Gemeinden und Kommunen aus drei Landkreisen schließen sich für das Starkregenrisikomanagement zusammen. Starkregen kann an ganz unüblichen Stellen zu Überflutungen führen. (Symbolbild) Foto: Schmidt

24 Kommunen aus dem Kreis Calw, Kreis Freudenstadt und dem Enzkreis haben sich zusammengeschlossen: Sie rüsten sich gemeinsam gegen Starkregenereignisse. Die Stadt Wildberg hat sich bereit erklärt das Projekt federführend zu übernehmen. Somit lag es nun am Wildberger Gemeinderat die Vergabe der Planungsleistungen für 24 Kommunen zu beschließen.

Wer die Karte vor Augen hat, sieht erst einmal einen Flickenteppich aus teils weit verstreuten Gemeinden und Städten im Nordschwarzwald. Doch hinter dem unscheinbaren Teppich steckt ein besonders wichtiges Thema – nicht nur für die Region. Besonders seit der Flutkatastrophe im Ahrtal vor zwei Jahren beschäftigt das Thema Starkregen ganz Deutschland.

 

Viele Gemeinden und Städte haben sich bereits mit dem Thema beschäftigt. Über ein geeignetes Ingenieurbüro wird dabei zuerst eine Gefahrenkarte für das gewünschte Gebiet erstellt. Bei der anschließenden Risikoanalyse geht es darum, Gefahrenpunkte herauszukristallisieren und dann geeignete Maßnahmen für den Schutz der Orte und der Bevölkerung zu erarbeiten.

Nun startet allerdings eines der größten Projekte deutschlandweit in Sachen Starkregenrisikomanagement (SRRM). Denn aus dem Kreis Calw, dem Kreis Freudenstadt und dem Enzkreis haben sich über den Regionalverbund Nordschwarzwald 24 Kommunen vereint, um das Thema gemeinsam anzugehen.

Organisation in Wildberg

Die Stränge des Projekts laufen dabei im Wildberger Rathaus zusammen. Die Schäferlaufstadt hatte sich bereit erklärt die Koordination federführend zu übernehmen. Bürgermeister Ulrich Bünger habe die interkommunale Zusammenarbeit 2021 auch angestoßen, erklärte Kämmerer Andreas Bauer in der Gemeinderatssitzung.

Dass nun ein solcher Flickenteppich entstanden sei, müsse man nun leider hinnehmen. „Eine geschlossene Fläche wäre schöner gewesen“, meint Bauer. Doch viele Kommunen hätten bereits eigenes SRRM beauftragt und seien teils schon weit fortgeschritten. Einige wenige Kommunen hätten die Zusammenarbeit durch den öffentlich-rechtlichen Vertrag allerdings auch abgelehnt.

Synergien durch Zusammenschluss

Denn Wasser macht natürlich nicht an den kommunalen Grenzen Halt und könne eben jeden treffen. „Starkregen kann überall auftreten und dauert manchmal nur 15 Minuten“, erläutert Bauer. Doch die Folgen können verheerend sein, wie man bei verschiedenen Ereignissen bereits gesehen hat.

Die interkommunale Zusammenarbeit biete vor allem Synergien, die sonst nicht entstehen würden und von der jede Kommune profitieren wird, betont der Kämmerer. Insbesondere organisatorische und finanzielle Aspekte.

Finanziell muss übrigens einiges auf den Tisch kommen: Die Planungsleistungen wurden vom Wildberger Gemeinderat für insgesamt rund 1,5 Millionen Euro an eine Bietergemeinschaft aus drei Ingenieurbüros vergeben. Die Gesamtkosten werden nach einem im Vertrag festgelegten Verfahren auf die einzelnen Kommunen aufgeschlüsselt. Vor allem spielen dabei die Fläche des Bearbeitungsgebiets und die Anzahl der Einwohner eine Rolle, erläutert Bauer. Baiersbronn beispielsweise habe eine große Fläche mit wenig Einwohnern, eine andere Kommune habe viele Einwohner auf einer kleineren Fläche.

Vergabe der Planungsleistungen

Auf die EU-weite Ausschreibung im April diesen Jahres habe sich die Bietergemeinschaft als einziger Interessent beworben. „Wir gehen davon aus, dass es an der Größe des Projekts liegt“, unterstreicht Bauer, weswegen es auch eine Bietergemeinschaft aus drei Büros geworden ist. Außerdem seien die Ingenieurbüros zur Zeit besonders ausgelastet.

Die Bietergemeinschaft selbst besteht aus den Büros Fichtner aus Stuttgart, Wald + Corbe Consulting aus Hügelsheim und Hydrotec Ingenieurgesellschaft für Wasser und Umwelt aus Aachen. Die drei Büros haben in der ersten Planung den Flickenteppich des Bearbeitungsgebiets unter sich aufgeteilt.

Das Büro Fichtner kümmert sich um die Kommunen Empfingen, Bad Rippoldsau-Schapbach, Seewald, Grömbach, Simmersfeld, Pfalzgrafenweiler, Egenhausen, Ebhausen sowie Wildberg. Das Büro Wald + Corbe um Baiersbronn, Birkenfeld, Keltern, Remchingen, Kämpfelbach, Königsbach-Stein, und Knittlingen. Und das Büro Hydrotec um die Gebiete von Calw, Simmozheim, Oberreichenbach, Dobel, Höfen an der Enz, Neuenbürg sowie Wiernsheim und Mühlacker.

„Uns war es natürlich trotzdem wichtig, dass alles gleichzeitig läuft“, unterstreicht Bauer. Nicht, dass nachher eine Kommune schon Maßnahmen umsetzt, während die andere noch nicht einmal angefangen hat. So werden die Gefahrenkarten für die jeweiligen Gebiete, die anschließenden Workshops und die Risikoanalysen sowie auch die Bürgerinformationsveranstaltungen in den einzelnen Kommunen gemeinsam und zeitgleich angegangen.

Das muss jede Kommune voraussichtlich zahlen

Kreis Calw
Calw – 47 499 Euro, Dobel – 8061 Euro, Ebhausen – 12 888 Euro, Egenhausen – 5358 Euro, Höfen an der Enz – 4682 Euro, Oberreichenbach – 13 323 Euro, Simmersfeld – 14 529 Euro, Simmozheim – 6731 Euro, Wildberg – 28 528 Euro.

Kreis Freudenstadt
Bad Rippoldsau-Schapbach – 21 963 Euro, Baiersbronn – 69 656 Euro, Empfingen – 10 330 Euro, Grömbach – 3958 Euro, Pfalzgrafenweiler – 20 853 Euro, Seewald – 18 198 Euro.

Enzkreis
Birkenfeld – 18 632 Euro, Kämpfelbach – 12 164 Euro, Keltern – 19 984 Euro, Knittlingen – 17 715 Euro, Königsbach-Stein – 22 301 Euro, Mühlacker – 49 237 Euro, Neuenbürg – 18 536 Euro, Remchingen – 22 398 Euro, Wiernsheim – 15 543 Euro.