Hier sollen schon bald neue Häuser entstehen, was nicht nur auf ungeteilte Gegenliebe stößt. Foto: Dold

„Die Grundstücke am Hang sind seit Jahrzehnten ein Ladenhüter. Kein Investor aus der Region hatte bislang daran Interesse“, sagt Konrad Deufel, Anwohner der Rochus-Merz-Straße, angesichts des geplanten Großvorhabens mit 24 neuen Häusern.

Eberhard Mangold, Investor der Constant GmbH aus Esslingen sieht es so: „Wir schaffen hier Wohnraum für Familien in der Talstadt“. Das sollte seiner Meinung nach über den Einzelinteressen der Anwohner stehen.

 

Konrad Deufel sowie die weiteren Anwohner Howard und Elke Nagel befürchten hingegen, dass sich Kapitalanleger aus dem Raum Stuttgart die Häuser sichern werden. Jemand aus Schramberg oder der Umgebung, der den Hang kenne, werde vermutlich die Finger davon lassen, sind sich die Anwohner sicher – und verweisen auf eine Vielzahl von Hangrutschen, die seit 1940 dokumentiert sind.

Bohrpfahlwand zur Stützung

Eberhard Mangold verweist hingegen auf ein Gutachten („Von einem renommierten Unternehmen, das sich mit Hangrutschen in Schramberg auskennt“), das die Gefahr von Hangrutschen in diesem Bereich ausschließe. Zudem verweist er auf eine Investition von 500 000 Euro für eine Bohrpfahlwand zur Sicherung des Hanges. Außerdem werden ein Prüfstatiker der Stadtverwaltung eingeschaltet.

Das wiederum möchte Howard Nagel, Architekt im Ruhestand, so nicht stehen lassen. „Der Hang hat ein instabiles Gleichgewicht und ist nass. Wenn da gebuddelt wird, könnte es Probleme geben“, befürchtet er.

Die Familien Nagel und Deufel haben viele Stunden damit verbracht, das Projekt von allen Seiten zu beleuchten. Sie sind dabei auf viele Kritikpunkte gestoßen.

So kommt Howard Nagel in seinen Berechnungen auf 12 000 Kubikmeter Erdaushub und mehr als 2000 Lkw-Fahrten durch die enge Rochus-Merz-Straße. Investor Eberhard Mangold kalkuliert hingegen mit 3000 Kubikmetern und 500 bis 600 Fahrten.

Wenig Sonne am Hang

Kritik gibt es auch an den geplanten Photovoltaikanlagen, unter anderem zum Betrieb von Wärmepumpen – schließlich gebe es an dem schattigen Hang nur wenig Sonne und somit wenig Solarstrom. „Im Winter, wenn die Heizungen benötigt werden, gibt es nur zwei Stunden Sonne“, sagt Deufel. Der Ertrag, räumt Mangold ein, sei an dem Hang etwas geringer. „Aber wie wir das Projekt gestalten, ist unsere Sache“. Zudem befürchten die Anwohner ein Lärmproblem bei 24 surrenden Wärmepumpen. Mangold hingegen verweist auf ein Gutachten und eingehaltene Mindestabstände.

Außerdem, argumentiert Nagel, gebe es zu wenig Platz zum Parken. Mangold kalkuliert mit 24 Pkw- und drei Car-Sharing-Stellplätzen für die 24 Häuser – was gemäß Baurecht ausreichend sei. Nagel hingegen kommt auf einen Bedarf von mindestens 36 Pkw-Stellplätzen. Zudem könnten die Autos kaum ausparken, wenn der Parkstreifen an der Rochus-Merz-Straße genutzt werde.

Die Anwohner befürchten in ihrer Grafik komplizierte Parksituationen. Foto: Nagel

Und weiter im Text: Eine Dachneigung von 45 Grad – im Bebauungsplan sind 25 bis 35 Grad vorgesehen – würde höhere Baukörper und verstärkten Schattenwurf mit sich bringen, so Nagel. Mangold hingegen verweist auf eine Firsthöhe von 10,30 Metern – „ganz normal“ bei zwei Voll- und einem Dachgeschoss. Die Dachneigung müsse befreit werden, hierzu sei er mit dem Baurechtsamt in Kontakt, so der Investor.

Hinzu kommen würden 70 Treppen und neun Rampen sowie drei Aufzüge, so dass von einer Barrierefreiheit nicht gesprochen werden könne, sagt Nagel. Mangold wiederum verweist auf die Aufzüge in Sachen Barrierefreiheit. Zudem seien die Baukörper stark verdichtet mit schmalen Grundrissen von knapp unter fünf Metern. Üblich seien sechs bis acht Meter.

Vermarktung ab April geplant

Einer einzeiligen, aufgelockerten Bebauung würden die Anwohner nicht im Wege stehen. „Grund allen Übels ist ein für dieses Areal völlig missratener Bebauungsplan aus den 1980er-Jahren“, sagt Nagel.

Die Anwohner hoffen nun auf die Stadtverwaltung, schließlich hätten 111 Anlieger das Vorhaben in der vorliegenden Form abgelehnt.

Mangold hingegen hofft auf eine zeitnahe Baugenehmigung. Schon im April soll die Vermarktung beginnen. Jedes Haus solle separat vermarktet werden. Interessenten – auch aus Schramberg – gebe es bereits.