Der Angeklagte hatte das Sofa eines Bewohners eines Wohnheims auf dem Wimberg angezündet. Foto: Feuerwehr Calw

Jüngst ist vor dem Landgericht in Tübingen der Prozess gegen einen 21-Jährigen gestartet. Er hat unter anderem im August 2022 in einem Wohnheim auf dem Wimberg ein Feuer gelegt sowie einen einfahrenden Zug im ZOB Calw zu einer Gefahrenbremsung genötigt.

Calw/Tübingen - "Er ist jemand, der gerne mal mit Feuer spielt", sagte ein Kriminalbeamter im Zeugenstand über den polizeibekannten 21-Jährigen Angeklagten, der sich nun im Landgericht Tübingen gegenüber dem Gesetz verantworten musste. Am 3. August 2022 hatte der Angeklagte dann aus diesem Spiel bitteren Ernst gemacht: Nach einem Streit in einem Wohnheim auf dem Wimberg zündete Tobias K. (Name von der Redaktion geändert) das Sofa eines damals 39 Jahre alten Bewohners des Wohnheims an. Das Feuer hatte sofort um sich gegriffen und die gesamte Wohnung sowie die angrenzende Wohnung zerstört. Der entstandene Sachschaden wurde seinerzeit auf zirka 60 000 Euro geschätzt.

Als Motiv soll der Angeklagte später angegeben haben, dass der Geschädigte sich geweigert habe, ihm sein Feuerzeug und seinen Tabak zurückzugeben, weshalb es zum Streit gekommen war und K. früher an diesem Tag bereits die Polizei gerufen hatte. Der Angeklagte sei bekannt dafür, wegen solchen Sachen anzurufen, sagte ein Polizist vor Gericht aus. "Entweder er droht dann am Telefon Dritten oder sich selbst Übel an", erzählte er. Der Kriminalbeamte, der kurz nach Ausbruch des Feuers vor Ort war, schilderte die damalige Situation vor Gericht wie folgt: "Als wir ankamen, herrschte ziemliches Chaos. Die Bewohner des Wohnheims versuchten gerade, mit Feuerlöschern das Feuer zu bekämpfen". K. habe dabei nicht geholfen. Die Polizei hatte ihn vor der Unterkunft angetroffen.

Eine Abreibung verpassen

"Er wirkte völlig aufgelöst, als wir mit ihm sprachen", berichtete der Polizist im Zeugenstand. Gegenüber der Polizei behauptete K. damals, dass der Geschädigte das Feuer gelegt habe, was jedoch schnell widerlegt wurde.

Vor Gericht sagte der Angeklagte aus, dass er dem Geschädigten eine Abreibung verpassen wollte. Mit einem Streichholz habe er das Sofa angezündet und ist dann nach draußen, nachdem das Sofa bereits lichterloh gebrannt hatte. Er gab an, gewusst zu haben, dass sich in der Nachbarwohnung zu diesem Zeitpunkt niemand aufgehalten hatte und dass sich die Bewohner der Wohnungen darüber bei der Arbeit befunden hatten. Der Richter machte deutlich, dass bei dem Brand ein beträchtlicher Schaden entstanden ist. Darüber habe er sich im Voraus keine Gedanken gemacht, so K.

Angeklagt ist der im Jahr 2001 geborene Tobias K. noch in weiteren Punkten. So soll er sich außerdem im März des vergangenen Jahres im Gleisbereich am ZOB Calw aufgehalten und dadurch einen einfahrenden Zug zu einer Gefahrenbremsung gezwungen haben, eine Mitpatientin im Klinikum Nordschwarzwald geschlagen und getreten haben sowie in mehreren Fällen – unter anderem im Zentrum für Psychiatrie (ZfP) in Hirsau – Brandmelder mittels einer Zigarette ausgelöst haben. Der Angeklagte soll an einer psychischen Erkrankung leiden, die Auswirkungen auf seine Schuldfähigkeit zum jeweiligen Tatzeitpunkt hatte.

Dem Zug entgegengestellt

Zu Beginn der Verhandlung befragte der Richter den Angeklagten zu dem Vorfall am Bahnhof Calw. "Das ist ja schon eine Situation, bei der man erst einmal schlucken muss. Ein junger Mann stellt sich einem Zug entgegen. Was ist passiert, dass sie zu dem Entschluss gekommen sind?", fragte der Richter den Angeklagten. Er habe in diesem Moment Suizidgedanken gehabt, gab der Angeklagte an. Zuvor habe er ein Brief gelesen, in dem er als "krankes Kind" bezeichnet wurde. Von der Bezeichnung "krank" habe er sich angegriffen gefühlt. "Sie fühlten sich zu diesem Zeitpunkt also nicht krank?", hakte der Richter nach. Dies verneinte der Angeklagte. Das Ganze habe ihn schlussendlich derart aufgebracht, dass er diese drastische Entscheidung getroffen hatte. Erinnerungen an den Vorfall, bei dem der Zugführer gerade noch bremsen konnte oder an das darauffolgende Gespräch mit den zwei Polizisten, die ihn von den Gleisen geholt hatten, habe er kaum.

Streitigkeiten vorausgegangen

Daran, dass er eine Mitpatientin im Klinikum Nordschwarzwald tätlich angegriffen haben soll, erinnere sich K. auch nicht mehr so richtig. Er gab an, keinen näheren Kontakt zu ihr gehabt zu haben, eigentlich habe er sich mit ihr "nie wirklich unterhalten". Die Geschädigte trug von dem Vorfall Verletzungen im Rippenbereich, eine Verletzung an der Lippe sowie mehrere Hämatome davon. Der Polizei gegenüber gab sie damals an, dass dem Angriff, bei dem K. eine Tasse quer durch den Raum nach ihr geworfen, ihr ins Gesicht geschlagen und nach ihr getreten haben soll, Streitigkeiten vorausgegangen seien. "Erst als Pflegepersonal dazu kam, ließ er von mir ab", schilderte die Geschädigte die Tat in ihrer Anzeige. Ihr sei es laut eines psychiatrischen Attestes nicht möglich, bei dem Prozess als Zeugin auszusagen, so der Richter.

Zu den insgesamt drei Mal, die der Angeklagte die Brandmeldeanlagen im Klinikum mit Zigarettenrauch ausgelöst hat, sagte K.: "Ich wollte provozieren". Es sei ihm zu diesen Zeitpunkten nicht gut gegangen. "Wird der Brandmelder bei Kliniken ausgelöst, rückt ein ganzer Löschzug aus", sagte der Feuerwehrkommandant, der vor Gericht zu der Sache als Zeuge befragt wurde. Damit sei ein großer personeller Aufwand verbunden.

Der Prozess wird am Montag, 23. Januar, fortgesetzt.

Anmerkung der Redaktion: Wenn Ihre Gedanken darum kreisen, sich das Leben zu nehmen, sprechen Sie mit Freunden und Familie darüber. Hilfe bietet auch die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar – unter 0800/1 11 01 11 und 0800/1 11 02 22.