Als Teenager wünschte sich Laurents Hörr, einmal beim Langstreckenrennen in Le Mans zu starten – am kommenden Wochenende geht der Wunsch des Rennfahrers aus Gerlingen in Erfüllung.
Le Mans. Bei passionierten Motorsportfreunden weckt dieser Name viele Assoziationen. Die einen denken an Rekordsieger Porsche und den legendären 917, die anderen an den Film mit Steve McQueen von 1970, und die nächsten an den mehrfachen Salto von Peter Dumbreck im Mercedes CLK 1999, den der Pilot unverletzt überstand.
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Laurents Hörr kennt alle diese Geschichten, und nun wird der Rennfahrer ein Teil des Mythos Le Mans, der so viele Generationen von Motorsportlern in seinen Bann gezogen hat. „Ich habe damit ein Lebensziel erreicht“, sagt der 24-Jährige, der in Gerlingen geboren wurde, „seit ich als Teenager realisiert habe, dass es im Motorsport nicht nur die Formel 1 gibt, wollte ich in Le Mans fahren.“ Der 24-Stunden-Klassiker startet an diesem Samstag um 15 Uhr. Sehen kann man ihn live im Fernsehen auf RTL Nitro und als Online-Stream auf Sport.de.
Laurents Hörr wird bis zum Sonntag gemeinsam mit seinen Teamkollegen Jean Glorieux (Belgien) und Alexandre Cougnaud (Frankreich) abwechselnd einen 600 PS starken Oreca-Sportwagen durch den Dunlop-Bogen, über die Mulsanne-Gerade und in den Porsche-Kurven steuern. Allesamt sind Streckenabschnitte des Rennens in Le Mans. „Ich kenne die Strecke von anderen Rennen“, sagt der PS-Profi, „aber bei den 24 Stunden war ich noch nie am Start.“
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Den Platz hat sich der talentierte Fahrer hart verdient. Für den Meister der European Le Mans Series wird üblicherweise ein Startplatz für den Langstreckenklassiker in Le Mans reserviert. Mitte 2021 hatte Hörrs DKR-Engineering-Team ihm diesen Slot zugesagt, sollte er den Titel holen – und der ambitionierte Jungpilot hat sich diese Lebenschance nicht entgehen lassen. Allerdings saß er in der vergangenen Saison in einem Rennwagen der Klasse LMP3, in Le Mans sitzt er nun im Cockpit eines Autos der LMP2-Kategorie – und diese Klasse ist deutlich schneller unterwegs. Zum Vergleich: Am Ende der langen Geraden nach der Kurvenkombination Eau Rouge auf der Motorsport-Rennstrecke Circuit de Spa-Francorchamps in Belgien, wo Hörr im vergangenen Jahr gewann, erreicht ein LMP2-Fahrzeug etwa 220 km/h. Es kann vor der Kurve aber 15 Meter später gebremst werden als ein LMP3-Auto, das mit lediglich 195 km/h ankommt. „Das Auto gibt einem viel Vertrauen, aber der Grenzbereich wird extrem schmal“, sagt Hörr.
Hörr hat sich gut auf das Rennen vorbereitet
Der junge Rennfahrer hat sich ausgiebig auf seine Bewährungsprobe im 24-Stunden-Rennen vorbereitet, hat schon im vergangenen Jahr viele Testfahrten im Auto gemacht und trainiert . An Aufgaben auf der Langstrecke und bei Nachtfahrten muss er sich nicht groß gewöhnen – in Le Mans war er schon mehrfach unterwegs, das Streckenlayout könnte er blind aus dem Gedächtnis auf ein Blatt Papier malen. Auch die Dunkelheit bereitet ihm bei Geschwindigkeiten von über 200 km/h keine Sorgen. Außerdem hat der junge Deutsche bereits einen Klassiker absolviert und mit Bravour bestanden: Im amerikanischen Daytona belegte er 2021 Platz drei in der LMP3-Klasse, nachdem das Team geführt hatte und durch eine unverschuldete Kollision zurückgeworfen worden war. Das soll nun in Le Mans nicht passieren. „Ich möchte auf jeden Fall ins Ziel kommen“, sagt der dreimalige Meister der Le-Mans-Serie, „aber wir fahren nicht nur mit, um teilzunehmen – wir wollen schon um die vorderen Plätze kämpfen.“
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Ein gutes Ergebnis, ein Podiumsplatz im Langstreckenklassiker gar, das würde helfen im Karrierefortschritt von Laurents Hörr, der um ein Engagement in einem Werkteam kämpft. Im ersten Halbjahr 2022 fährt er mit einem Amateurpiloten, einem sogenannten Gentleman-Driver, in der Le-Mans-Serie im LMP3-Auto. Doch mit der Teilnahme beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans soll die entsprechende Aufmerksamkeit fürs zweite Halbjahr geweckt werden, wenn der Gerlinger im LMP2-Fahrzeug auf Positionskämpfe geht. „Ich setzte auf Le Mans und alles, was danach kommt, um mich ins rechte Licht zu rücken“, sagt Hörr.
Selbst wenn es mit dem Traum, Profi zu werden, doch nichts werden sollte, kann Laurents Hörr zumindest erzählen, dass er an einem legendären Rennen teilgenommen und den Mythos Le Mans ganz tief in sich aufgesogen hat.