„Stolz gegen die Großen, bescheiden gegen die Kleinen“, das war Ludwig Pfaus Wahlspruch. Foto: Brandseph

Der Herausgeber des „Eulenspiegel“ und Märzrevolutionär wäre am 25. August 200 Jahre alt geworden. In seiner Heimatstadt Heilbronn hat er bleibende Spuren hinterlassen, zum Geburtstag erinnert man an den eigenwilligen Dichter, Denker, Demokraten.

Stuttgart - Ein begnadeter Redner und freundlicher Zeitgenosse scheint er nicht gerade gewesen zu sein, dafür ein kauziger Eigenbrötler, ein Querkopf, ein treffsicherer Satiriker – und vor allem ein waschechter Demokrat, der für seine Überzeugungen ins Gefängnis ging. Am 25. August würde der Dichter, Denker und Revolutionär Ludwig Pfau zweihundert Jahre alt. Mit einer Feierstunde erinnert die Stadt am Mittwoch von 19 Uhr an im Deutschhof an ihren so streitbaren wie vielseitigen Ehrenbürger.

 

Wäre es nach Pfaus Vater gegangen, der junge Ludwig wäre Pfarrer geworden. Das lehnte der Spross aber ab und begann, erst in der elterlichen Gärtnerei in Heilbronn, von 1839 an im französischen Corbeilles bei Paris, als Gärtner zu arbeiten. „Aber das war ihm zu brottrocken“, sagt Anton Knittel, der Leiter des Heilbronner Literaturhauses.

Der Vater dreht den Geldhahn zu

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Bald widmete sich Pfau in Paris der französischen Sprache, der Literatur und der Kunst – „und lernte in der Metropole, dass es mehr gibt als Blumen und Gewächshäuser“. Die Eltern sind nicht amüsiert, der Vater dreht Ludwig den Geldhahn zu. 1841 muss der 20-Jährige wegen der Militärpflicht zurück nach Heilbronn. Er arbeitet wieder beim Vater in der Gärtnerei mit, will aber später studieren. Dabei bleibt er auch, als er sich in die Minna Widmann verliebt, die Tochter eines Papierfabrikanten, deren Eltern gegen die Verbindung mit dem brotlosen Künstler sind.

Pfau beginnt, Gedichte zu schreiben und zu veröffentlichen und 1844 Philosophie in Tübingen zu studieren, wegen Geldnot aber nur ein Jahr lang. Er geht nach Karlsruhe, arbeitet als Redakteur und lernt badische Demokraten kennen. Die Idee eines satirischen Karikaturenblattes entsteht – und wird 1848 zur ersten Ausgabe des „Eulenspiegel“; des ersten deutschen politischen „Volks-, Witz- und Carricaturen-Blatt“.

Die vierseitige Wochenzeitung mit Pfau als Hauptautor wird zum Sprachrohr der Demokraten. „Das freut mich gerade, dass das Volk so zugreift“, schreibt Pfau 1848. Der Zensur geht die Zeitung eine ganze Weile durch die Lappen, „mein Censor versteht die Sachen nicht, sonst ließe er sie nicht durch.“ Das ändert sich nach der Niederschlagung der Märzrevolution im Sommer 1849 – immer öfter wird das Blatt konfisziert und 1853 schließlich verboten.

Pfau ist da schon in der Schweiz, später in Frankreich im Exil. Weil er als Vorstandsmitglied des Württembergischen Landesausschusses 1849 an der Reutlinger Pfingstversammlung teilgenommen, für eine Volkserhebung in Baden und Württemberg und für eine süddeutsche Republik eingetreten ist, wird er 1852 in Abwesenheit wegen Hochverrats zu 21 Jahren Zuchthaus verurteilt. Erst 1863, nachdem der württembergische König eine Amnestie erlassen hat, kehrt er nach Stuttgart zurück und gründet die Deutsche Volkspartei mit, einen Vorläufer der baden-württembergischen FDP.

Das lässt sich der preußische Staat nicht gefallen

Pfau schreibt wieder Gedichte und verdingt sich als scharfzüngiger Kunstkritiker. 1876 schreibt er: „Ist es nicht genug, dass uns das kulturschädliche preußische Regiment ökonomisch, moralisch und intellektuell zu Grunde richtet (...) – sollen wir uns auch noch ästhetisch von ihm ruinieren lassen?“

Das lässt sich der preußische Staat nicht gefallen, Pfau muss in Frankfurt wegen Beleidigung vor Gericht. Dort hält er eine flammende Verteidigungsrede, die später mit einer Auflage von 50 000 Stück gedruckt und in ganz Deutschland verteilt wurde. Es hilft nichts, er wird verurteilt – zum ersten Mal.

Pfau wird tief frustriert Ehrenbürger

Pfau hat es ganz gemütlich im Heilbronner Gefängnis

Drei Monate sitzt er in Heilbronn im Zuchthaus in der Steinstraße ab. Darben muss er dort nicht, der ihm wohl gesonnene Gefängnisdirektor Karl von Köstlin lässt es zu, dass man es ihm in seiner Zelle mit Sessel und Büchern gemütlich macht. Zu seinem 70. Geburtstag, drei Jahre vor seinem Tod 1894, wird er zum Ehrenbürger ernannt. Pfau ist da aber tief frustriert, offenbar auch wegen der Wahlniederlage der Demokratischen Volkspartei 1887: „Es scheint mir alles so unnötig in dieser Narrenwelt, und so gleichgültig, was man an diese Bande herz- und hirnloser Philister hinschwatzt“, schreibt er.

Die tiefe Ablehnung alles Borussischen sorgte dafür, dass Heilbronn heute ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal hat, das den Monarchen nicht wie so oft hoch zu Ross zeigt. Ludwig Pfau selbst hat es entworfen: Die sitzende Germania versucht, ihre Kinder Süd- und Norddeutschland zusammenzubringen, mit dem Porträt Wilhelm I. über ihr. Die nach Ludwig Pfau benannte Straße in Heilbronn führt übrigens zum Gefängnis, ausgerechnet. Aber das, sagt Anton Knittel und lächelt, „hätte ihm bestimmt gut gefallen“.

Veranstaltungen

Gedenken
  Am 25. August wird um 19 Uhr im Deutschhof ein Festakt zu Ludwig Pfaus 200. Geburtstag gefeiert. Am 28./29. August kann auf der Inselspitze die Ausstellung „Ein Denkmal für Ludwig Pfau!“ besichtigt werden. Am 24. September und 29. Oktober zeigt die Kabarettgruppe „Die GAUwahnen“ ihr Stück „Ludwig Pfau. Der vorbestrafte Ehrenbürger“. Vom 30. September bis 2. Oktober veranstaltet das Literaturhaus die erste wissenschaftliche Tagung zu Ludwig Pfau. Im Internet zeigt die Stadt unter www.heilbronn.de/kultur-freizeit/veranstaltungen/200-jahre-ludwig-pfau.html Filme über Pfaus Lebensstationen.