Schmiedekunst über der Eingangstür: das Firmenschild der Schlosserei Gogel in der Dorfstraße in Aach Foto: Waltraud Günther

Die einstige Schmiedewerkstatt und heutige Schlosserei Gogel im Dornstetter Stadtteil Aach besteht seit 200 Jahren.

Im Jahr 1825 eröffnete Johann Adam Gogel in der Dorfstraße in Aach eine Schmiedewerkstatt. Heute betreibt dort dessen Ur-Ur-Urenkel Dieter Gogel eine Schmiede- und Bauschlosserei. Und heute wie wohl auch vor 200 Jahren gilt: „Wenn man zum Gogel geht, wird man bestens bedient.“

 

Wie sehr sich die Arbeit eines Schmieds und Schlossers verändert hat, erläutern Dieter und Erika Gogel sowie Heimatforscher Hans Lambacher. Früher war der Schmied dafür zuständig, Hufeisen für Pferde, Ochsen und Kühe, die als Zugtiere eingesetzt wurden, herzustellen und die Tiere zu beschlagen. Daneben galt es, Balkennägel, Meißel, Äxte und viele weitere landwirtschaftliche Werkzeuge zu schmieden.

Einen Schwerpunkt bildete – in enger Zusammenarbeit mit dem Wagner – die Herstellung von Beschlägen und Achsen für den Wagenbau. Zusätzlich war Schmied Gogel Wassermeister – und somit bis zur Eingemeindung von Aach für die Wasserversorgung und die Brunnen von Aach zuständig. Eine kleine Nebenerwerbslandwirtschaft kam hinzu.

Betrieb neu ausgerichtet

Firmenchef Dieter Gogel (Jahrgang 1961) hat den Traditionsbetrieb etwas anders ausgerichtet. Da der Schmiedeberuf rückläufig und der des Schlossers aufstrebend war, hat er damals bei der Firma Baldenhofer in Freudenstadt eine Lehre als Schlosser gemacht und im Jahr 1990 den elterlichen Betrieb übernommen.

Schmiedewerkzeug Foto: Waltraud Günther

Seither schätzen nicht nur seine privaten, sondern auch seine vielen Firmenkunden seine gute und zuverlässige Arbeit. Unter anderem auch, weil er bei Maschinenstörungen sofort zur Stelle ist und somit keine horrenden Stillstandskosten anfallen.

Vielseitiger Beruf

Gogel dagegen schätzt es, dass sein Beruf so „unglaublich vielseitig“ ist; kein Tag sei wie der andere. Er berichtet von Silos, in denen er defekte Rührwerke schweißt und wieder zusammenbaut, und von Geländern, Schutzblechen und Beschlägen, die er anbringt. Seine Aussage „Ich tät’s gleich noch mal machen“ verdeutlicht, wie sehr er mit seinem Betrieb und seinem Beruf verbunden ist.

Dieter und Erika Gogel mit der Urkunde der Handwerkskammer Reutlingen zum 200-jährigen Firmenbestehen Foto: Waltraud Günther

Was auch im Gespräch mit seiner Ehefrau Erika deutlich wird. Lächelnd attestiert sie ihrem Dieter, dass er als Schlosser „der Mann für schwierige Fälle“ sei, und verrät, dass sie ihm bei Bedarf stets in der Werkstatt zur Hand geht und die Büroarbeiten erledigt. „Wir sind bewusst klein geblieben und haben keine großen Hallen gebaut“, erläutert sie die Firmenphilosophie. Und ihr Mann ergänzt mit Blick auf die 200- jährige Firmengeschichte: „Wenn man klein bleibt, kann man auch alt werden.“

In der Familienbibel der Gogels aus dem 18. Jahrhundert hat ein Bombensplitter Spuren hinterlassen. Foto: Waltraud Günther

Ob die Schmiede und Bauschlosserei Gogel auch weiterhin alt werden kann, ist allerdings unsicher, denn beide Gogel-Söhne haben andere Berufe ergriffen. Ein Wegfall dieses ältesten noch im Ort existierenden Handwerksbetriebs wäre für Aach ein schwerer Verlust, meint Heimatforscher Lambacher. Gelte doch stets: „Wenn was mit Sense, Mähmaschine oder sonstigen Geräten ist, geht man zum Gogel, der hilft einem immer.“

Ein Blick in die Geschichte

Geschützt
Am Ende des Zweiten Weltkriegs bombardierte die deutsche Armee die Aacher Brücke. Im Bombenhagel wurde auch das Haus Gogel beschädigt. Wie durch ein Wunder kam dabei niemand ums Leben. Mit der alten Familienbibel in der Hand und dem kleinen Fritz im Arm hatte sich Dieter Gogels Großmutter ins Bett gelegt. Ein Bombensplitter verletzte sie nicht, sondern blieb in der Bibel stecken.

Gewürdigt
Dieter Gogels Großvater Hermann Gogel wurde nach dem Krieg – seines untadeligen Verhaltens während der NS-Zeit wegen – zum kommissarischen Bürgermeister von Aach bestellt. Als Dolmetscher fungierte dabei der Vater von Eleonore Kötter.

Gebraucht
Eisen wurde damals überall dringend benötigt. Weil am Freudenstädter Marktplatz in den Brandruinen der Firma Eisen Wagner geschmolzene Eisenklumpen lagen, wurden diese eingesammelt. In Aach wurden dann daraus dringend benötigten Werkzeuge geschmiedet.