehr Gottesdienstbesucher anwesend und das kompaktere Programm ist auch für die Organisation des Jahrtags eine Entlastung“, blickte er in seinem Jahresbericht am Abend im Trillfinger Vereinsheim zufrieden auf das modifizierte Format des Schäferjahrtages.
Messe wird von einem alten Bekannten zelebriert
Dieser hatte mit einem Seel- und Lobamt in der Trillfinger Pfarrkirche St. Valentin begonnen, das der frühere Trillfinger Pfarrer Dieter Mayer zusammen mit Mesnerin Ulrik Seifer zelebrierte. Trotz starker Erkältung war er dafür extra vom Bodensee an seine alte Wirkungsstätte gekommen. Im Mittelpunkt der Messe stand wie immer das Entzünden der von Günther Gaus gestifteten und von Heidi Wimmer verzierten Jahrtagskerze zur Erinnerung an die Verstorbenen der Zunft.
Trauer um Helmut Bürkle, Freude über neue Mitglieder
Den Toten gedachte man hernach auch nach beim offiziellen Teil des Jahrtags im Vereinsheim. Der einzige Todesfall in der Zunft war der vor wenigen Tagen verstorbene Helmut Bürkle. Martin Beuter: „Sein Tod wiegt schwer, vor 22 Jahren war er als Kassierer im Festausschuss zum 225-jährigen Bestehen der Zunft. Tradition war ihm immer sehr wichtig.“
Hier Trauer, dort Freude: Beuter freute sich über vier Neuzugänge in der Zunft . Laut ihm besteht die Bruderschaft damit aus 81 Trillfingern und 58 Auswärtigen. Auch der Kassenbericht fiel positiv aus. Das Guthaben der Schäferzunft ist um ein paar hundert Euro gewachsen.
Schäferzunft präsentiert sich bei der 750-Jahr-Feier
Einen breiten Raum im Rückblick des Schäferzunftmeisters nahm zudem die Teilnahme der Zunft am Umzug bei der Trillfinger 750-Jahr-Feier ein. Mit einem mit Blumen geschmückten Traktor und der Statue des Heiligen Wendelins habe sich die fünfköpfige Gruppe gut präsentiert und gleichzeitig auch noch den für den Erhalt der Wendelinskapelle gegründeten Förderverein mitvertreten.
Apropos Förderverein und Wendelinskapelle: Dass der Gemeinderat im Oktober 2024 beschlossen habe, die Kapelle dem Förderverein als Eigentum zu überlassen und für deren Sanierung auch noch einen Zuschuss von 55 000 Euro bewilligt habe, bezeichnete Martin Beuter als „historische Entscheidung“.
Steiniger Weg bei der Übernahme der Wendelinskapelle
Weniger zufrieden war er mit dem, was danach folgte: Die Kommunalaufsicht am Landratsamt habe sich mit dem Gemeinderatsbeschluss sehr schwer getan. Erst Ende Juni gab sie dafür grünes Licht, was aus Beuters Sicht zur Folge hatte, dass die Kapelle zur 750-Jahr-Feier nicht geöffnet werden konnte. Beuter: „Das war eigentlich das Ziel.“
Inzwischen sei eine vom Landratsamt geforderte Änderung der Vereinssatzung im September in einer außerordentlichen Hauptversammlung des Fördervereins beschlossen worden, seit drei Wochen liege die geänderte Satzung nun beim Vereinsregister zur Genehmigung.
Zunftmeister Beuter wird Ehrenmitglied der „Eintracht
Nach den Berichten startete das Rahmenprogramm. Diese eröffnete der Gesangverein „Eintracht“ Trillfingen unter der Leitung von Vize-Dirigent Matthias Rapp (Dirigent Benjamin Schreijäg war wegen anstehender Vaterfreuden im Krankenhaus). Der Chor sang fünf Lieder und der Eintracht-Vorsitzende Günter Stehle nutzte die Gelegenheit, um Martin Beuter zum Ehrenmitglied des Gesangvereins zu ernennen und ihm eine Urkunde zu überreichen.
Film über Dorfjubiläum feiert Premiere
Danach wurde es spannend: Der bei der 750-Jahr-Feier Ende Juli entstandene Film erlebte beim Schäferjahrtag seine Premiere. Das knapp anderthalbstündige Werk fasste die Veranstaltungen an allen drei Festtagen sehenswert zusammen. Für genügend Filmmaterial hatten Wolfram Christoph Eckhard, Jürgen Beck und Hermann Pfeffergesorgt. Pfeffer schnitt es zusammen.
Am Ende der Uraufführung vor Publikum – darunter auch der Trillfinger Ortschaftsrat und Ortsvorsteher Horst Henle – gab es viel Applaus.