Foto: Piechowski

Ein Lokführer hat zwischen Marbach und Backnang seinen Zug gestoppt, nachdem die Bahn mit Schneebällen beworfen worden war. Etwa 200 Schüler und Berufspendler kamen zu spät zur Arbeit und in die Schule.

Stuttgart - Ein Lokführer hat zwischen Marbach und Backnang seinen Zug gestoppt, nachdem die Bahn mit Schneebällen beworfen worden war. Etwa 200 Schüler und Berufspendler kamen zu spät zur Arbeit und in die Schule. Nach Wendlingen war das der zweite Fall einer Schneeballattacke mit Folgen in der Region.

Auch Dennis Marx ist zu spät zum Unterricht gekommen. Der 15-Jährige aus Kirchberg hätte in der ersten Stunde eine Mathearbeit schreiben müssen. Stattdessen saß er in dem Zug fest, mit dem er täglich zur Schule fährt. Kurz nach 7 Uhr war der Regionalzug in Kirchberg (Rems-Murr-Kreis) zwischen Marbach und Backnang mit Schneebällen beworfen worden. Der 63-jährige Lokführer verweigerte daraufhin die Weiterfahrt.

Während die Bundespolizei, die in dem Fall ermittelt, von einer Schülergruppe spricht, die mehrere Schneebälle auf die Lok geworfen haben soll, hat Dennis Marx nur einen einzigen Schneeball gesehen, der den Zug bei der Einfahrt in Kirchberg traf. Als die Fahrgäste eingestiegen waren, habe der Zugführer per Lautsprecher den Schneeballwerfer aufgefordert, sich bei ihm zu melden, schildert Dennis' Mutter, Sabine Marx, den Vorfall. Das tat aber keiner.

Im Bahnhof in Burgstall kündigte der Lokführer an, erst dann weiterzufahren, wenn sich der Täter bei ihm gemeldet habe. Beamte der Bundespolizei, die offenbar von Fahrgästen verständigt worden war, konnten den 63-Jährigen schließlich zur Weiterfahrt nach Backnang überreden. Die Folge: Ein Zug fiel auf der kompletten Strecke Backnang-Marbach aus, ein zweiter zwischen Marbach und Burgstall.

Schneeball trifft Lokführer am Kopf

Angeblich waren die Türen des Regionalzuges in Burgstall für kurze Zeit verschlossen. Sollte sich das bestätigen, droht dem Lokführer eine Anzeige wegen Nötigung. Wird der Schneeballwerfer doch noch ausfindig gemacht, werde er sich wohl wegen einer Ordnungswidrigkeit verantworten müssen, sagt Michael Glöckler, Pressesprecher der Bundespolizei-Inspektion Stuttgart.

Mit schwereren Strafen hat dagegen eine Gruppe von Jugendlichen zu rechnen, die am Mittwoch gegen 17 Uhr in Wendlingen (Kreis Esslingen) mit Schneebällen auf einen Regionalzug gezielt hatten. Einer davon war durch das offene Seitenfenster des Zugs geflogen und hatte den Lokführer am Kopf getroffen.

Der 41-Jährige leitete eine Notbremsung ein. Verletzt wurde dabei - wie in dem Kirchberger Fall - niemand. Der Schuldige könnte wegen Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr zur Verantwortung gezogen werden. Noch sind bei der Bundespolizei aber keine Hinweise zu dem Fall eingegangen, so Glöckler.

"Es passiert immer wieder, dass Züge mit Schneebällen beworfen werden", berichtet Glöckler. Ihm seien aber nur sehr wenige Fälle bekannt, bei denen ein Schaden entstand. Das Außergewöhnliche am Kirchberger Fall sei vielmehr die Reaktion des Lokführers gewesen.

Dessen Beweggründe seien der Polizei aber noch nicht bekannt. Auch bei der Deutschen Bahn AG kann man sich nicht an einen ähnlichen Fall erinnern. Ob die Handlung des Lokführers gerechtfertigt war, dazu wollte sich ein Sprecher des Unternehmens nicht äußern - "mangels ausreichender Informationen".

Betroffene können sich bei der Bundespolizei unter der Rufnummer 0711/22550200 oder unter der kostenfreien Hotline 0800 6 888 000 melden.

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