Für einen Überfall im Stadtgraben in Rottweil musste sich ein 21-Jähriger vor Gericht verantworten. (Symbol-Foto) Foto: Rainer Fuhrmann –­ stock.adobe.com

Kaum hat die Richterin das Urteil verkündet, bricht die Mutter des Angeklagten in Tränen aus. Die Entscheidung fiel dem Gericht sichtlich nicht leicht. Den vorbestraften Angeklagten erwartet nun eine mehrjährige Haftstrafe im Jugendgefängnis.

Rottweil - Wegen Raub in Tateinheit mit Körperverletzung musste sich ein 21-Jähriger vor dem Rottweiler Amtsgericht verantworten. Im Laufe der Verhandlung kam eine tragische Familiengeschichte, Drogenprobleme und eine lange Liste an Vorstrafen zum Vorschein.

Im Mai 2020 soll der Angeklagte gemeinsam mit einem weiteren Mittäter am Nachmittag sein Opfer im Rottweiler Stadtgraben ausgeraubt und zusammengeschlagen haben. Der Geschädigte schilderte vor Gericht, dass er den Angeklagten von einer Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme kenne, allerdings nie Probleme mit ihm gehabt habe. Zusätzlich hätte seine damalige Mitbewohnerin Kontakt mit dem Angeklagten gehabt.

Opfer fühlte sich "gedemütigt"

Nachdem er nach Streitigkeiten aus der Wohnung hatte ausziehen müssen, sei er in den Stadtgraben gegangen. Dort sei der Angeklagte – "komplett unnötig" – auf ihn zugekommen und hätte ihm mehrfach ins Gesicht geschlagen, während der Mittäter seinen Rucksack durchsucht hatte. Die Täter entwendeten ihm ein Feuerzeug und 50 Euro Bargeld. Anschließend sei ein Video von ihm gedreht worden, indem er sich habe entschuldigen müssen.

Wofür genau, wisse der Geschädigte nicht mehr. Er habe sich dabei "gedemütigt" gefühlt, erzählt er. Durch den Übergriff erlitt er eine Platzwunde am Kopf, die genäht werden musste. Es ist nicht das erste Mal, dass der Angeklagte strafrechtlich aufgefallen ist. Seit 2015 gerät der 21-Jährige immer wieder in Konflikt mit dem Gesetz. In Vergangenheit musste er sich bereits wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, Bedrohung, Nötigung und dem unerlaubten Führen einer Waffe verantworten. Zum Zeitpunkt der Tat im Mai 2020 stand der 21-Jährige noch unter Bewährung.

Die Familie des Angeklagten stammt aus dem Kosovo, der Angeklagte selbst sei eigenen Angaben zufolge in Ulm geboren. Er verlor schon früh seinen Vater, wurde mehrfach von der Schule verwiesen und war des öfteren verbal und körperlich übergriffig.

Ein Jugendgerichtshelfer berichtete, dass der Angeklagte ihm gegenüber angegeben habe, täglich Marihuana und Amphetamine zu konsumieren. Nur durch die Betäubungsmittel würde es ihm gelingen, ruhig und weniger aggressiv zu sein.

Über zwei Jahre Haft

2016 absolviert der Angeklagte seinen Hauptschulabschluss, beginnt anschließend eine Ausbildung, die er aber nach einem halben Jahr wieder abbricht. Seit zweieinhalb Jahren ist er arbeitssuchend. "Er lebt in den Tag hinein", sagte seine Bewährungshelferin aus. Laut Jugendgerichtshilfe habe er keinerlei Tagesstruktur, keine Eigenverantwortlichkeit und kein Problembewusstsein.

Der Angeklagte soll der ehemaligen Mitbewohnerin des Opfers die Tat via Instagram angekündigt haben, wie aus einem Polizeibericht von ihrer Vernehmung hervorgeht. Vor Gericht konnte sich die 20-Jährige allerdings an den Inhalt der Nachricht nicht mehr erinnern, diese sei zudem gelöscht worden. Die Frage der Richterin, ob sie Angst habe, verneint sie.

Der 21-jährige Angeklagte machte vor Gericht keinerlei Angaben zur Tat. Auch die genauen Hintergründe blieben bis zuletzt ungeklärt. Mehrfach kamen während der Verhandlung Geschäfte mit Betäubungsmitteln zur Sprache. "Wir können nur vermuten, dass es sich um Drogen gehandelt hat", erklärte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung. Doch sie macht klar: "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun."

Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten und wendete das Jugendstrafrecht an, da der Angeklagte zum Tatzeitpunkt noch unter 21 gewesen ist. Das gehe jedoch nur, wenn man noch Entwicklungspotenzial sieht, erklärte die Richterin. Sie sehe in dem Angeklagten noch Potenzial, der in der Verhandlung angab, eine Drogentherapie machen und sein Leben in den Griff kriegen zu wollen. Laut Richterin habe er dafür im Jugendgefänis – beispielsweise durch eine Ausbildung – die Möglichkeit dazu.

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